Klein, grün, drollig. Wer bei diesen Worten zuerst an Joschka Fischer denkt, irrt gewaltig. Schließlich passen diese Attribute auf niemanden besser als Nintendos Spiel-Ikone Link. Seit dem Start der "Legend of Zelda"-Reihe im Jahr 1986 bürgt der kleine Schwertschwinger für Qualität und Erfolg gleichermaßen. Aktuell abenteuert sich Link durch Nintendos neueste Konsolen-Generation.

Nach einem erfolgreichen Einstand auf der Wii (Twillight Princess), feiert die Zelda-Reihe nun auch auf dem DS ihre Premiere. Schon im Vorfeld hieß es, "Legend of Zelda: Phantom Hourglass" würde in Punkto Bedienbarkeit neue Maßstäbe setzen. Das wollten wir uns natürlich genau ansehen. Unser Review klärt, wie gut sich das Spitzohr tatsächlich auf dem Handheld lenken lässt.

The Legend of Zelda: Phantom Hourglass - E3 2007 TrailerEin weiteres Video

Kenn' ich doch?!
Kenner der Zelda-Reihe haben nach den folgenden Zeilen sicherlich ein kleines Deja-Vu. Tatsächlich lässt sich die Handlung in "Phantom Hourglass" nämlich in wenigen Stichworten zusammenfassen: Prinzessin Zelda. Kidnapping. Rettung - das war's im Groben auch schon von der Storyfront. Die lange Fassung liest sich in etwa so: Ein mysteriöses Geisterschiff schnappt sich Links Freundin und verschleppt sie in die Weiten des Ozeans.

The Legend of Zelda: Phantom Hourglass - Link abenteuert sich durch den bisher besten DS-Titel.

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Putzig und bunt: Der Grafikstil orientiert sich stark an "Windwaker".
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Auf der Suche nach dem Gruselkutter sucht ihr in düsteren Verließen nach mächtigen Artefakten, die den Tempel des Meereskönigs öffnen - nur wenn ihr dessen Geheimnis lüftet, werdet ihr Zelda wieder sehen. Klingt nach Standardware? Ist es auch. Nun war die Handlung der Zelda-Ableger zwar nie sonderlich hintersinnig oder tiefgründig, etwas mehr Dramatik oder Spannung hätten wir uns aber schon gewünscht.

Macht aber nichts, denn das typische Zelda-Feeling hat uns schon nach wenigen Minuten wieder gepackt. Gerade die unzähligen liebevollen Reminiszenzen an die Vorgänger zaubern jedem Zelda-Fan sofort ein Lächeln auf die Lippen: Viele Soundeffekte oder Grafiksets kennt man noch aus den 90er-Jahre-Titeln und manchmal erklingt sogar das legendäre Zelda-Thema. Selbst die wütenden Kamikaze-Hühner (ein Easteregg aus dem ersten Zelda) bekommen ihren Gastauftritt.

Packshot zu The Legend of Zelda: Phantom HourglassThe Legend of Zelda: Phantom HourglassErschienen für DS kaufen: Jetzt kaufen:

Typisch für ein Nintendo-Rollenspiel: die drolligen Charaktere. Ob der hasenfüßige Kapitän Linebeck, der grantige Großvater Oshus oder die helfende Elfe Ciela - eure Weggefährten sehen nicht nur witzig aus, sondern versprühen in vielen humorig inszenierten Dialogsequenzen einen sehr eigenen Charme.

Schwing dein Ding
Soweit, so bekannt. Was "Phantom Hourglass" jedoch so einzigartig gegenüber den bisherigen Zelda-Titeln macht, ist die Steuerung. Und die, soviel kann an dieser Stelle gesagt werden, gehört zum Besten, was wir in einem Handheld-Spiel je gesehen haben. Jegliche Aktionen lassen sich nämlich allein über den Stylus ausführen. Das Steuerkreuz bzw. die Buttons des DS könnt ihr also geflissentlich ignorieren.

The Legend of Zelda: Phantom Hourglass - Link abenteuert sich durch den bisher besten DS-Titel.

