Autor: Nedzad Hurabasic

Vier Jahre lang haben die Nintendo-Entwickler am neusten Werk der »Zelda«-Reihe getüftelt, bis »The Legend of Zelda: Twilight Princess« nun das Licht der Welt erblickt. Ursprünglich für den Gamecube konzipiert, wurde das Spiel für Nintendos neue Wii-Konsole portiert und ist zum Launch des Spielgeräts auf dieser sogar exklusiv im 16:9-Format spielbar.

Doch zu einem epischen Action-Adventure gehört mehr als nur ein breites Bild. Fans erwarten Spieltiefe, Ideenreichtum, glaubwürdige Charaktere, Abwechslung, eine Welt, in der man stundenlang versinken kann, und noch viel mehr. Mit einem Wort: »Zelda«!

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Aus alt mach neu
20 Jahre ist es her, dass Spieler erstmals in die Haut des elfenhaften Helden Link schlüpfen durften und ein Abenteuer erlebten, das in seiner epischen Form bis dahin unerreicht war. Den Höhepunkt der Reihe bildete 1998 schließlich »The Legend of Zelda: Ocarina of Time«. »Twilight Princess« will dieses Niveau nun nicht nur wiederaufleben lassen, dank der Wiimote-Steuerung soll es sogar noch getoppt werden.

The Legend of Zelda: Twilight Princess - Der Missing Link für jede Wii - das beste Zelda aller Zeiten!

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Bereit für's Abenteuer...
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Doch gerade der Beginn des neuen Abenteuers gestaltet sich recht zäh, für Veteranen fast lahmarschig - von Next-Generation-Gaming ist nicht viel zu sehen. Die Entwickler haben den Handlungsfaden scheinbar bewusst langsam ausgerollt, um auch Neulingen die Chance zu geben, sich in der bunten Fantasy-Welt zurechtzufinden.

So werdet ihr mit kleinen Aufgaben im Dorf Ordon zunächst daran gewöhnt, wie das Spiel »funktioniert«. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit Wiimote und Nunchuk: Selbst einfache Handlungen wie Reiten, Springen, das Aufheben von Gegenständen und natürlich das Kämpfen müssen sich auch altgediente Profis zunächst neu aneignen. Am gewöhnungsbedürftigsten erweist sich dabei die Kampfsteuerung, bei der die Wii-Komponente am meisten zum Tragen kommt. Das Ziehen des Schwertes wird beispielsweise auf Wunsch durch eine einfache Geste mit der Wiimote ausgeführt. Schwerthiebe könnt ihr durch das Schwingen der rechten Hand ausführen.

Zusätzlich wird der später erhältliche Schild mit dem Nunchuk »aktiviert«, mit dem sich auch Schlagkombinationen auslösen lassen. Das geht zwar meistens recht einfach von der Hand, hat aber so seine Tücken. Vor allem die fehlende Präzision kann etwas störend sein und die Kämpfe in wilde Fuchteleien ausarten lassen. Glücklicherweise hält dieses Gefühl nur wenige Anfangsstunden an - nach einer Weile können die eigenen Attacken überlegt ins Ziel gelenkt werden.

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Zur Entspannung kann man nebenbei auch einfach nur Angeln.
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Eine weitere Hilfe ist die Z-Taste am Nunchuk, mit der Ziele anvisiert werden, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Wie gut letztendlich das Handling von Link mit der Wiimote funktioniert, eröffnet sich dem entsprechend erst nach einigen Stunden. Dafür hat man dann aber auch das Gefühl, das Abenteuer auf eine besondere Art und Weise zu erleben - mittendrin statt nur dabei, sozusagen. Beispielsweise wenn man beim Angeln die Rute auswirft und den Fisch an Land zieht, geschieht das unheimlich authentisch. Oder wenn die linke Hand mit dem Nunchuk das Schild führt, während mit der rechten Schwertattacken ausgeführt werden...

Dunkelheit ergreift das Land!
Wie auch schon bei den vorherigen Abenteuern steht die Rettung des Königreichs auf dem »Speiseplan«. Hyrule wird von einer dunklen Kraft bedroht, die aus dem Schattenreich stammt. Ganze Landstriche sind von der Dunkelheit eingenommen worden, und auch die Lichtgeister sind nicht in der Lage, Paroli zu bieten.

Doch die Bösewichter haben nicht mit unserem Helden gerechnet, in dem Fähigkeiten schlummern, von denen er selbst noch nichts ahnt. Als Wanderer zwischen den Welten ist er der Einzige, der die Feinde auf ihrem eigenen Terrain zu bekämpfen vermag. Allerdings hat die Sache einen Haken, denn dazu verwandelt sich unser Alter Ego in einen Wolf. Die ersten Verwandlungen können vom Spieler nicht beeinflusst werden, sie werden von der größtenteils linear vorgetragenen Story (so man ihr denn folgt) bestimmt. Erst später kann der Spieler darauf Einfluss nehmen.

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So grell und hell zeigt sich das Spiel nicht immer, denn Dunkelheit bedroht das Königreich Hyrule.
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In Wolfsgestalt ist die Verwendung der Waffen natürlich nicht möglich. Stattdessen kann Link seine Feinde mit eher tierischen Fertigkeiten bekämpfen, springt sie an oder nutzt einen Spezialangriff, der gleich mehrere Feinde zu Boden bringt. Besonders wichtig ist es als Wolf, seine Sinne einzusetzen und auf diese Weise Rätsel zu lösen, Geister zu belauschen, die man nur als Tier sehen kann, oder nach Items und geheimen Passagen zu schnüffeln/buddeln.

