Mit einem wuchtigen Schwung seines Stabes durchtrennt der alte Mann sein Gegenüber in Sekundenschnelle. Mehr als einen verdutzten stummen Schrei bringt der eiserne Soldat nicht mehr zustande, da bricht der Rumpf vom Hosenbund ab und fällt polternd auf den aufgeräumten Steinchenboden. Ein zweiter und dritter Körper folgen dem Vorgänger wenige Momente später. Was wie ein grausamer Mord in einer dystopischen Zukunft anmutet, stammt in Wirklichkeit direkt aus der ersten Einstellung des neuesten Vertreters der beliebten Lego-Spielereihe - „The LEGO Movie Videogame“.

The LEGO Movie Videogame - Release TrailerEin weiteres Video

Zugegeben, bei mir hielt sich die Begeisterung über den erneuten Ausflug in die Klötzchenwelt in Grenzen. Mit mehr als zwanzig Titeln in der letzten Dekade hat Warner Bros. eine wahre Brutmaschinerie für das beliebte Franchise hochgezogen, mit dem es Jahr für Jahr neue Marken auf die Schippe nimmt. Ob es sich für euch lohnt, das Ticket in die Welt der Quadrate zu lösen, hängt dieses Mal jedoch ganz besonders von den Vorkenntnissen der Filmvorlage ab: In der jungfräulichen Erfahrung lullt euch Entwickler TT Fusion mit seinem hervorragenden Artdesign und einer Flut popkultureller Bezüge und Seitenhiebe ein, solltet ihr jedoch bereits den Kinosaal besucht haben, dringt euer Blick unter die glänzende Hülle und bringt das leicht angefaulte Kerngehäuse zum Vorschein.

The LEGO Movie Videogame - Popkultur in Klötzchenform

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Batmaaan! Auch der dunkle Ritter ist mit von der Partie.
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„The LEGO Movie Videogame“ stellt die Videospieladaption des namensgebenden ersten Klötzchenfilms dar, der ab gestern auch die deutschen Kinosäle erobert hat und in Übersee bereits als Überraschungshit des Jahres gilt. Ohne den vorgegebenen Pfad nennenswert zu verlassen, erlebt ihr die Geschehnisse des Films auf spielerische Weise nach – willkommen in der Welt der Legosteine, willkommen in Steinstadt.

Eine wohlige Reise durch Raum und Zeit

Auf den ersten Blick ist Emmet ein ziemlich unaufregender Zeitgenosse – gelbes Antlitz, Bauarbeiter auf den immer gleichen Baustellen, emsiger Verfechter der „Alles ist super“-Maxime des Staates. Ein ganz normaler Typ also. Und der soll die Welt vor der Vernichtung bewahren? Das kann ja was werden.

Emmet ist in Steinstadt zu Hause, das so überhaupt nicht auf das geistige Abbild der Vorzeigestadt einer Welt, die aus den winzigen Spielzeugsteinen besteht, passen will. Kreativität ist unter der Herrschaft des fiesen Lord Business wie ein Unkraut ausgetilgt worden und alle Untergebenen werden vom Staat angeleitet, strikt nach Vorschrift – also nach Anleitung – die Welt zu gestalten. Unter dem Geröll eines in Entstehung befindlichen Plattenbaus findet Emmet schließlich den „Stein des Widerstandes“, der ihn nach einer uralten Prophezeihung zum Auserwählten erhebt, demjenigen, der Lord Business stoppen soll.

Packshot zu The LEGO Movie VideogameThe LEGO Movie VideogameErschienen für PlayStation Vita, 3DS, PC, PS3, PS4, Wii U, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Ausgehend von dieser Grundsituation nimmt euch „The LEGO Movie Videogame“ mit auf eine Reise durch jedes vorstellbare Szenario: Von den kargen Steppen des Wilden Westens geht es hoch hinauf in das Himmelreich „Wolkenkuckucksheim“ und genauso bald wieder hinab in die schummrige Dunkelheit der Unterwasserwelt.

Eine überzeugende Hommage an die ikonischen Spielzeugsteine aus Dänemark. Blöd nur, dass die schon der Film geliefert hat - in etwas besser.Fazit lesen

Das Spiel präsentiert sich hierbei wie das direkte Vorbild in einer entzückenden Optik, in der neuerdings jeder Stein, jede Flamme, ja sogar Rauch und Gischt aus dem besteht, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält – den Legosteinen. Durch das neugestaltete grafische Gerüst wird der Bildschirm zu einem Fenster, dass euch in einen Spielplatz ganz aus Lego führt. Ihr braucht nur noch einzusteigen.

The LEGO Movie Videogame - Popkultur in Klötzchenform

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Die Welt ist erstmalig komplett aus Legosteinchen modelliert.
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In Lego-Land erwartet euch kein Frust, keine schwere Aufgabe. Ganz unbeschwert folgt ihr Emmet und seinem zusammengewürfelten Gefolge aus abgedrehten und ulkigen Figuren durch die Welt und werdet stets von einem beruhigenden Klimpern begleitet, wenn sich euer Klötzchenkonto ein Stück höher geschraubt hat. Die glitzernden Steinchen, die an jeder Ecke auf euch warten, werden schnell zum Garant für gemeisterte Aufgaben und Situationen.

