Es gab auf der E3 viele gute Spiele, aber kaum eines war so süß und liebevoll wie The Last Guardian. Ein Werk, das Kuscheln als Belohnungsmechanik versteht. Mit einem Protagonisten, der erst einmal laufen lernen muss, später schwer verwundet wird und den ihr pflegen müsst. Ein Spiel, das sich mit Worten schwer beschreiben lässt und in seiner 20-minütigen Präsentation mehr gefühlvolle Momente hatte als die meisten Spiele in 20 Stunden.

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich doch unsere Kulturen sind. Wie anders Amerikaner und Japaner ticken. In Japan ist es offensichtlich unüblich, Vorschusslorbeeren einzufordern. Während amerikanische Entwickler mitunter Probleme haben, um noch mehr Synonyme für ihre Superlative zu finden, zeigt sich der Mann, den wir für seine emotionalen Kunstwerke wie Ico und Shadow of the Colossus vielleicht nicht vergöttern, aber zumindest großen Respekt zollen, regelrecht schüchtern im Umgang mit Journalisten.

So waren wir doch ganz schön überrascht, auf dem „The Last Guardian“-Termin plötzlich auf einen Fumito Ueda zu treffen, der gar nicht verstehen konnte, warum sein Baby auf der Sony-Pressekonferenz so mit Jubel überschüttet wurde. Es sei beschämend, erst jetzt wieder Spielmaterial zu zeigen, nach so vielen Jahren. Und eine große Ehre für ihn, dass wir uns als Spielejournalisten, die sicherlich viel zu tun hätten, uns Zeit nehmen würden, sein Werk anzuschauen.

The Last Guardian - Es ist zurück – und wie

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Das Spiel hat einen sehr eigenwilligen Look. Während der Junge mit Wasserfarben gemalt zu sein scheint, ist jede Feder von Trico einzeln animiert.
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Ueda spricht offensichtlich kein Englisch, sonst wüsste er wohl, dass sich so ziemlich jeder Besitzer einer Playstation 4 nach Informationen und Gameplay-Material sehnte. Völlig egal ob deutsche, englische, französische, amerikanische oder italienische Medien – jeder wünschte sich vor der E3 das Comeback von The Last Guardian. Die Ehre ist also auch ganz auf unserer Seite, Ueda-san.

So süß, so knuffig

Hinter verschlossenen Türen gab es mehr Spielmaterial zu sehen und Gott, ist das alles süß. Trico ist ein Drache mit Greifengefieder und Hundekopf, dessen Gestik und Mimik herzerwärmend sind. Das lässt sich nicht ohne weiteres beschreiben, aber das Wesen ist dem Anschein nach noch ein Baby und ihr müsst ihm beim Heranwachsen helfen. Die entsprechenden Animationen sind ganz fantastisch, weil Trico eben noch keinen festen Stand hat, beim Laufen immer mal ausrutscht, auf den großen Hintern fällt und dann wie ein Kleinkind, das nicht weiß, ob es weinen oder lachen soll, in die Kamera schaut. Auch schluchzt er dann in hohen Tönen, so wie ein Hundewelpe, und macht damit klar, dass er sich der Aufgabe eigentlich noch nicht gewachsen sieht. Schon in den ersten Spielminuten wird klar, dass wir dem Wesen zeigen müssen, wie es sich in dieser Welt zurechtzufinden hat. Wenn sich der kleine Riese nicht traut, gehen wir hin und streicheln ihm die Nase, das beruhigt ihn.