Kurz nach seiner Entführung und Verwandlung im Schattenreich begegnet Link einem neuen und höchst ungewöhnlichen Charakter: Midna. Auch sie scheint zwischen den Welten pendeln zu können, doch ihre Beweggründe bleiben zunächst unklar. Sie bleibt als mysteriöser Begleiter an der Seite Links und unterstützt euch mit Tipps und einer Warp-Fertigkeit.

Tolles Spieldesign, aber die Soundeffekte...
In »bester« Zelda-Manier klickt man sich durch die interessanten Dialoge. Warum aber gibt es nicht endlich eine akustische Vertonung? Das würde der ganzen Atmosphäre noch mehr Dichte verleihen und den Spieler tiefer in das Abenteuer eintauchen lassen. Stattdessen kommen einem nur gelegentliche Piepser und andere Geräusche oder auch das spitzbübische Lachen der süß-sauren Midna zu Ohren. Schade Nintendo, aber gerade so was macht Next-Gen-Gaming aus…

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Midna ist die ständige Begleiterin unseres Helden Link. Doch was führt sie im Schilde?
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Wo wir schon am Meckern sind, können wir auch gleich die Gelegenheit nutzen, die Umsetzung der Musik zu kritisieren. Klar, wir bekommen die bekannten und geliebten Nostalgie-Sounds und die Titelmelodie von »Zelda« zu hören. Warum aber wurde hier nicht das abgeliefert, was man bei einer hochwertigen Spieleproduktion erwarten darf: orchestrale Soundtracks, die nicht klingen wie das 16-Bit-Gedudel von anno dazumal? Jetzt, wo die Limitationen des Gamecubes weggefallen sind, sollte das doch möglich sein!

Hardcore-Fans werden diese akustischen Abstriche nicht weiter beschäftigen, und unterm Strich haben sie auch nur recht wenig negative Auswirkungen auf das Spielerlebnis. Denn »The Legend of Zelda: Twilight Princess« bietet so viel Beschäftigung, so viel Abwechslung, Quests, Kämpfe in Dungeons, knackige und fordernde, aber nie unfaire Rätsel und Puzzles, dass man mit der Beschreibung gut und gerne ein Dutzend Seiten füllen könnte.

Das alles ist dazu noch eingebunden in eine spannende und wohldurchdachte Story, bei der vor allem die Charaktere toll ausgearbeitet sind und uns mitfühlen, mitzittern oder einfach lachen lassen. Zu keiner Zeit kommt das Gefühl auf, für blöd gehalten zu werden. Quests werden nicht als Selbstzweck oder Spielverlängerung im Fed-Ex-Format abgespult. Auch kleine Aufgaben kommen immer irgendwie locker-flockig rüber, und niemals geht es darum, stupide den nächsten Level zu erreichen. Sowas gibt es bei »Zelda« zum Glück nicht. Wir spielen hier nicht für »Achievements«, sondern ganz einfach, weil uns diese Welt gefangen hält mit ihrem wundervollen Charme und Ideenreichtum, ihren vielfältigen Bewohnern und dem gewohnten »Zelda«-Gameplay.

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Als Wanderer zwischen den Welten nimmt Link auch die Wolfsgestalt an.
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Wenn sich beim Lösen von Rätseln, dem Sammeln von Rubinen und Herzen eine klitzekleine Problematik auftut, dann ist es die, dass es leider kein Missionstagebuch gibt. Gelegentlich kommt es daher vor, dass man nicht genau weiß, was man noch erledigen wollte. Das ist aber zu verschmerzen, denn das Spiel führt uns mit seiner durchdachten Art schnell wieder auf den Pfad zurück.

»Twilight Princess« technisch zu beschreiben, ist gar nicht so leicht. Sieht es besser aus, als auf dem Gamecube? Aufgrund des 16:9-Modus und dem Progesssive-Scan ist das wohl der Fall (wenn man dies denn nutzen kann). Natürlich, im Vergleich zu Grafikperlen wie wir sie auf der Xbox 360 oder dem PC bewundern dürfen, stinken Wii-Games ab. Aber »Twilight Princess« zeigt, worauf es bei Spielen wirklich ankommt: Inhalt, und den gibt es hier ohne Ende mit Spielspaß von deutlich über 40 Stunden. Um es klar zu sagen: Das alles heißt nicht, dass das Spiel schlecht aussehen würde. Im Gegenteil, die Szenerien sind oft wunderschön anzusehen, erinnern teilweise an das herbstlich-melancholische »Shadow of the Colossus« oder das bunte »Kameo«, dann wieder an »Metroid Prime«.

Ja, es gibt verwaschene, matschige und unscharfe Texturen, pixelige Grafiken, die an Low-Res-Zeiten erinnern. Wenn man aber das famose Welt-Design als Ganzes betrachtet mit seinen tollen Dungeons, gigantischen Boss-Gegnern und liebevoll entworfenen Figuren, dann treten diese Aspekte schnell in den Hintergrund und stören genauso wenig wie die gelegentlich auftretenden Probleme mit den Kameraperspektiven.