The Evil Within hat die Spielerschaft gespalten: Für die einen war es das Horrorspiel schlechthin, für die anderen ein sperrig-frustrierendes Durcheinander. Teil zwei macht es nun eher den zuvor Unzufriedenen recht.

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Blutorgie von The Evil Within 2:

The Evil Within 2 - Ich hab' diese Scheisse satt!5 weitere Videos

Dieselbe Scheiße passiert dem selben Mann zum gleichen Mal – das traf nicht nur einst auf John McClane zu, seinem Cop-Kollegen Sebastian Castellanos ergeht es nun ebenso. Sebastian ist drei Jahre nach dem Psychoterror, den er in The Evil Within durchleben musste, alles andere als gut drauf. Dennoch kehrt er in der vagen Hoffnung, seine totgeglaubte Tochter wiedersehen zu können, in wirre Kopfwelten zurück. Angeschlossen an STEM, eine Art Bewusstseinsinterface, reist er nach Union.

The Evil Within 2 - Das bessere Böse

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Union ist definitiv kein Idyll mehr
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Union wurde von der mysteriösen Firma Mobius ursprünglich als typisches US-Städtchen entworfen, mittlerweile entspricht dort aber gar nichts mehr dem angedachten Idyll. Stattdessen umfängt euch ein düsterer Kleinstadt-Alptraum mit Killern, Monstern, toten Söldnern und einer Tochter, die oft vor eurer Nase und doch nicht zu finden ist. Union dient als Open World, in der ihr den Hauptaufgaben, aber auch Nebenmissionen nachgehen könnt. Die lineare Levelabfolge des Vorgängers ist also Geschichte, stattdessen absolviert ihr die verschiedenen Missionen nun deutlich freier nach euren Vorstellungen.

The Silent Hill Within

Zur Navigation durch die Spielwelt dient neben einer Karte euer Kommunikator, eine Art Funkgerät, das Signale verschiedener Charaktere aufspüren kann, die euch dann zu euren Aufgaben führen. Union trägt klassische Züge eines Silent-Hill-Schauplatzes mit einstürzenden oder sich gen Himmel verdrehenden Straßen. Die Stärken der Grafikengine liegen allerdings nicht in der Darstellung eines großen Stadt-Settings, Union sieht oft etwas karg und monoton aus. Deutlich besser gelungen sind viele der kompakteren Innenareale, in denen Tango Gameworks einmal mehr allerlei Schauriges und Stimmiges zusammengezimmert hat.

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Und Obskura ruft "Cheese!"
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Ein ähnlicher Kontrast zeigt sich bei den Gegnern: Die normalen Zombies kennt man aus anderen Spielen zur Genüge, dafür sind die größeren Widersacher großartig groteske Kreationen, die euch immer wieder einen Schrecken einjagen. Genauere Details möchten wir in dieser Hinsicht nicht spoilern, eine besondere Erwähnung verdient sich aber ein mordender Fotograf, der regelmäßig schockierende Arrangements für euch bereithält. Obgleich er ein Mensch ist, steckt in ihm eins der größten Monster von The Evil Within 2.

Horror für die ganze Familie

Viele Spieler störten sich in Teil eins am brutalen Schwierigkeitsgrad. Um bei The Evil Within 2 eine ähnliche Herausforderung zu erleben, müsst ihr euch direkt für den höchsten der drei anfangs wählbaren Schwierigkeitsgrade entscheiden. Auf der Standardeinstellung ist The Evil Within 2 im Vergleich zugänglicher und einfacher. In Kombination mit der weniger verwirrenden Story kommt man so schneller und besser ins Spiel – auch wenn gerade die Sperrigkeit von Teil eins für eine bestimmte Zielgruppe faszinierend war. Der Massenmarkt dürfte die Anpassungen aber als positiv empfinden.

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Auch im zweiten Teil von The Evil Within schleicht ihr wieder viel
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Bei Bedarf kann man immer noch mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad einsteigen. Dann wird es auch wichtiger, sich um eine umsichtige Spielweise zu bemühen. Während The Evil Within 2 grundsätzlich auch als Actionspiel mit Pistole, Schrotflinte, Armbrust und Co. funktioniert, sind Schleichen und das Vermeiden von Gefechten häufig die bessere Wahl – schließlich handelt es sich hier ja auch um Survival-Horror.

Passend dazu kommt dem Thema Crafting eine große Rolle zu. An über die Spielwelt verteilten Werkbänken lassen sich Munition, Medizin und mehr herstellen. Diese Werkbänke stehen in der Regel in sicheren Zonen, an denen es auch eine Speichermöglichkeit gibt, sodass diese Orte sehr an Resident Evil erinnern. Grundsätzlich kann Sebastian auch anderswo neue Gegenstände basteln, der Ressourcenverbrauch ist dann aber doppelt so hoch – dies sollte also eine reine Notfalloption bleiben. Neben euren Waffen könnt ihr auch den Helden selbst in verschiedenen Bereichen verbessern. Dazu nutzt ihr erneut ein grünes Gel, das ihr aus getöteten Widersachern extrahiert. Das klingt eklig, ja, aber es funktioniert.

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Blut. Blut bleibt immer gleich. Und The Evil Within 2 hat eimerweise Blut - versprochen!
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Bleiben wir beim Thema Ekel

Was The Evil Within 2 mit seinem Vorgänger gemeinsam hat, ist der Gewaltgrad. Einige Ereignisse sind richtiggehend unangenehm anzuschauen. Das liegt weniger an Unmengen Blut, vielmehr verstört die pure Rohheit, welche diese Stellen aufweisen. Für empfindliche Spieler mag das dann und wann zu viel sein. Auch abseits brutaler Exzesse gibt es wieder Schockmomente zuhauf, wobei man hier vieles aus dem ersten Teil oder aus anderen Werken kennt: Durchs Fenster springende Zombies, Lachen aus dem Off, zerberstende Spiegel und Ähnliches erfüllen aber dennoch ihren Zweck.

The Evil Within 2 unterscheidet sich erstaunlich stark von seinem Vorläufer und baut dabei viele Hürden ab, ohne seine besondere Stimmung zu verlieren.Fazit lesen

Selbst ohne alle Nebenmissionen anzugehen, kann man etwa 15 Spielstunden mit der Hauptstory verbringen. Es ist auch Sebastian als Charakter zu verdanken, dass man dabei am Ball bleibt. Während er in Teil eins oft selbst nicht wusste, was abging und diese Verwirrung sich auf den Spieler übertrug, ist Sebastian als Charakter nun definierter und seine Motivation bleibt stets nachvollziehbar. Natürlich macht die Geschichte ihrem Genre geschuldet ein paar wilde Schlenker, trotzdem hat uns der erneute Trip in die Untiefen von STEM für sich eingenommen und uns gut unterhalten.