Es ist nicht das Problem oder gar die Schuld von Naughty Dog. Wenn überhaupt, muss sich Sony den Schuh anziehen und Vorwürfe gefallen lassen, die aus gleichermaßen enttäuschten wie fordernden Kehlen dringen. Eine Frischzellenkur für eine Packung noch frischer Erinnerungen wird daran nicht sonderlich viel ändern.

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Zahlenspiele sind derzeit stark en vogue bei den Japanern. Mit den abgesetzten Einheiten der PlayStation 4 lässt es sich ganz vortrefflich hausieren, mit den 50 Prozent aller PS4-Besitzer, die keine PlayStation 3 besitzen, paradoxerweise allerdings auch. Diese Zahl nutzt Sony jüngst als vorsichtige Rechtfertigung für das nicht ganz blitzsaubere Déjà-vu, das euch seit diesem Mittwoch im PS4-Bereich eures Videospielhändlers erwartet.

Hinter dem Remastered-Zusatz verbirgt sich ziemlich genau das, was ihr bereits seit Sommer vergangenen Jahres auf der PlayStation 3 erleben könnt (besser: sollt), wenn ihr eine Blu-ray mit dem „The Last of Us“-Schriftzug in eure Konsole schiebt. Im Jahr 2013 war dies vielleicht das beste Spiel des Jahres mit absolut herausragender Technik, im Jahr 2014 ist dies vielleicht das beste Spiel des Jahres mit beeindruckender Technik. Es ist eine Frage der Perspektive.

Machen wir uns nichts vor: The Last of Us Remastered sieht großartig aus, ziemlich egal, welchen Maßstab ihr ansetzt. Was auf dem Papier noch umständlich „1080p“ und „60 FPS“ heißt, wird mit dem PS4-Controller in der Hand als W-O-W buchstabiert und lässt die Frage aufkommen, wie man jemals etwas anderes spielen konnte. Trotz aller Bedenken, die Naughty Dog im Vorfeld bei der Portierung hatte, braucht sich hier niemand zu sorgen.

The Last of Us Remastered - Der beste Kaufgrund für eine PlayStation – schon wieder

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The Last of Us Remastered ist im Grunde ein spielgewordener Wallpaper-Generator.
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Bei all den grafischen Sprüngen, von denen es in der Remastered-Version zweifelsfrei reichlich gibt, ist und bleibt die Portierung aber auch genau das: eine Portierung. Ich bin kein Entwickler und habe Informatik in der Schule abgewählt, sobald ich die Gelegenheit dazu hatte, doch selbst ich bin mir einigermaßen sicher, dass das, was Naughty Dog letztes Jahr mit The Last of Us aus der PlayStation 3 herausgeholt hat, so ziemlich das maximal Mögliche sein sollte. Nachdem selbiges Entwicklerteam bereits mit Uncharted 2 und 3 die Grenzen des technisch Machbaren der Plattform großzügig auslotete, gingen die Jungs und Mädels mit ihrem postapokalyptischen Abenteuer noch einen Schritt weiter: The Last of Us war größer, offener und weniger linear als jeder Uncharted-Teil und damit noch ein Level weiter.

Oh, du wunderschöne Endzeitwelt

Es wäre zu einfach zu sagen, die Neuauflage hätte vom Fleck weg einen leichten Stand gehabt, so ansehnlich wie bereits das Original war. Die meisten von uns tendieren dazu, in der Rückschau ein paar Details zu vergessen, uns eher an das Gefühl beim Spielen als an konkrete Einzelheiten zu erinnern. Mir stand diese Erkenntnis erst jetzt wieder glasklar vor Augen, nachdem ich PS4- und PS3-Version von The Last of Us direkt gegeneinander gehalten und gemerkt habe, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind.

Packshot zu The Last of Us RemasteredThe Last of Us RemasteredErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

All das macht hieraus kein neues Spiel, zumindest aber ein sehr schickes, sehr knackiges, das abermals zu den hübschesten Vertretern seiner Zunft gehört. Während die PS3-Version allerdings bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag das Feld seiner Plattform anführen wird, ist kaum davon auszugehen, dass die Zeit ebenso rücksichtsvoll mit der Remastered-Umsetzung umgehen wird.

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Wie wär's mit einem PS4-exklusiven The Last of Us 2, Naughty Dog?
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The Last of Us Remastered sieht klasse aus, selbst für PS4-Verhältnisse, doch seine Ursprünge sieht man dem Programm auch weiterhin an. Das Naughty-Dog-Team hat einen großartigen Job geleistet, diese Herkunft so gut es eben geht zu kaschieren und im faden Licht des aktuellen Spieleangebots der PlayStation 4 gelingt ihnen das überraschend gut. Killzone: Shadow Fall und inFamous: Second Son zeigen aber schon jetzt, wohin die Reise gehen wird.

Für den Moment spiel das allerdings keine Rolle und für das großartige Spiel, das sich hinter der hübschen Fassade versteckt, spielt es gar überhaupt keine. The Last of Us ist ein fantastisches Spiel, egal auf welcher Plattform ihr es spielt. Auf der PS4 bekommt ihr neben dem Grafik-Bonbon überdies den tollen Left-Behind-DLC obendrauf, der Rest bleibt, wie er war; sinnvolle Ideen zur Implementierung des PS4-Controllers oder ähnliche Neuerungen haben es nicht in die neue Generation geschafft, was aber vielleicht auch ganz gut so ist.

Egal ob PS3 oder PS4: The Last of Us (Remastered) zählt zu den besten Spielen seiner Plattform.Fazit lesen

Die Chancen für hohe Verkaufszahlen und neue Zahlenspiele für Sony stehen also nicht ganz schlecht.