Was Indiana Jones sein Atlantis ist und Nathan Drake sein El Dorado, ist dem Feodor sein Zerzura. Der seltsame Name hat mitnichten etwas mit der mäßigen Special-Effects-Schau Zathura zu tun, diesem Jumanji-Filmabklatsch aus dem Jahr 2006. Vielmehr bezeichnet es einen in unseren Breiten wenig bekannten afrikanischen Mythos, eine verborgene Stadt, in der es Wasser mit magischen Eigenschaften geben soll. Genau das richtige Thema für eine große Abenteuergeschichte nach Indy-Vorbild…

The Lost Chronicles of Zerzura - Trailer

Auf den Spuren von Indiana Jones

Dabei ist Feodor zu Beginn alles andere als verwegen und abenteuerlustig: Viel eher gehört er der Kategorie „Nerd“ an, über die sich RTL-Reporter gerne lustig machen. Statt in waghalsigen Situationen rund um den Globus verbringt er seine Zeit im stillen Kämmerlein beim Austüfteln neuer Experimente und mechanischer Konstruktionen. Feodor ist nämlich so etwas wie der Leonardo Da Vinci Spaniens.

Hier, im Barcelona des Jahres 1514, beginnt The Chronicles of Zerzura. Feodor und sein Bruder Ramon brüten über einer Flugmaschine, ganz nach dem Vorbild ihres italienischen Idols. Doch geraten sie dabei ins Fadenkreuz der Inquisition, argwöhnt diese doch unchristliches Hexenwerk hinter ihrem Vorhaben. So wird Ramon von ihren Häschern geschnappt und verschleppt. Und der unbedarfte Feodor muss sich aus der Zurückgezogenheit seiner Werkstatt lösen, um auf große Abenteuerfahrt zu gehen…

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Panoramablick: Der Zeichenstil ist alten Gemälden nachempfunden.
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Im Verlauf der Reise verschlägt es uns unter anderem ins südspanische Almeria, von dort nach Malta bis Tripolis, und schließlich tief in die Wüste, auf der Suche nach der sagenumwobenen „weißen Stadt“ Zerzura. Diese entspringt nicht der Fantasie der Entwickler, sondern basiert, ganz dem Vorbild „Indiana Jones“ verhaftet, auf einer realen Legende: Gerne wird Zerzura auch „das Atlantis Afrikas“ genannt.

Der Legende nach eine Oase, die irgendwo im Niltal zwischen Ägypten und Libyen liegen soll, wird Zerzura erstmals in einem Dokument aus dem 13. Jahrhundert erwähnt. Mehrere Expeditionen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts blieben ohne Ergebnis. Doch bis heute hält sich die Mär von der verborgenen Stadt, in der es nicht nur Wasser im Überfluss, sondern auch mit heilender Wirkung geben soll, derart wacker, dass sich selbst Uncharted 3 vor kurzem davon inspirieren ließ.

Packshot zu The Lost Chronicles of ZerzuraThe Lost Chronicles of ZerzuraErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Bei entsprechendem Erfolg hoffen die Entwickler bei Cranberry bereits, sich im nächsten Teil der „Chronicles of…“ einem weiteren Menschheitsmythos anzunehmen. Schließlich wolle man einen ähnlichen Hit landen wie zuvor mit den „Black Mirror“-Spielen aus dem gleichen Haus und „Chronicles“ zur Trilogie ausbauen. Mindestens.

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Berauschendes Meeresrauschen: Animationen werden ressourcenschonend als Video integriert.
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Grafisch hat man dafür tief in die Trickkiste gegriffen: Um dem häufigen Advenure-Vorwurf entgegenzuwirken, die Hintergrundbilder seien zwar hübsch, aber so steril und reglos wie eine Mumie nach dem Einbalsamieren, werden Animationen, wie wogende Wellen und wehende Baumwipfel, nicht ressourcen-zehrend von der CPU berechnet, sondern einfach als geschickt integriertes Video abgespielt. Das macht Zerzura auch auf schwächeren Rechnern zur Augenweide.

Dennoch geht Cranberry beim Grafikstil nicht den fotorealistischen Weg, sondern orientiert sich am Öl-auf-Leinwand-Pinselstrich zeitgenössischer Renaissance-Malereien. Selbst das Rätseldesign ließ sich von den bekannten Zeichnungen Leonardo Da Vincis inspirieren: Als genialer Erfinder sackt Feodor nicht nur Gegenstände ein, um sie mit anderen zu etwas Neuartigem zu verschmelzen. Vielmehr sammelt er Ideen, die er dann am Reißbrett miteinander kombiniert, um so Inspiration für neue Konstruktionen zu erhalten.

Die nächste große Adventure-Serie? Chronicles of Zerzura hat jedenfalls das Zeug dazu.Ausblick lesen

Auf die Weise „erfinden“ wir einen Heißluftballon, indem wir ihn uns am Zeichentisch in der Erfinderwerkstatt aus einem Blasebalg, Luftballon, Korb und ein paar Brettern zusammenklicken. Statt den Spieler zum Bastelheinz zu machen, möchte ihn Cranberry zum pfiffigen Tüftler berufen, der mit seinem naturwissenschaftlichen Grundwissen der Gegenwart dabei hilft, die Vergangenheit in die Moderne zu führen. Wie würde der Kollege aus Griechenland sagen? Heureka!