Geschichtsstunde für Strategen: Da, wo andere Genrevertreter dankend abwinken, schlägt The History Channel: Great Battles of Rome ein. Der Sender legt viel Wert auf historische Authenzität. Aber vermag dies auch am PC und der PS2 zu fesseln? Wir gehen der Sache in unserem Review auf den Grund und verraten Euch, warum jeder Vortrag über Staubsaugerbeutel unterhaltsamer ist als dieses Spiel.

Oldie, but no Goldie...
Unterste Schublade des Game-Recyclings: »The History Channel: Great Battles of Rome« kommt gerade einmal anderthalb Jahre nach dem fast identisch gestrickten »Legion Arena« und unterscheidet sich abgesehen vom Signum des berühmten Senders so gut wie gar nicht vom ohnehin schon damals durchschnittlichem Strategiespiel aus gleichem Entwicklerhause. Warum also nun dieses plötzliche Wiederverwerten?

The History Channel: Great Battles of Rome - Großartiger Frust statt großartiger Schlachten...

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Auf in den Kampf!
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Liegt es an der plötzlichen allgemeinen Euphorie über Schlachten, ausgelöst durch Kinohighlights wie »300« oder TV-Reihen wie »Rom«? Wir wissen ehrlich gesagt nicht, was die Herren von Black Bean dazu geritten hat, quasi das gleiche Spiel nur mit Detailverbesserungen in der Grafik und frischen Sequenzen sponsored by History Channel noch einmal zu veröffentlichen. Legion Arena war schon damals nicht das Gelbe vom Ei und soll nun mit marginalen Verbesserungen ein Strategie-Hit werden?

Herzstück des Spiels ist die Einzelspielerkampagne - und es gibt nur eine - die ihr mit den Römern bestreiten dürft. Bevor ihr euch allerdings ins Gefecht stürzt, müssen erst einmal prüfende Blicke über das eigene Heer walten. Anfangs nur mit unzureichend Denaren ausgestattet, lässt sich hier allerdings nicht viel machen. Also fast unvorbereitet ins erste Gefecht - die dazugehörige Zwischensequenz kann im Ansatz so etwas wie Atmosphäre aufbauen. In einer Truppenkarte legen wir die Reihenfolge, Art und Vorgehensweise der Angriffe fest. Für PC-Spieler quasi die einzige Möglichkeit, wirklich aktiv ins Geschehen einzugreifen. Hier haben es PS2-Strategen einfacher.

The History Channel: Great Battles of Rome - Großartiger Frust statt großartiger Schlachten...

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Nein, wir sind hier nicht in einer Vorschul-Ausgabe von "300"…
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Sind wir fertig mit unseren Vorbereitungen, startet der Echtzeitmodus, in welchem die beiden Heere aufeinander los stürmen. Anfangs sind dies noch Peanuts wie törichte Bauerntölpel, später ernst zu nehmende Armeen. O.K., was heißt hier schon "ernst zu nehmen"? Es ist eigentlich fast egal, wie eure Taktik lautet, Lustlose schicken ihr Heer mit einem Schlag in die Gegnermassen und gewinnen trotzdem. PC-Veteranen werden mit der Zeit sowieso zum Zusehen verdammt, PS2-Spielern bleibt wenigstens die Illusion, aktiv am Geschehen mitzuwirken.

Kleiner Lichtblick, sehr klein...
Einzig die Entwicklung eurer Armee ist wirklich eine Art, den Spielverlauf zu beeinflussen. Nach getaner Arbeit sammelt man neben ordentlich Zaster, mit dem man neue Truppen ins Heer integrieren oder selbige ausrüsten kann, Erfahrungspunkte, die in die Kampffertigkeiten der Soldaten fließen. Seien es nun Ausdauer-, Nahkampf- oder Ausweichpunkte: Der treibende Motor, der euch letztendlich zum Sieg der Mission führt, liegt in den optisch öden Lagermenüs.

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Der einzige Lichtblick: das Lager, in dem wir Eigenschaften und Fertigkeiten ausbilden.
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Die Gefechte selbst wirken blutleer und ohne jede Epochalität, die in den Sequenzen dafür umso mehr heraufbeschworen wird. Das liegt zum einen an der ohne Zweifel veralteten und detailarmen Grafik - auf PS2 noch schlechter als auf dem PC - und zum anderen an der für PlayStation-2-Spieler grauenvollen Steuerung, die lediglich durch Einheiten schaltet, anstatt mittels eines hier fehlenden Cursors. Rechenknechte haben dieses Problem zwar nicht, jedoch auch fast keine Möglichkeit direkte Veränderungen am Verhalten der Truppen vorzunehmen.

Da die Missionsziele von der Stange stammen, die Kämpfe zu einfach sind und der Mehrspielermodus für gerade mal zwei Feldherren über LAN wenig fesselt - in der PS2-Version gibt es keine Multiplayer-Option - langweilt Great Battles of Rome bereits nach einer geschlagenen Stunde. Es wiederholt sich einfach alles nur noch, bis man entnervt das Spiel beendet oder besser gleich deinstalliert. Etwas Mühe gibt sich da wenigstens der Sound, der mit guten deutschen Sprechern und einer passenden Musikuntermalung versucht, das zu retten, was man an einem richtigen Strategie-Titel eigentlich vermisst.