Kein Gefühl, das ich ein zweites Mal erleben möchte. Es war eine eigenwillige und bis dahin völlig unbekannte Situation, auf die Ankündigung eines „neuen“ Zeldas wenig mehr erwidern zu können als ein müdes Nicken. Selbst nach der – wenn wir ehrlich sind – wenig überraschenden Majora's-Mask-3D-Vorstellung taumelte das Netz irgendwo zwischen kollektivem Jubel und „YES, also doch!“. Die einzige Überraschung an Twilight Princess HD hingegen war, keine zu sein.

Bevor wir die Uhr bereitwillig um zehn Jahre zurückstellen, mit The Legend of Zelda: Twilight Princess HD zugleich über wohlige „Weißt du noch, damals?“-Nostalgie plaudern, ist es wichtig, eine klare Grenze zu ziehen. Eine Trennlinie zwischen Spiel und Remake, zwischen zeitlosem Abenteuer und der Notwendigkeit, dieses unbedingt aus der Mottenkiste kramen zu müssen.

Wir alle wissen um die Qualität dieses Spiels, sie wurde oft genug beschworen in Foren, Tests, Gesprächen. Die meisten von uns haben ihren ganz persönlichen Lieblings-Link und auch wenn dieser eher am unteren Ende meiner Liste steht, befindet er sich damit immer noch über 95 Prozent aller anderen Videospielkollegen. Wie jedes andere Zelda hat auch dieses zweieinhalb Schönheitsflecken und um das vorwegzunehmen: Das HD-Anhängsel ändert trotz zaghafter Versuche recht wenig an ihnen.

The Legend of Zelda: Twilight Princess HD - Scharf im Wolfspelz

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Für Zelda-Verhältnisse bekommt ihr hier eine richtig interessante Geschichte mit vielen düsteren Momenten geboten. Gutes Zeug.
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Mit der ihnen eigenen naiv-tollpatschigen Art haben Nintendo bisher noch viele Klippen umschifft, an denen andere Unternehmen gewöhnlich leckschlagen. Den Latzhosenträgern kann man kaum böse sein, ist doch alles halb so wild, jeder muss doch Geld verdienen, sie haben schließlich Mariozeldapokémon gemacht und überhaupt, habt ihr gesehen, wie zuckersüß Yoshi's Woolly World ist? Jeder andere Publisher würde, nicht ganz zu Unrecht, böse auf den Sack bekommen für DLC-Charaktere zum Einzelpreis von sechs Tacken, Geräte mit Region-Lock oder die „Premium“-Version einer HD-Konsole mit 32 Gigabyte Festplattenspeicher.

The Legend of High Definition

Auch im Terrain der durchaus umstrittenen Neuauflagen haben die Japaner bereits gewildert – hier allerdings berechtigtermaßen ohne blaues Auge, weil nur da, wo sinnvoll. Lieblos dahingerotzte HD-Versionen mit goldenem Seal-of-Quality-Stempel werdet ihr kaum finden, das bleibt auch nach diesem Ausflug hier so. Während gerade die vorangegangenen Zelda-Verjüngungskuren allerdings unter frenetischem Jubel vorgestellt wurden, war das Echo in diesem Fall etwas zurückhaltender, um es mal vorsichtig zu formulieren.

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Nintendo selbst ist daran nicht ganz unschuldig. Noch im Rahmen des Wind-Waker-HD-Trubels prahlte man ein wenig vorschnell über das Zustandekommen des Remakes: Man habe verschiedene 3D-Zeldas einer ersten HD-Anpassung unterzogen, sei allerdings nur vom schärferen Cel-Shading-Stil des ersten GameCube-Zeldas wirklich überzeugt gewesen, von Twilight Princess hingegen weniger. Jetzt, reichlich zwei Jahre und immer noch kein Zelda U später, sieht man das plötzlich nicht mehr so eng.

