Das Klappern der Hufe. Die Einsamkeit in der Steppe. Das leise Erzählen der Okarina. Ohne Worte, ohne Geknalle. Nie habe ich das Intro von „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ aus dem Kopf bekommen. Weder früher am N64 noch heute mit dem 3DS in der Hand.

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Es hat mich gepackt. Auf Anhieb. Wie damals. Innerhalb von zwei Tagen habe ich Links komplette Kindheit hinter mir gelassen, mich reingesteigert in das Schicksal Hyrules, in der S-Bahn, zu Hause, beim Essen, überall. Ich kenne dieses Abenteuer in- und auswendig, was also bringt mich dazu, alles stehen und liegen zu lassen und im Sommer hinter staubigen Vorhängen zu hocken?

The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3DS - Doppelte Zeitreise: Nintendo schafft die Frischzellenkur mit Link(s)

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Da ist er wieder. Wie gewohnt in Bestform.
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Erstens: Der Bildschirm des 3DS ist nicht entspiegelt, was das Spielen in der prallen Sonne mühselig macht. Zweitens: Ich will diesen Bumerang! Und die Zauberleiste! Und den Bogen! Kaum ein Spiel legt seine Fußangeln der Motivation so sorgfältig aus wie Nintendos N64-Meisterstück. Es ist nicht der neuartige 3-D-Krempel. Nicht nur.

Packshot zu The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3DSThe Legend of Zelda: Ocarina of Time 3DSErschienen für 3DS kaufen: Jetzt kaufen:

Wobei ich eingestehen muss: Die Tiefenwirkung ist klasse, vor allem wenn die fleischigen Tentakel in Lord Jabu-Jabus Bauch aus dem Bild „herauswuchern“ oder Feen in ihrer unterirdischen Quelle vor meiner Nase umherschwirren. Vom Boss Bongo-Bongo ganz zu schweigen: Damals auf dem N64 fand ich den Hüter des Schattentempels schon großartig, in der überarbeiteten Fassung mit Z-Achse ist er einfach gewaltig.

Ich kann nur jeden beneiden, der „Ocarina of Time“ jetzt zum ersten Mal erlebt und sich auf Nintendos 3-D-Handschlag einlässt. Abgesehen von den üblichen Schauwerten der Marke „Kiek mal, 3-D, wie geil“ haben die Japaner das Videospielmärchen wunderbar aufpoliert. Alle Kanten ausgewetzt, alles drumherum schön rundgeschliffen und fit gemacht für die Generation Handheld.

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DS-üblich: oben das Spielgeschehen, unten die Karte und Menüs.
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Büsche und Bäume auf der Hylianischen Steppe, früher sich mitdrehende 2-D-Sprites, sind heute dreidimensional ausmodelliert, sämtliche Texturen wurden ausgetauscht, die Beleuchtung in den Innenräumen drastisch verbessert, die Pop-ups reduziert. Vergleicht mal die kleine Grünfläche im Kokiri-Dorf direkt links beim Hang in Richtung Kokiri-Schwert. In der N64-Version ist das ein kantiger Grünflächenklotz, auf dem 3DS sieht man einzelne Pflanzen.

Ein Abenteuer, von denen es viel mehr geben sollte: motivierend, witzig, geheimnisvoll, wunderschön.Fazit lesen

Besonders schön ist, dass die Sichtweite nicht mehr nach wenigen Metern milchig und unklar wird. Schon beim anfänglichen Dialog mit dem Deku-Baum erkennt man mehr, alles ist klarer und schärfer. Der Nebel ist weg, die Figuren sind besser ausmodelliert, auch wenn es immer noch passiert, dass im Kokiri-Dorf zuerst sichtbar die Feen aufploppen und dann erst die dazugehörigen Charaktere. Uuund: Im Gegensatz zur N64-Fassung läuft das Geschehen fast durchweg flüssig, Link zuckelt nicht durch die Hylianische Steppe. Abgesehen von einigen kleinen Einbrüchen.

Zeitlos schön

Beste Voraussetzungen also, sich Hals über Kopf mit dem 3DS und einem der besten Abenteuer aller Zeiten zu Hause abzuschotten und Nintendos Seminar zum Thema „Wie muss eine vorbildliche, packende, motivierende Spielerführung aussehen“ zu folgen. Bereuen wird es niemand, sobald man mit der grünen, roten oder blauen Tunika durch finstere Labyrinthe streift, Wälder, Wüsten und Canyons erkundet. Sobald man mit Epona über die Steppe peitscht, von massiven Klippen springt und in einen Brunnen hinabsteigt..

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Bis zum Ende warten viele Kämpfe auf euch.
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Man reitet und schwimmt, rennt und kriecht, springt und buddelt, angelt und klettert, kämpft und knobelt, sammelt, quasselt und springt in der Zeit umher, um Zukunft und Vergangenheit zu beeinflussen. Die Reise vergeht wie im Flug, erst Links Kindheit, dann seine Jugend, und ehe man sich versieht, schlottert man mit dem Schild in der Linken und dem Schwert in der Rechten zum Showdown. Ein Abenteuer, bei dem man nicht mal bemerkt, wie hurtig der Stundenzeiger Purzelbäume schlägt – welches schönere Lob kann es für ein Spiel geben?

Ansonsten ist alles wie immer: Der Wassertempel sei verflucht, Herzcontainer werden gesammelt, Flaschen gehortet. Die Welt und ihre Ausmaße wachsen mit den Fähigkeiten Links, wie man auch selbst als Spieler an den Herausforderungen wächst, den Bosskämpfen, den Rätseln, den wunderbar gestalteten Dungeons, die so wahrscheinlich nur Nintendo hinbekommt. Retro Studios ausgenommen.

Hilfe für Einsteiger

Kollege Denis machte Luftsprünge, als ich ihm erzählte, dass das Okarinagefummel vereinfacht wurde. Wer früher beim Spielen Melodie und Tastenkombination vergessen hatte, musste umständlich ins Menü wechseln, sich das Lied heraussuchen, die Tasten verinnerlichen und sein Glück noch mal probieren. Nintendo und der japanische Entwickler Grezzo, der für die 3DS-Umsetzung verantwortlich ist, dachten sich, ein wenig Komfort könne nicht schaden.

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Der Umgang mit der Okarina wurde erleichtert, weil man während des Spielens die Noten lesen kann.
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Deswegen darf man nun auch nach dem Zücken der Okarina die Übersicht mit allen erlernten Melodien auf dem unteren Bildschirm aufrufen und sich die gewünschte Kombination heraussuchen. Eine unheimlich willkommene Erleichterung, obwohl man die Noten nicht mit dem Stylus spielen darf. Um die Tastenkombinationen kommt ihr nicht herum.

Und ein leichter Schubser für alle Steckengebliebenen: Wer nicht weiterweiß, kann einen sogenannten Shieka-Stein aufsuchen und sich erleuchten lassen. Hier empfangt ihr Visionen, sprich: kurze Videoeinspielungen, die andeuten, wo es weitergeht, wo der gesuchte Dungeon ist, wie man hineinkommt und so weiter. Keine Angst: Es wird nicht alles bis ins kleinste Detail verraten, an den brisanten Stellen wird abgeblendet – aber als Gedankenstützte ist das mehr als hilfreich.