Man mag darüber streiten, welches Zelda das beste ist. Vielleicht A Link to the Past oder lieber Ocarina of Time. Manch einer favorisiert gar The Wind Waker. Nur der Name Majora's Mask fällt in einer Diskussion dieser Art selten. Zu schrullig, zu schräg, zu sehr mit der Tinte eines Albtaums gepinselt, argumentiert man da. Und in gewisser Weise repetitiv ist es. Und doch ist es das mutigste Zelda von allen. Und kein schlechtes Action-Adventure, wie die Neuauflage für den 3DS stolze 15 Jahre nach der Veröffentlichung des Originals beweist.

Hässliches Entlein wäre übertrieben, schwarzes Schaf sowieso, aber irgendetwas abgrenzendes haftet an dieser Zelda-Episode. In all seinen Facetten bewegt es sich abseits des gewohnten Gute-Laune-Rezepts, wirkt düster und metaphorisch schwanger. Es kann nerven und doch verzaubern, gerade weil es abseits der üblichen Zelda-Gewohnheiten wandelt.

In entferntem Maße ähnelt es dem zweiten NES-Ableger The Adventure of Link. Diese beiden Querkopf-Spiele versuchen, einen Aufguss zu umgehen, in dem sie den Schauplatz komplett umgestalten und die Handlung ihrer direkten Vorgänger fortsetzen. Doch während auf dem 8-Biter vor allem die veränderte Optik einer gigantischen Weltreise für Verwirrung sorgte, war es bei Majora's Mask auf dem Nintendo 64 der Kampf gegen die unerbittliche Uhr.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D - Die mutigste aller Link-Legenden

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Diese Neuauflage ist die perfekte Gelegenheit, die verpasste Chance von damals nachzuholen. Lasst sie nicht verstreichen.
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Der junge Link verlässt nach den Abenteuern, die wir in Ocarina of Time verfolgten, das Land Hyrule mitsamt Musikinstrument und seinem treuen Pferd Epona. Er ist auf der Suche nach seiner (nervigen) Fee Navi, die plötzlich verschwunden ist. Tief in einem Wald wird er jedoch aufgehalten. Ein seltsames Wesen mit einer Fratzen-Maske – das Horror Kid – stiehlt im Hab und Gut, verwandelt ihn in ein entstelltes Deku-Kind und entschwindet seiner Sicht.

Was folgt, pflegt auffällige Parallelen zu Alice im Wunderland. Statt eines Kaninchens lockt eine neue Fee Link in eine seltsame Parallelwelt namens Termina, in der vieles neu und doch so bekannt ist. Unruhstad heißt der zentrale Ort des Geschehens, in dem Menschen wohnen, die denen aus Hyrule verdammt ähnlich sehen, sich aber ganz anders verhalten. Richtig schräg sind so manche von ihnen. Etwa der geheimnisvolle Maskenhändler, der Link hilft, weil er hinter der ominösen Maske von Majora her ist und unseren Helden in die Pflicht nimmt. Drei Tage Zeit gibt er ihm dafür, was eigentlich zu wenig ist, weil Horror Kids Taten die Lage zuspitzen. Seinetwegen rast der Mond im selben Zeitraum unentwegt dem Planeten entgegen und droht, alles zu vernichten.

Ja, ihr lest richtig: Schurke ist hier ein knuffiger Maskenträger, Oberboss ist der finster dreinblickende, abstürzende Mond und auch sonst fällt die Geschichte mächtig aus der Reihe. Von der Prinzessin und dem fiesen Ganon fehlt jede Spur. Termina ist Hyrule im Zerrspiegel und Links Reflexion vergangener Taten, wie sich im Gesamtkontext herausstellt, darum ist diese Episode mindestens genauso bedeutungsschwanger für die Serie wie etwa Links Awakening auf dem Game Boy. Doch so ein Zerrspiegel zeigt mitunter weniger schöne Seiten eines Antlitzes.

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Allein der Handlungsstrang wirkt bizarr. Link erwirbt im Laufe des Abenteuers 24 Masken, die keineswegs alle der Lösung von Puzzles dienen. Einige führen eine Verwandlung herbei. Etwa in einen schwimmfähigen Zora oder einen markigen Goronen, was durchaus nützlich sein kann, um Hindernisse zu überwinden. Unruhstadts Bewohner reagieren allerdings ebenfalls je nach getragener Maske anders auf unseren Helden, als ob sie eine andere Person in ihm erkennen könnten. Hier bleibt viel Platz für Experimente.

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In keinem anderen Zelda warten mehr (oder längere) Nebenaufgaben auf den Spieler. Und das, obwohl permanenter Zeitdruck dagegen spricht, weil Link eine stetig wiederkehrende Zeitschleife durchläuft, in der die letzten drei Tage vor Aufprall des Mondes vergehen. Wobei eine Stunde im Spiel einer echten Minute entspricht. Erforschen und probieren könnt ihr höchstens mal zum Überbrücken gewisser Stunden, was nur selten an der Tagesordnung steht.

Kurz gesagt: Ocarina of Time war im Vergleich mit Majora's Mask ungemein gradlinig und unkompliziert. Obwohl beide grafisch verwand sind und Links Steuerung sehr ähnlich ausfällt, geht es doch um eine ganz andere Art von Spielgeschehen. Zeitdruck ist das Wort, das dieses Spiel am besten beschreibt.