Packshot zu The Legend of Zelda: Twilight Princess HDThe Legend of Zelda: Twilight Princess HDErschienen für Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Vor diesem Hintergrund liest sich Nintendos „Wir haben mehr als nur die Grafik überarbeitet“-Strichliste auch als kleinlaute Rechtfertigung. Wer mehr verändert als nur die Anzahl der Pixel auf dem Bildschirm, erbringt damit meist ebenso eine Existenzberechtigung seiner Neuauflage – nur gab es bei Twilight Princess schlicht wenig zu verbessern. Nicht etwa, weil es bereits vor zehn Jahren ein perfektes Spiel gewesen wäre, sondern weil seine Fehler viel stärker im Spielkern verankert waren als die Detailfragen eines Wind Waker. Die Liste der Änderungen ist dort nur halb so lang und doppelt so sinnvoll: schnelleres Segel, entschlackte Triforce-Quest, außerdem ein höherer Schwierigkeitsgrad und Touchscreen-Komfort – kleines Zeug mit großer Wirkung, ohne das ich ehrlich gesagt nicht mehr würde zocken wollen.

Änderungen wie diese gibt es auch im Wolfskostüm und ich rechne Nintendo weiterhin hoch an, dass sie sich die Mühe überhaupt machen, während allerorten schnöde HD-Sammlungen in die Regale gestellt werden. Der schwerere Hero-Modus (doppelter Schaden, keine Herzen) ist ein netter Bonus, auch über die neue Geisterlampe und die reduzierte Zahl des zu sammelnden Strahlentaus war ich beim neuerlichen Durchspielen äußerst dankbar. Das macht hieraus aber weder ein anderes noch ein besseres Spiel, es sind lediglich gut gemeinte Veränderungen um der Änderungen willen.

Ein großartiges Zelda, ein okayes Remake – und damit ziemlich genau das, was zu erwarten war.Fazit lesen

Diese sympathisch düstere Triforce-Suche hat ihre Wehwehchen, wie gesagt, und auch wenn keine davon wirklich übler Natur sind, lassen sie sich nicht mit ein paar zusätzlichen Zeilen Code beheben. Der schrecklich trantütige und viel zu gestreckte Beginn? Die Einmal-und-nie-wieder-Items, die in einem Dungeon permanent und später nie wieder benötigt werden? Eine einigermaßen offene, aber leere Welt aus einer Zeit, als „Open World“ noch ein Euphemismus für instanzierte Bereiche war? Alles noch hier, wie schon auf dem GameCube oder der Wii, nur eben hübsch herausgeputzt, um wenige Komfortfunktionen ergänzt.

The Legend of Zelda: Twilight Princess HD - Scharf im Wolfspelz

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Laut eigener Aussage von Zelda-Produzent Eiji Aonuma basiert Links Wolfform auf einem Traum, den er während der frühen Konzeptionsphase von Twilight Princess hatte.
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Die wortwörtlich größte davon ist noch das GamePad: ein nützlicher Begleiter mit interaktiven Karten und On-the-fly-Wechsel von Gegenständen. Kein tiefes Wühlen mehr in Menüs, wenn ihr nicht gerade mit dem (sonst perfekt geeigneten) Pro Controller auf die Reise geht, stattdessen lässiges Wischen und viel Zeitersparnis, wenn ihr nur mal schnell den Bogen auf eine andere Taste legen müsst. Ein „Wie konnte ich jemals ohne“-Feature.

Eine Frage, die sich spätestens beim direkten Vergleich mit den aufgeschwemmten SD-Versionen von vor zehn Jahren ein weiteres Mal aufdrängt. Das sah wirklich so aus? Nicht dass eine Gegenüberstellung überhaupt nötig wäre, um herauszustellen, dass Nintendo hier weit mehr getan hat als den Pixelregler auf 720p zu schieben. Twilight Princess HD sieht zwar weder aus wie ein Spiel aus dem Jahr 2016 noch steht ihm der neue Look derart hervorragend wie Wind Waker, das sein Alter durch den HD-Facelift fast vollständig kaschieren konnte. Ein realistischeres Design wie dieses ist eben immer auch besonders abhängig von der Technik seiner Zeit ist, altert in der Konsequenz besonders schnell – schmeißt halt mal die Wii an, um euch selbst zu überzeugen.

Dennoch: Gute Arbeit, Nintendo. Dieses Zelda macht im Rahmen des Machbaren eine tolle Figur, wirkt wie aus dem Ei gepellt mit seiner knackscharfen Optik, den brillanten Farben, verbesserten Ladezeiten und was man sonst so in der Pro-Kästen auf der Fazitseite erwähnt. Es ist kaum das Maß aller Dinge, aber die moderne Version eines jungen Klassikers – viel mehr kann man kaum verlangen.