Flash-Spiele können manchmal echte Spieleperlen sein. So beispielsweise der Coming Out-Simulator, der vor wenigen Jahren für viel Aufruhr aber auch Aufklärung sorgte. Nun kehrt der Entwickler des Coming Out-Simulators Nicky Case mit “Die Evolution des Vertrauens” zurück und erklärt Spielern, wie Vertrauen in einer Gesellschaft funktioniert.

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In diesem simplen Gedankenspiel müsst ihr lediglich einen von zwei Befehlen auswählen. Entweder ihr entscheidet euch dazu, eine Münze in die Maschine vor euch einzuwerfen, oder eben nicht. Euer Computer-Gegenüber trifft ebenfalls eine Entscheidung dieser Art. Wenn sich beide dazu entschließen eine Münze einzuwerfen, bekommen beide zwei Münzen mehr zurück, als sie ausgegeben haben - eine Win-Win-Situation. Falls sich allerdings ein Charakter dazu entschließt zu schummeln und keine Münze einzuwerfen, bekommt der Schummler drei Münzen. Der Beschummelte geht hingegen leer aus und verliert sogar eine Münze. Beschupsen beide Spieler, bekommt keiner eine Münze.

Spielekultur - Wie ein kleines Flash-Spiel euch soziale Normen über Vertrauen beibringt

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Fies: Hier hat der Autor einfach geschummelt!
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So weit, so einfach. Dass dieses System allerdings ganz schnell kompliziert werden kann, zeigt sich ab dem Moment in dem verschiedene Charaktere eingeführt werden. So gibt es beispielsweise den sogenannten “Nachäffer”, der immer euren letzten Zug wiederholt. Schmeißt ihr eine Münze ein, wird er es beim nächsten Zug auch tun. Versucht ihr zu betrügen, wird er es euch in der nächsten Runde heimzahlen. Oder der notorische Lügner, der jedesmal versucht euch zu betrügen, die zwanghaftig gutgläubige Dame, die jedesmal eine Münze einwirft, ein Detektiv und viele mehr. Mit diesen Figuren werden die Mitglieder der Gesellschaft glaubhaft dargestellt.

Besonders interessant wird es, wenn man die Charaktere gegeneinander ausspielt. Hier bietet euch “Die Evolution des Vertrauens”verschiedene Szenarien, mit denen ihr simulieren könnt, welche Charaktere in einer Gesellschaft einen Vorteil haben - und welche nicht. Auch könnt ihr die Paradigmen der Gesellschaft verändern, indem ihr beispielsweise die Anzahl an Münzen erhöht, die Schummler kassieren würden.

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Wer würde in so einer Gesellschaft wohl gewinnen?
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Diese spielerische Simulation schaut zudem nicht nur süß aus, sondern ist zudem mit allerlei Hintergrundwissen gespickt. So wird vieles anhand des Weihnachtsfriedens während des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 erklärt, bei dem die verfeindeten deutschen und englischen Truppen kurzzeitig die Waffen beiseite legten. Auch werden Studien zitiert, die eine beunruhigende Entwicklung attestieren: Den Rückgang des Vertrauens innerhalb der amerikanischen Gesellschaft.

In welchen Situationen gewinnen die, die immer betrügen? Wann gewinnen die, die Vertrauen spenden? Wie viel sollte man dem Gegenüber vertrauen, bis man selbst anfängt zu betrügen? All diese Fragen erklärt dieses Spiel auf eine verständliche Weise.

So wird “Die Evolution des Vertrauens” zu mehr als einer kleinen Simulation - sie wird zu einem Gedankenspiel. Ein Gedankenspiel das allerdings auch nur in dieser spielerischen Form funktioniert.