Es gibt Dinge, die sind Gesetz. Keiner hat sie je aufgeschrieben, und doch weiß es jeder. Sowas wie „Iß nie die Fritten anderer“ oder „Wer den letzten Schluck Kaffee trinkt, macht neuen“. Hält man sich nicht an diese ungeschriebenen Vorschriften, wird man meist mit der Ächtung der Gesellschaft belegt – zumindest aber mit bösen Blicken und gezischten Verfluchungen.

Diese Art der Gesetze gibt es auch unter den Spieledesignern. Sie heißen: „Ist’s ein Krug, kann man ihn zerstören und erhält Items“ oder „Wer springt, kann auch doppelt springen“. Keiner weiß, wie es zu diesen Dogmen kam, und doch halten sich alle an die Vorgaben. Welche Bestrafung erwartet Abweichler? Wir wissen es nicht. Und so will auch The Legend of Spyro nicht die Götter des Spieledesigns durch ketzerische Tendenzen oder revolutionäre Innovationen erzürnen.

The Legend of Spyro: Dawn of the Dragon - Trailer

Gauntlet im Gepäck

Nein, Spyro ist nicht sehr mutig. Der kleine Drache an sich vielleicht schon, das Spiel selbst jedoch weniger. Die einstigen Gefilde des Action-Adventures hat die Serie inzwischen verlassen und wildert bei Gauntlet und stereotypischen 3-D-Jump’n’Runs, wie man sie aus den Hochzeiten der PS2 kennt. Das bedeutet, dass man abwechselnd entweder Horden von Gegnern von den Plattformen putzen oder sich durch knifflige Parcours quälen muss.

The Legend of Spyro: Dawn of the Dragon - Dem Drachen geht das Feuer aus

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Spyro macht das, was eine Drache eben am besten kann: Feuer spucken.
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Beides ist nicht sonderlich gelungen. Dabei fängt es mit einer netten Idee an: Das Spiel muss mit zwei kleinen Drachen, die aneinander gekettet sind, durchstanden werden. Flucht in Ketten sozusagen, nur eben mit Phantasiewesen statt mit Sträflingen. Das bedeutet konkret: Ein Koop-Modus wurde integriert, mit dem das ganze Spiele bestritten werden kann. Hat man also einen willigen Mitspieler zur Hand: Glück gehabt, der kann den zweiten Feuerspeier übernehmen. Ist man auf sich alleine gestellt: schlecht. Denn die KI steht auf sturköpfige Blockadehaltung.

Es gilt ein paar Felsen auf den Weg nach oben zu überwinden und man wähnt sich bereits am Ziel. Auf den letzten Metern springt jedoch der KI-gesteuerte Partner einfach ins Bodenlose und man wird – danke Kette – mitgerissen und fängt wieder am tiefsten Punkt der Plattform an. Die KI verdient nicht wirklich das I hinter dem K. Da hilft auch das hin und herwechseln zwischen den beiden Protagonisten wenig. Denn dank der unauflöslichen Bande zwischen den beiden, müssen die zwei Drachen zusammenbleiben. Selbst wenn die KI ein schwierige Passage vermurkst.

Packshot zu The Legend of Spyro: Dawn of the DragonThe Legend of Spyro: Dawn of the DragonErschienen für DS, PS2, PS3, Xbox 360 und Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Chaotisch und unübersichtlich

Ohnehin unterscheiden sich die beiden nur im Äußeren und in den Spezialangriffen. Diese sind auch die einzige Würze im Kampf, denn ansonsten heißt es: hirnloses Button-Smashing in Überzahl. Ständig anrückende Gegnerhorden wollen über die immergleichen Combos bezwungen werden, es gibt kaum Abwechslung. Das Kampfgeschehen ist zudem extrem chaotisch und wuselig, selbst auf einem ordentlich großen LCD-Schirm sieht das Ganze sehr unübersichtlich aus.

Der kleine lila Drache verspielt wertvolle Sympathien: Spyro – Dawn of the Dragon ist ein generisches Game mit Gauntlet-Allüren und einigen Macken.Fazit lesen

Es bleibt dem Spieler also nichts anderes übrig, als immer nur auf eine Taste zu hauen und zu hoffen, dass die Gegner dadurch irgendwie irgendwo Schaden nehmen. Taktisches Vorgehen oder gar Geschicklichkeit erfordert The Legend of Spyro: Dawn of the Dragon nicht – es reicht, wenn man gut trainierte Daumen hat.

The Legend of Spyro: Dawn of the Dragon - Dem Drachen geht das Feuer aus

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Leider ist das Fliegen etwas eingeschränkt: Unsichtbare Winde verhindern mehr als nur ein dürftiges Geflatter.
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Eigentlich wähnte man solche Spielprinzipien der dunklen Vergangenheit angehörig, aber auch im Design sieht The Legend of Spyro: Dawn of the Dragon nicht gerade nach Next-Gen aus, sondern mutet vielmehr wie ein verspäteter PlayStation-2-Titel an. Das wäre zum Launch der PS3 noch akzeptabel gewesen, inzwischen sollten die Spiele aber mit mehr Politur versehen werden. Zumal es auch einiges an technischen Problemen gibt, besonders der Sound stottert des Öfteren beim Nachladen.

Auch der Gesamtumfang des Spiels ist dürftig: Nach gerade mal acht Stunden ist Schicht im Schacht, einen Online-Modus oder weitere Spieloptionen gibt es nicht. The Legend of Spyro: Dawn of the Dargon ist eine sehr trockene Angelegenheit, die sich einfach durchschnittlich spielt und nur zu zweit tatsächlich so etwas wie Spielspaß aufkommen lässt.