Pünktlich zur Veröffentlichung eines vermeintlichen Blockbusters im Kino folgt auch meist die entsprechende Umsetzung für PC- und Videogamer. Schließlich soll die mediale Verwertungskette, ähm, Vollbedienung auf möglichst allen Ebenen für Beglückung sorgen. Soweit nichts Neues. Doch das Rennspiel zum Film-Racer The Fast and the Furious: Tokyo Drift erschien mit mehrmonatiger Verspätung - und das sogar nur für PlayStation 2.

Kalter Kaffee, denkt ihr? Doch die Entwickler können das Kuriosum noch toppen: Denn fast ein ganzes Jahr später bringt Bandai/Namco nun die PSP-Version auf den Markt - über anderthalb Jahre, nachdem der Film in den Kinos der Republik über die Leinwände geflimmert ist. Da fragt man sich doch glatt, ob das Spiel überhaupt noch etwas mit der Vorlage gemeinsam hat?

Nix für Film-Fans

Die gute Nachricht vorweg: Man muss den Film (zum Glück) nicht gesehen haben, um die Story des Videospiels zu verstehen. Es gibt nämlich zum einen kaum Verweise auf das cineastische Vorbild - gelegentlich wird ein wenig Name-Dropping betrieben - vor allem aber gibt es eigentlich gar keine Story in The Fast and the Furious.

The Fast and the Furious: Tokyo Drift - Fast, aber sicher nicht Furious: Der mauen Handheld-Raserei geht auf halber Strecke die Luft aus.

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Gib Gummi, Baby!
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Abgesehen von der Tatsache, dass sich die Rennen in und um den Stadt-Moloch Tokio herum abspielen, dürft ihr keine weiteren Analogien erwarten. Aber halt, eine fällt mir dann doch noch ein, denn das Spiel passt sich in allen Bereichen dem eher mauen Niveau des mehroderweniger-Vorbilds an und geht eher als BBB-Game durch. Das liegt beispielsweise daran, dass es insgesamt viel zu wenig Abwechslung gibt, was sich auf die meisten Bestandteile des Spiels bezieht.

Die Aufzählung der Mittelmäßigkeit beginnt bei den Renntypen, von denen es nur eine kleine Hand voll gibt. Grundsätzlich teilt sich das Geschehen bei The Fast and the Furious in Events mit Drift- und Gripcharakter. Während erste selbsterklärend sind, handelt es sich bei letztgenannten um stinknormale Straßenrennen.

Packshot zu The Fast and the Furious: Tokyo DriftThe Fast and the Furious: Tokyo DriftErschienen für PS2 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Ihr fahrt also stets über den Asphalt der Millionen-Metropole bzw. in den Bergen, die sie umgeben. Allerdings wiederholen sich diese Parcours ständig, schon nach sehr kurzer Zeit habt ihr daher den größten Teil Tokios gesehen, das zu diesem Zweck drastisch eingedampft wurde - jedenfalls was das Straßennetz betrifft.

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Nachteulen

Die japanische Hauptstadt bekommt ihr übrigens nur nachts zu sehen, was sich ja bei vielen Spielen dieses Typs eingebürgert hat, doch das nur nebenbei. Eine bedeutende Auswirkung auf das Gameplay lässt sich daraus jedenfalls ganz bestimmt nicht ableiten. Dafür spielt aber die Umgebung eine große Rolle für die Art der Rennveranstaltungen.

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Ihr tretet ausschließlich in 1vs1-Rennen an.
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Nehmt ihr Herausforderungen auf Wangan-Strecken (die Autobahn-Tokios) innerhalb der Stadtgrenzen an und tretet dort in den immer im 1vs1-Schema ablaufenden Rennen gegen diverse Crew-Mitglieder an, so handelt es sich um die schon angesprochenen Grip-Rennen, bei denen das Drift-Element praktisch keine Rolle spielt. Außerhalb Tokios sieht das schon ganz anders aus, denn auf den so genannten Touge-Parcours liefert ihr euch größtenteils Drift-Rennen auf serpentinenartigen Asphaltpisten und sammelt Punkte.

Das hört sich in der Theorie zwar durchaus nach ein wenig Abwechslung an, für die man laut Anleitung sogar am besten zwei verschiedene Wagen hochtunen sollte, in der Realität genügt euch jedoch ein einziger hochgezüchteter japanischer Bolide, um alle anderen Fahrer locker zu beherrschen. Grundsätzlich geht es nämlich auch bei The Fast and the Furious darum, so schnell wie möglich an genug Zaster zu kommen, um seinen Wagen mit möglichst vielen neuen Tuning-Teilen auszustatten - oder sich gleich ein neues Hochleistungsvehikel zu kaufen.

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Tokio by Night, ein Anblick an den ihr euch hier gewöhnen müsst.
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Das fällt zunächst gar nicht so einfach, da die ersten zur Verfügung stehenden Modelle sehr klobig und nicht eben reinrassige Rennmaschinen sind. Das macht aber nix, denn nachdem man die ersten kleinen Erfolge auf den frei befahrbaren Straßen erreicht, wo man seine Kontrahenten per Lichthupe herausfordert oder sich Duelle an festgelegten Hotspots gegen Renn-Crews liefert, geht es rasend schnell aufwärts.

Das liegt u.a. daran, dass sich das Spielsystem sehr einfach austricksen lässt: Ihr könnt nämlich gegen einfache Gegner, die relativ viel Kohle einbringen, so oft hintereinander antreten wie ihr wollt und euer Konto damit rasend schnell füllen - im wahrsten Sinne des Wortes.

Simple Renngestaltung

Dabei geht es auch hier sehr simpel ab: Entweder ihr tretet in den Mann-gegen-Mann-Rennen an und versucht bei einer vorbestimmten Streckenlänge als erster über die Ziellinie zu gehen oder ihr liefert die höhere Highspeed ab, was mit der richtigen Nitrounterstützung schon bald kein Problem darstellt. Wenn ihr bei diesen Events ins Hintertreffen geratet, hat das meist nur einen Grund: die schlechte Fernsicht, denn The Fast and the Furious neigt dazu, den Streckenhorizont verschwommen darzustellen, und damit den Überblick nicht gerade optimal zu gestalten.

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Die Wagenmodelle könnten wahrlich detaillierter gestaltet sein.
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Insgesamt macht das Spiel zwar einen soliden technischen Eindruck, leistet sich aber auch einige Schwachstellen. So müsst ihr bei den mehrheitlich japanischen Fabrikaten leider auf viele Details verzichten und mit Low-Res-Texturen vorlieb nehmen. Viel störender sind jedoch die ständigen Ladepausen, mit denen ihr bei jeder Gelegenheit konfrontiert seid. Selbst bei der Wagenauswahl beim Händler müsst ihr bis zu zehn Sekunden warten, bis das nächste Modell auch optisch angezeigt wird, während die Fahrzeugdetails bereits eingeblendet werden.

Nett sind hingegen die vielen Tuningmöglichkeiten, die Liebhabern sehr viel Spielraum für Bastelarbeiten an ihren Karossen geben. Fans von Online-Rennen können zudem auf einige durchaus interessante Rennmodi via WLAN-Option zurückgreifen, bei der sogar Fahrzeugteile ausgetauscht werden können.