The Fall - The Last Days of Gaia (PC-Test)
(von Tobias Wüst)

Ein Spiel im Wandel zwischen "potentieller Bestseller" und "nicht vermittelbarer Ladenhüter". Selten habe ich ein Spiel gesehen, dass mich so polarisiert hat wie The Fall. Mit seinen genialen Ansätzen und

The Fall - Last Days of Gaia - Trailer

Endzeitdrama hautnah
Ein grafisch eher unterdurchschnittliches Intro führt den Spieler gelungen und übergangslos ins Spiel. Nachdem man nun die Vorgeschichte, sein Weltendasein und das einem vorbestimmte Schicksal kennt, steuert man den Charakter in verruchter und draufgängerischer Montur auf zum naheliegenden Camp. Bereits an dem ersten Dialog mit der Torwache erkennt man den rauen Umgangston - geprägt unter anderem von der Vorgeschichte des eigenen Charakters, der den Spieler entlang der gesamten Story begleitet. Die harte Welt, bedingt durch die vielen tragischen Schicksalsschläge der meisten Bewohner der Wastelands und die damit verbundene düstere Stimmung ist einer der größten Pluspunkte von The Fall.

Die Story
Nach einer atomaren Katastrophe im Jahre 2062 gibt es nur noch wenige Bewohner in dem düsteren Ödland, in dem Wasser die wertvollste Ressource ist. Das ohnehin harte

Leben wird für die Bevölkerung noch zusätzlich durch raubende, mordende und plündernde Gangs erschwert. Diese Gangs bestehen nicht, wie man annehmen könnte, aus einem zusammengewürfelten Pack das ziellos durch die Gegend streunt, sondern aus organisierten Einheiten, die zielgerichtet vorgehen und somit schwer zu bekämpfen sind. Der einzige Lichtblick in dieser Welt ist eine neue Regierung, genannt GNO, die es sich zum Ziel gesetzt hat die Bewohner unter der Führung eines selbsternannten Präsidenten zu vereinen. Diese Organisation soll Schutz gewähren und eine Gesellschaft schaffen, die auch wieder als solche zu bezeichnen wäre. Um diese strategischen Ziele auch nur annähernd realisieren zu können, müssen zuerst die verschiedenen Gangs bekämpft werden und dadurch das Vertrauen der Bevölkerung errungen werden.

Das persönliche Schicksal des Spielers wurde ebenfalls durch die Gangs geprägt. Während eines
Aufenthalts in den Wastelands wurde dessen Heimatdorfes überfallen, seine Familie getötet oder verschleppt. Da die Gangs, die so klangvolle Namen wie "Ratskulls" oder "Desert Monks" haben, auch für die persönliche Tragödie des Hauptcharakters verantwortlich sind, liegt wohl nichts näher als dass sich der Charakter der GNO als Söldner anbietet. Dem Spieler wird auf Grund seines Schicksals direkt die Betreuung eines fünfköpfigen Söldnertrupps übertragen. Jetzt heißt es fünf aus acht Söldnern gezielt auszuwählen und sich Gedanken zu machen, welcher Söldner für welche Spezialtätigkeiten eingesetzt werden kann. Im Laufe des Spiels trifft man noch weitere NPC's, die man rekrutieren kann. Dafür muss allerdings ein Söldner entlassen werden, Planung mit Weitblick ist also angesagt. Einmal entlassene Söldner lassen sich nämlich nicht wieder anheuern. Eine gute Ausgewogenheit und Spezialisierung der Teammitglieder wird im Laufe des Spiels immer wichtiger.

Mit einem Trupp von sechs Allround-Talenten stößt man schnell an seine Grenzen und ist gezwungen neu anzufangen - also Vorsicht bei der Auswahl und der Verteilung der Attributs-, Fertigkeits-, und Talentpunkte.