Packshot zu The Last GuardianThe Last GuardianErschienen für PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Generell ist The Last Guardian kein Spiel, das seine Mechaniken so direkt offenbart. Das Kuscheln dient aber offensichtlich als Belohnung für bestandene Aufgaben. Witzig ist dabei, wie der Dreikäsehoch selbst die breiten Treppenstufen einer verlassenen Stadt runterwatschelt und dabei seine Beine weit hochheben muss. Wir befinden uns in einer riesigen Festung, voller Türme, Säulen, Fenstern und zahlreichen Statuen. Von der Form und Architektur würden wir auf das Inka-Zeitalter tippen, genaue Informationen über die Szenerie möchte Ueda aber lieber nicht verraten. „Die Geschichte dreht sich um diesen Jungen, der entführt wurde und auf die Kreatur trifft. Sie sind beide der Aufgabe nicht gewachsen, müssen aber zusammen einen Ausweg finden.“

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Ein bisschen Shadow of the Colossus

Ueda ist ein Meister darin, die Freundschaft zwischen Mensch und Tier zu zelebrieren. Wo Pferde in Red Dead Redemption oder Metal Gear Solid 5 in erster Linie Mittel zum Zweck sind, quasi Autos ohne Räder, hatte Agro in Shadow of the Colossus einen eigenen Charakter. Auch Ico lebte völlig von der liebevollen Interaktion seiner Protagonisten. Mimik war zu Playstation-2-Zeiten aber nur begrenzt möglich, The Last Guardian arbeitet sehr viel stärker damit. In einer Szene deuten wir Trico an, dass er auf die andere Seite springen und für uns eine Brücke bilden soll. Er dreht den Kopf nach unten, schaut uns aus traurigen Augen an und will wohl fragen: „Warum denn immer ich?“

Schließlich springt er auf die andere Seite, stürzt dabei fast ab, rappelt sich wieder hoch, steht auf und schüttelt verwirrt den Kopf. Jetzt ist es an uns, über einen schmalen Balken zu balancieren. Dafür muss Ueda den Controller leicht nach links und rechts kippen, so fährt er die Arme aus. Der Hundegreifenwelpe schluchzt dann wieder laut und wenn ihr ein bisschen darauf achtet, seht ihr förmlich wie seine großen Augen den Balken entlangfahren. Schwanken wir dabei zu sehr, schluchzt er lauter. Stabilisieren wir uns wieder, atmet er erleichtert auf. Es sind viele Kleinigkeiten, aber sie ergeben eine unglaublich dichte Atmosphäre. Das Knuddelwesen wirkt eben nicht wie ein digitaler Charakter, sondern vielmehr wie ein echtes Lebewesen aus der realen Welt.

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Während Trico verwundet ist, müsst ihr Rätsel lösen, etwa um Wasser umzuleiten, damit er trinken kann.
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Ein immer wiederkehrender Moment der Demo sind Szenen, in denen der Greifenwelpe uns sanft mit dem Mund an unserem Kaftan zieht. Das Zeichen, dass er erst noch mit Kuscheleinlagen belohnt werden möchte. Schließlich hat er uns beim Sprung eben das Leben gerettet. Und der tierische Begleiter hat vor so ziemlich allem Angst, was sich bewegt. Da gibt es beispielsweise ein Rätsel mit einem Traumfänger, an dem Federn hängen, die im Wind flattern. Es ist dann an uns, zum „Monster“ zu rennen und dem kleinen großen Freund zu zeigen, dass dieses Ding harmlos ist.

Ein Spiel, das seinem Hype gerecht zu werden scheint.Ausblick lesen

Dann macht Ueda offensichtlich einen Sprung in einen anderen Abschnitt; er möchte auch hier nicht verraten, was genau passiert ist. Auf jeden Fall wird Trico wird von sehr vielen Pfeilen durchbohrt und nun müssen wir auf seinen Körper klettern und jeden einzelnen herausziehen. Es tut schon vom Hinsehen her weh, die Geschosse aus Tricos Körper zu pulen, während er jault, sich windet und sich dicke Tränen an seinen Augenrändern ansammeln. Wir streicheln den Kleinen, doch das reicht nicht. Wir müssen Fässer sammeln, in denen sich Beeren befinden. Wir werfen die Fässer in Tricos Mund, er knackt sie wie eine Nuss und futtert die Beeren. Außerdem müssen wir Blätter, Kräuter und andere Zutaten in einem Kessel zum Erhitzen bringen, damit Trico wieder zu Kräften kommt. Armer Kuschelwelpe.