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Malt ihr einen Kreis um Link, führt ihr dessen Rundschlag aus.
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Je nachdem in welche Richtung ihr den Stylus führt, folgt Link dieser Bewegung. Ein beherzter Schwung mit dem Stift führt einen Schwertstreich aus, tippt ihr Gegner leicht an, stößt Link stattdessen direkt mit der Waffe zu. Bei besonders hartnäckigen Monstern hilft oft nur die mächtige Wirbelattacke. Dafür malt ihr einfach einen Kreis um Link herum. Und dies sind nur die grundlegendsten Aktionen.

Im Laufe der vielen (aber im Vergleich zu frühen Zelda-Titeln deutlich zu leichten) Rätsel schiebt, drückt, werft, buddelt oder schießt ihr, was das Touchpad hergibt. Das Level- bzw. Rätseldesign ist dabei hervorragend auf die Steuerung abgestimmt.

Nur wer den Umgang mit dem Stylus beherrscht, wird auch die richtig harten Kopfnüssse knacken. Doch keine Angst: Bereits nach wenigen Spielminuten gehen sämtliche Aktionen in Fleisch und Blut über. Probleme bereitet lediglich Links Purzelbaum. Dieser wird zu ungenau abgefragt und funktioniert nur in den seltensten Fällen.

Setzt die Segel
Das große Stichwort ist hier jedoch die Interaktivität. Wie man als Spieler in sämtliche Aktionen involviert wird, ist schlichtweg atemberaubend gelöst. Auf eurer Karte könnt ihr euch beispielsweise jederzeit Notizen machen, um versteckte Schätze oder Orte zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu finden. Auch manche Türen lassen sich nur öffnen, wenn ihr zuvor ein bestimmtes Symbol darauf malt.

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Route einzeichnen, losfahren, ankommen - so einfach kann navigieren sein.
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Richtig witzig: Ab und an müsst ihr besonders laut in das DS-Mikrofon rufen oder Kerzen "ausblasen". Das mag in der S-Bahn oder auf der Parkbank schon mal für komische Blicke sorgen, für dieses Spiel nimmt man die aber gern in Kauf. Sehr fantasievoll ist auch der Einsatz der vielen Waffen bzw. Gegenstände gestaltet: Wollt ihr etwa Links Bumerang werfen, zeichnet ihr vorher dessen Flugbahn auf das Touchpad.

Um zu den vielen Inseln und Tempeln zu gelangen, steuert ihr in sehr witzigen Übersee-Passagen ein Schiff über den Ozean. Das gewünschte Ziel erreicht euer Kutter dabei vollautomatisch: Den Kurs schnell auf die Karte zeichnen, Ankunftsort festlegen und los geht die Fahrt. Ihr müsst ab und an lediglich über Hindernisse springen oder Piratenschiffe mit der Bordkanone beharken.

Deja-Vu
Trotz des Lobes gibt es auch einen - nicht unerheblichen - Kritikpunkt: Um im Spiel weiter voran zu kommen und neue Informationen zu sammeln, müsst ihr immer wieder den Tempel des Meerkönigs aufsuchen. Das Problem daran: Selbst Abschnitte, die ihr bereits zu einem früheren Zeitpunkt gemeistert habt, müsst ihr erneut durchlaufen. Und zwar wieder und wieder und wieder. Das nervt auf die Dauer ungemein.

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Genial: Die Flugbahn des Bumerangs zeichnet ihr vorher auf.
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Davon abgesehen kann man das Gameplay-Design aber nur als sehr gelungen bezeichnen. Die Kreuzfahrt-Sequenzen sorgen immer wieder für Abwechslung, sämtliche Rätsel sind gut durchdacht und die fordernden Bosskämpfe sind großartig inszeniert. Diese mehrminütigen Auseinandersetzungen fordern verschiedenste Taktiken und volle Konzentration.

Grafisch orientiert sich Phantom Hourglass stark an "Legend of Zelda: The Windwaker". Will heißen: Im Gegensatz zum wesentlich erwachseneren Ton des Wii-Titels "Twillight Princess" herrschen hier vor allem grelle Farben und harte Linien. Auch wenn sich nicht Jedermann mit dem Cartoon-Stil anfreunden kann, erlaubt dieser doch einige putzige Animationen. Dreht Link sich etwa zu häufig, kreisen kleine Sterne um seinen benommenen Kopf. Knuffig!