Eine verdiente Frischzellenkur

Majora's Mask vollzieht den Sprung auf den 3DS ebenso gekonnt wie Ocarina of Time vor ein paar Jahren, bringt aber auch ein einige deutliche Modernisierungen mit. Selbstredend wurde die Grafik verbessert. Viele Texturen sind schärfer oder wurden komplett durch neue ersetzt, und da selbst die Farbgebung an manchen Stellen anders ausfällt als im Original, vermag man ein paar Ecken der vier Dungeons kaum wiederzuerkennen.

Das verschrobenste Zelda ist zugleich das mutigste. Auf dem 3DS wurde sein Schrecken ein klein wenig abgemildert.Fazit lesen

Nicht, dass Nintendo vom albtraumhaften Schema abgelassen oder es vermindert hätte. Dieses Zelda wirkt sogar gespenstischer als je zuvor und macht sehenswert guten Gebrauch von den 3D-Effekten. Stichwort fallender Mond. Nie wurde einem die Bedrohung so offensichtlich ins Gesicht gedrückt wie hier. Und nie wirkte das Erwecken von Riesen, die den Mond auffangen sollen... wie soll ich sagen.... gigantischer. Ja, das passt. Insgesamt ein ungewohnt zwielichtiger Eindruck, den man von Nintendos sonst so blumigen Welten und fröhlichen Figuren gar nicht erwartet.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D - Die mutigste aller Link-Legenden

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Grafisch und inhaltlich hat sich erstaunlich viel getan.
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Leider fallen noch immer ein paar N64-Altlasten ins Gewicht, zum Beispiel Schrägen, deren Treppen-Texturen eine Struktur vorgaukeln sollen. Sieht heutzutage nicht mehr standesgemäß aus. Dafür läuft das Programm um so flüssiger und unterstützt obendrein den C-Stick des New 3DS für das Ausrichten der Kamera.

Alles Nebensächlichkeiten, aber Nintendo fährt auch inhaltlich ein paar frische Ansätze auf, die Kennern ein erneutes Durchspielen schmackhaft machen sollen. So wurden Rätsel leicht abgeändert und Gegenstände neu platziert, aber auch Landstriche erweitert. Jeder der vier Stadtteile von Unruhstadt hat ein neues Stück Straße bekommen, hier und da warten neue Minispiele wie etwa Angeln (für das man eigentlich gar keine Zeit hat) und selbst die ein oder andere festgezurrte Öse im Spielablauf wurde gelockert.

Allem voran die Speicherfunktion fällt deutlich benutzerfreundlicher aus. Früher musste man die Zeit zum ersten Tag zurückdrehen, um dauerhaft zu speichern, oder legte einen temporären Zwischenstand bei einer Eulenstatue an, der nur einmalig verwendet werden konnte. Inzwischen ist Nintendo etwas gutmütiger. Temporäre Speicherorte wurden durch dauerhafte ersetzt, deren Daten nicht gleich nach dem ersten Wiederaufnehmen des Abenteuers verfallen. Es ist nun also möglich, den Verlauf einer Zeitschleife festzuhalten und nach längerer Zeit wieder einzusteigen, ohne durch den verlorenen Faden Zeit zu verlieren. Eine gute Entscheidung, denn dadurch wird Majora's Mask reisetauglicher.

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Am Hetzen gegen de Uhr ändert das aber leider wenig. Schon gar nicht am pingeligen Plan, den man einhalten muss, um alle wichtigen Nebenfiguren rechtzeitig zu bedienen. Wenn es schiefgeht, ärgert man sich noch immer, weil dann noch ein Durchlauf angesagt ist, sofern ein Neustart des Spielstandes nicht attraktiver erscheint. Aber wenigstens vermindert diese Lösung das ständige Auflesen der im Zeitsprung verlorenen Objekte und das abermalige Durchstreifen bekannter Umgebungen. Alle weiteren Änderungen kennt man aus Ocarina of Time 3D, etwa die schnelle Zuweisung des Inventars über den Touchscreen.

An der Umsetzung ist nichts auszusetzen – wie bei Nintendo-Produkten zu erwarten. Es bleibt nur die Frage, wie Neueinsteiger mit dem Stoff umgehen. Tritt Majora's Mask nun endlich aus dem Schatten seiner Mitbewerber? Schwer zu sagen. Dieses Spiel bleibt nach wie vor fordernd und anstrengend. Gleichzeit macht es so viel anders als die üblichen Zelda-Abenteuer, dass man um die frische Perspektive froh sein kann. Nintendo war hier mal richtig mutig, eben so wie viele Kritiker es heutzutage von den Japanern verlangen, wenn sie Big N Recycling vorwerfen. Das sollte belohnt werden!

Eine Sympathie-Garantie kann niemand ausstellen, aber es wird Zeit für eine zweite Chance. Auf dem N64 ging Majora ja alleine schon deswegen unter, weil man dringend eine Speicher-Erweiterung benötigte (und weil ein Generationswechsel in Aussicht stand). Heute hat das Spiel bessere Karten.