Ich habe nie ein Zelda durchgespielt. Da, ich hab es gesagt. Während die ersten schon auf dem Weg in die Kommentarsektion sind, um mir Nachrichten zu schreiben, dass ich in meinem Job nichts verloren habe und nicht mehr ernstgenommen werden könne etc. (Nachrichten, die ich weder lese noch interessant finde), möchte ich dem Rest von euch erklären, was es mit dieser Bildungslücke auf sich hat – und warum ich sie bereue.

The Legend of Zelda - "Symphony of the Godesses" Deutschland

Das "Warum?" ist weder eine besonders spannende noch ergiebige Frage. Kein Mensch, und steckte er noch so tief in diesem Hobby und dieser Branche, kann alles gespielt haben, auch nicht alle Klassiker. In unserer Kindheit hatten wir alle mindestens ein legendäres Pixelfest, das unsere Freunde wahnsinnig umjubelt haben, das sich wie ein Lauffeuer verbreitete und das wir dennoch nicht spielen konnten. Vielleicht hatten wir die falsche Konsole, vielleicht war das Taschengeld für einen anderen Titel draufgegangen, vielleicht hatte unser arschiger bester Freund zwar das Game, ließ uns aber nie an den Controller. Es gibt unzählige mögliche Gründe, und ich erwähne so viele verschiedene, weil ich den Grund dafür, dass ich Zelda in meiner Jugend nicht gespielt habe, nicht kenne.

The Legend of Zelda - Gescheiterte Liebesbeziehung – Warum komm ich nicht an Zelda ran?!

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Die halbe Welt wartet auf das neue Zelda – ich bin auf der anderen Hälfte.
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Wirklich, ich weiß es nicht. Ich erinnere mich kaum an die Zeit, zumindest in der NES-Hinsicht, und ich weiß nicht mehr, wie ich zu meinen Spielen kam, wie ich meine Auswahl traf und warum manche Titel erwählt wurden und andere nicht. Ich vermute, dass meine arme Frau Mutter viele Entscheidungen in den blauen Dunst traf, nachdem ich sie mit dem üblichen egoistischen Kindergeschrei traktiert hatte. Zelda, jedenfalls, kam mir nicht ins Haus. Auch nicht auf dem Game Boy, auf dem ich wahnsinnig viele gute und schlechte Spiele hatte - doch auch hier stolperte ich nicht über Link's Awakening, das zwar für Zelda-Verhältnisse eher ungewöhnlich ist, aber für mich wäre der Zugang eben auch nicht anders gewesen. Auch A Link to the Past ging in der SNES-Ära dann spurlos an mir vorbei.

Der nächste Schicksalsschlag folgte kurz darauf: War ich im großen Konsolenkrieg der 90er noch sicher auf Seiten von Nintendo positioniert, wechselte ich, Verräter, der ich war, alsbald Gaming-Plattformen zum PC und zur PlayStation. Als Überläufer gebrandmarkt habe ich mich nie wieder im Umfeld von Nintendo blicken lassen. Meine Eltern waren es, die uns irgendwann, viele Jahre später, wieder eine Wii und einen DS ins Haus schleppen sollten.

Das bedeutet natürlich, dass es bis frühestens Twilight Princess keine Gelegenheit gab, überhaupt wieder Berührung mit Zelda zu haben. Kein N64, keinen GameCube, keinen Game Boy Color – natürlich hatte ich diese Entscheidungen nicht als bewusst erwähltes Zelda-Embargo verstanden, doch de facto war ich durch die Wahl meiner Plattformen schlappe 13 Jahre von der Reihe abgeschottet. Bis, wie gesagt, meine Eltern auf den Wii-Zug mit aufsprangen.

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Meine erste echte Berührung mit Zelda: Ich lief mir einen Wolf.
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Ein zwielichtiger Anfang

"Twilight Princess also, hm... ich hab ja noch nie richtig Zelda gespielt, es wird mal Zeit." Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass Twilight Princess unter Zelda-Fans zwar gut, aber nicht umjubelt aufgenommen werden würde. War zu dem Zeitpunkt aber auch egal, ich hatte ja eh keine Referenz, also warum nicht. Dennoch packte mich schon sehr bald ein erstaunliches Maß an Apathie. Das also war diese umjubelte Reihe? Ein stummer Protagonist, eine wirre Fantasy-Story, ein mäßiges Kampfsystem – wirklich?

Es klickte nicht, und natürlich gibt es dafür Gründe. Derjenige, der mit solch einer Reihe aufgewachsen ist, nimmt natürlich ihre Veränderungen ganz anders wahr als einer, der neu einsteigt. Und wenn man in der Zwischenzeit schon ein paar Klischees zu viel gesehen hat, dann ist natürlich nicht Zelda schuld daran, dass es das gesamte Szenario in einem solchen Maße geprägt und indirekt Imitatoren erschaffen hat, dass ein Neueinsteiger jetzt vom Urvater dieser Stilmittel gelangweilt ist.

Drüben bei TV Tropes nennt man diesen Effekt "Seinfeld ist unlustig": Wer den Pionier erst später kennenlernt, verkennt oft seine Pionierwirkung. Tatsächlich ist die Außenwahrnehmung einer enorm populären Reihe immer irgendwie schräg. Man hat immer mindestens einen Kumpel, der fanatischer Anhänger der Reihe ist. In meinem Fall ist es Kollege Gregor, der direkt neben mir sitzt. Ich muss nicht mal den Kopf strecken, um auf seinem Tisch mindestens drei Zelda-Paraphernalien zu entdecken. Zum Beispiel eine kleine Truhe, die den "Link kriegt ein Item"-Sound macht, wenn man sie öffnet, und die er als Spardose benutzt. "Was für ein Freak." denke ich mir und nehme einen weiteren Schluck aus meiner Diamond-Dogs-Tasse.

Zelda, da ich es nie gespielt hatte, war für mich immer die Reihe, die anfangs wie die abgespeckte Variante von Secret of Mana aussah und später wie die Kinder-Variante eines richtigen Rollenspiels. Natürlich lernt man im Laufe der Zeit auch mehr über Games, die man nicht spielt – erst recht, wenn es einen in den Job des Spieleredakteurs verschlägt. Doch bis dahin, bis ich wusste, wie die Tempel-Struktur aussieht, wie die Zeitschleifenmechanik von Majora's Mask aussieht, bis ich ein paar tiefere Elemente der Story mitbekam, war es ein langer Weg. Ich wusste damals nur, dass Ocarina of Time zwei der nervendsten Charaktere überhaupt haben soll – kein gutes Argument dafür, es zu spielen.

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