In aller Regel sucht ihr in den überschaulichen Arealen Bauanleitungsseiten zusammen, mit denen Lord Business die Kreativität der Bewohner auf Seitenform gepresst hat. Ist die Anleitung komplettiert, ist es an euch, die angegebenen Materialien Stein auf Stein zusammenzufügen, um mit besonders beeindruckenden Bauwerken wie einer Mondrakete eurem derzeitigen Dilemma zu entfliehen.

Auch wenn sich die Sequenzen als ziemlich anspruchslos entpuppen, versprühen sie mit ihrer originalgetreuen Aufmachung der gefundenen Gebrauchsanweisung doch ungemein Charme. Mit „The LEGO Movie Videogame“ hat Warner Bros. eine spielgewordene Hommage an die dänischen Bauklötze geschaffen.

Im Auftrag der Videospielkultur

Aber dabei bleibt es nicht – der neueste Lego-Titel schickt sich gleichzeitig dazu an, ein umfassendes Spiegelbild der Popkultur der letzten zwanzig, dreißig Jahre zu zeichnen. Wenn euch hoch in den Wolken Abraham Lincoln mit einem fliegenden Rollstuhl den Weg zur nächsten Ebene freisprengt, wisst ihr auf welchem Niveau wir uns bewegen, die Reise quillt förmlich über vor Referenzen an bekannte Persönlichkeiten aus Film, TV und der Historie.

So bemüht sich „The LEGO Movie Videogame“ auch zeigt, gelingt es ihm jedoch nicht, dies auf einem ähnlichen Niveau zu meistern wie der dazugehörige Film. Die Sprüche wirken hier einfach weniger gut platziert und nehmen so dem einzigartigen Humor der Reihe etwas von seiner Einmaligkeit.

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Ganz nach der Filmvorlage trefft ihr auf eine Vielzahl ulkiger Figuren.
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Genauso wie zumindest der Film Abbild der Popkultur im Allgemeinen ist, macht das Videospiel in spielmechanischer Hinsicht den Anschein, die Gesamtheit der Design-Tendenzen der letzten Jahre wiedergeben zu wollen. Am bekannten Spielprinzip der Reihe hat sich absolut kein Deut verändert, noch immer zerlegt ihr angreifende Feindwellen in ihre Einzelteile, umschifft Hindernisse durch die ideenreiche Zusammensetzung loser Bauteile und kombiniert eure einzigartigen Charakterfähigkeiten um verzwickten Situationen zu entkommen. So muss die hippe Wildstyle vielleicht erst ihr akrobatisches Geschick beweisen und ein Gebäude erklimmen, bevor sie Emmet die nahe Leiter zugänglich macht, damit er den weiteren Weg mit seiner Bohrmaschine ebnen kann.

Nennenswerte Neuerungen lassen sich an einer Hand abzählen: Neben den bereits angesprochenen Anleitungssets, fallen vor allem die Meisterbau-Legosteine ins Auge, die Spielfiguren mit der entsprechenden Kenntnis in einem wilden Wirbel aus Klötzchen, Gliedmaßen und Bodenplatten zu besonders ausgefallenen Konstruktionen zusammenzukleistern verstehen. Emmet und Wildstyle sind in einer Häuserschlucht und augenscheinlicher Sackgasse gefangen? Schnell das blasterbestückte Riesenmotorrad gebaut. Was auch sonst?

Fernab davon mutet der inszenatorisch stärksten Legotitels wie eine bunte Mischung unterschiedlichster Versatzstücke und Querverweise vergangener Spiele an, ein Déjà-vu jagt das nächste: Von einer verrückten Tanzeinlage, die einem Reaktionstests à la „Guitar Hero“ abverlangt, über dröge Free Fall- und Rail Shooter-Passagen bis hin zu einer Side-Scroller-Szene mit obligatorischer Tauchsequenz im Stile eines Mario ist alles dabei. Selbst eine aufgefrischte Form von Pac-Man wird euch als Minispiel vorgesetzt.

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Die Meisterbau-Legosteine lassen euch besonders schräge Konstruktionen erschaffen.
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Und hier liegt auch die Schwäche des Ganzen – selbst wenn man die Absicht der Entwickler, in etwas satirischer Weise abgelegte Gangarten der Branche auszugraben, verstehen mag, macht das aus dem Titel kein spaßigeres Erlebnis. Sicher, jede dieser Passagen funktioniert und lockert das altbekannte Geschehen auf, führt aber die oft zitierte Problematik einer ideenlosen Franchisemelkung ad absurdum – ein riskanter Kurs also, dem es nicht ganz gelingt, aufzugehen.