Ein modernes Rollenspiel - Hitverdächtig
Entlang der Hauptstory führt man nun also sein Team durch die einzelnen Regionen und erfüllt zahlreiche Nebenquests. Ein ganz normales Rollenspiel, wie es sie zu Hauf gibt, möchte man also meinen… Aber weit gefehlt!!! Die gnadenlose Endzeitstimmung, die dieses Spiel vermittelt, ist noch besser gelungen als die von Fans so geliebten Spiele "Fallout" und "Fallout 2". Desweiteren hat der Spieler große Handlungsspielräume beim Lösen der Quest. Abgesehen von den zwei Gesinnungen (gut oder böse, Gefallen tun oder Gewalt anwenden), nach denen der Spieler die Quests lösen kann, stehen ihm auch noch verschiedene Methoden zum Lösen zur Verfügung.

The Fall - Last Days of Gaia - Genie oder Wahnsinn!?! Hit oder Flop?

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Das Kampfsystem bei The Fall ist ebenfalls gelungen, da sich sehr viel automatisieren lässt und man die Wahl hat, einen Kampf in Echtzeit auszutragen oder bei komplexen Kämpfen öfter mal die Pause-Taste zu nutzen um dem Team einzelne Anweisungen zu geben. Die Dialoge der einzelnen Personen sind geprägt von der Liebe zum Detail und sprühen vor Witz und Charme. Schade nur, dass die Entwickler diese Liebe und Sorgfalt nicht in allen Bereichen des Spiels haben walten lassen…

Packshot zu The Fall - Last Days of GaiaThe Fall - Last Days of GaiaErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wenn - ja wenn…
Die vielversprechenden Ansätze wie die Atmosphäre, der Humor, die

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Quests und der Sound werden durch zahlreiche (vermeidbare?!?) Mankos neutralisiert. Vier Patches innerhalb einer Woche seit Erscheinen des Spiels, die fast ausschließlich essenzielle Fehler beseitigen sollten, sprechen für sich. Das Kuriose an diesen Patches ist allerdings, dass beispielsweise der Patch 1.2 zahlreiche Fehler behebt, zugleich aber neue Fehler verursacht, die unter Version 1.1 noch nicht vorhanden waren. Für alle, die das Spiel zur ersten Stunde erworben haben, dürfte sich also sehr schnell Ernüchterung und Unlust breit gemacht haben, da viele Spielstände verbugged und nicht mehr spielbar waren. Liebhabern und Hardcore-Spielern gingen innerhalb kürzester Zeit Netto-Spielzeiten von bis zu 20 Stunden verloren, da sie das Spiel neu anfangen mussten. Ein weiteres Manko, das den Spieler an den Rand des Wahnsinns treiben kann, sind die nur spärlich verteilten Starthilfen oder Tipp. Diese führen oftmals dazu, dass das Spiel vier mal oder öfter neu begonnen werden muss. So ist es zum Beispiel möglich, Talentpunkte auf die Partymitglieder zu verteilen, die absolut sinnlos sind. Diese fehlen dann natürlich an anderer Stelle. Beispielsweise ist das Talent "Redegewandtheit" lediglich für den Hauptchar relevant, da dieser ausschließlich in Dialoge mit den Bewohnern verwickelt ist. Hat man nun einen anderen Charakter auf dieses Talent spezialisiert, merkt man erst nach Stunden, dass das ja eigentlich keinen Sinn macht und dieser Charakter mittlerweile so nutzlos ist, dass man ihn entlassen muss. Hinzu kommen noch kleinere nervende Sachen, die aber wohl in einem der nächsten sechs Patches behoben werden (voraussichtlich also noch diese Woche ;-)), wie die kaum intuitive Steuerung oder ein zu kleines Inventar. Über solche Sachen kann man auf Grund des Spielspasses zwar auch mal hinwegsehen, allerdings nervt es auf Dauer, wenn das halbe Inventar voll mit Munition ist (und das muss es sein, da man ungern ohne Munition vor einer wütenden Meute, ausgerüstet mit Schrotflinten und Uzis steht) und nur wenig Platz für andere hilfreiche Dinge und Bastelinventar bleibt. Ausserdem nervt die fehlende Möglichkeit, Details zu im Inventar befindlichen Objekten abzurufen. Alles muss zunächst auf den Bodenn geworfen werden - erst dann enthüllt das Spiel Werte wie Waffenschaden oder ähnliches, sobald der Spieler die Maus über das Objekt bewegt. Kleinigkeiten, die zur Stimmung beitragen, wie die Namensvergabe für die Lieblingswaffe wurden im Vorfeld groß angekündigt und stehen sogar in der Spielanleitung, sind aber derzeit noch nicht im Spiel implementiert.

Auch die Hardware bockt…
Die spielerischen Mankos wurden in der Startphase sogar noch durch schwerwiegendere Kompabilitäts- und Performanceprobleme getoppt. Durch den vierten Patch wurde die grafische Performance zwar stark verbessert und das Spiel damit überhaupt erst spielbar - auf zwei von drei Rechner macht The Fall aber auch nach dem vierten Patch noch keinen Mucks.

Erstaunlich ist der Hardwarehunger vor allem im Hinblick auf die

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gebotene Optik. Die Grafik des Spiels ist zwar keinesfalls schlecht und würde trotz Durchschnittlichkeit die Bewertung nicht negativ beeinflussen, warum das Spiel trotzdem derart hohe Anforderungen an den Rechenknecht stellt, bleibt aber unerklärlich.Zusammenfassung - Pro und Contra
Pro: Die fantastische Atmosphäre fesselt und gibt dem Spieler das Gefühl, tatsächlich in einem Endzeit-Kampf auf Leben und Tod aufgewacht zu sein. Zusammen mit den pfiffigen Dialogen ist dies die Basis des vermeintlichen Erfolgs.

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Weitere Pluspunkte sind der Handlungsspielraum bei den Quest-Lösungswegen, die Möglichkeit aus Fahrzeugen heraus zu kämpfen, sowie das Kampfsystem allgemein und die unglaubliche Kombinationsmöglichkeit von Gegenständen (allerdings sollten speziell diese auf Ihre Vielfalt hin

noch mal überarbeitet werden).

Contra: Der Release des Spiels zu diesem Zeitpunkt war ein fataler Fehler, da es hardware-technisch nicht ausgereift und zudem offensichtlich nicht ausreichend getestet war. Weitere Cons sind die Spielbalance, die nichtselbsterklärende Bedienung, eine nicht vorhandene Interaktion der Charaktere, sowie diverse spielerische Kleinigkeiten wie Inventargröße oder Waffenbezeichnungen. Auch die angegebene Spieldauer von 80 Stunden scheint etwas aus der Luft gegriffen. Hardcoregamern zocken The Fall in zwölf bis 15 Stunden durch. Inklusive der ca. fünf "Bonus-Spielstunden" nach dem eigentlichen Ende hat der Durchschnittsspieler damit Unterhaltung für ca. 20-30 Stunden.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ fantastische Atmosphäre + pfiffige Dialoge + großer Handlungsspielraum + tolle Quests + gelungenes Kampfsystem

Cons:

- haufenweise Bugs - vier Patches innerhalb einer Woche - gewöhnungsbedürftige Bedienung - schlechtes Balancingselbsterklärende Bedienung, eine nicht vorhandene Interaktion der Charaktere, sowie diverse spielerische Kleinigkeiten wie Inventargröße oder Waffenbezeichnungen. Auch die angegebene Spieldauer von 80 Stunden scheint etwas aus der Luft gegriffen. Hardcoregamern zocken The Fall in zwölf bis 15 Stunden durch. Inklusive der ca. fünf "Bonus-Spielstunden" nach dem eigentlichen Ende hat der Durchschnittsspieler damit Unterhaltung für ca. 20-30 Stunden.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ fantastische Atmosphäre + pfiffige Dialoge + großer Handlungsspielraum + tolle Quests + gelungenes Kampfsystem

Cons:

- haufenweise Bugs - vier Patches innerhalb einer Woche - gewöhnungsbedürftige Bedienung - schlechtes Balancing