AHHHHHHH! Gebt es zu, ihr wollt es doch auch: Quietschende Türen, blutende Gesichter und ein leises, unverständliches Flüstern, das aus der Dunkelheit bis in eure Ohren krabbelt: The Evil Within 2 vom Rollenspiel-Großmeister Bethesda ist der Triple-A-Schocker des Herbstes und verspricht, euch die Angst aus der Seele zu prügeln. Nach einem Durchlauf mit Kopfhörern im abgedunkeltem Zimmer fühle ich mich tatsächlich verprügelt, geschrien habe ich aber (leider) nicht.

Eine kleine Abhandlung über Horror, harte Kerle und meine Erfahrungen mit The Evil Within 2. Spoiler kennzeichne ich mit SPOILER!

Ja, das ist der schöne Teaser-Trailer mit der tollen Musik:

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Horror ist dieses eine Genre, das in meinen Augen die Immersion – das Eintauchen in die virtuelle Welt – am weitesten ausreizt. Es ist nicht einfach, uns tatsächlich Angst zu machen. Ganz abgesehen von massentauglichen PewDiePie-Schreien, die uns ein Spiel nur in den seltensten Fällen entlocken kann.

Schon bei The Evil Within spalteten sich die Lager; während die einen dem chronischen Munitionsmangel nichts abgewinnen konnten, saßen die anderen völlig gebannt vor dem Bildschirm. Dabei war der erste Teil linear, voller Action und ließ euch zudem auch noch in der Third-Person-Perspektive zocken. Fast, als wolle Bethesda den Regeln des Horrors einen ganz bestimmten Finger zeigen, ein “Du kannst mich mal!”, auf den Lippen.

Redakteurin Victoria Scholz: "Ich kenne nur die ersten zwei Stunden und bin zweimal zusammengezuckt. Ich bin aber auch sehr leicht schreckhaft. Da ist das kein Wunder. Ich denke aber nicht, dass ich bei TEW2 schreie. Ich habe eher den Mund offen, weil ich die Effekte und Ideen im Spiel großartig finde."

Der harte Typ mit den dicken Waffen

Der erste Fehler ist ein Protagonist, der ein knallharter Typ mit wuchtigen Waffen ist und als stärkste Entität in der Spielwelt vor nichts und niemandem Angst hat”, schreibt Phil Hartup in seinem Artikel über den Faktor Angst in Videospielen. Sebastian Castellanos nimmt euch nicht nur über die fehlende Ego-Perspektive ein Stück weit die Immersion, sondern schenkt euch auch noch genug Selbstbewusstsein, indem er einfach ein Badass ist. Warum Angst haben, wenn so ein Kerl an eurer Seite steht?

Sebastian Castellanos rechnet nicht nur mit seinen neuen Feinden, sondern auch mit den alten ab:

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Dead Space war ein gutes Spiel, machte aber dieselben Fehler; ebenso, wie die Resident-Evil-Serie (abgesehen von dem siebten Teil). Doom gehört in dieselbe Kategorie, was keineswegs heißt, dass diese Titel schlechter sind. Aber sie sind auch nicht die gruseligsten des Genres.

The Evil Within 2 - Bringt euch das Spiel zum Schreien?

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Na, du kleiner Mann in der Dunkelheit?
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Im Gegensatz dazu stehen Spiele wie Amnesia: The Dark Descent, Alien: Isolation oder auch Slender. Der schwache, panische Protagonist in Amnesia hat oft mehr Angst als ihr selbst, versetzt euch damit aber auch in eine unsichere Lage: Es muss schlimm sein, wenn der Typ gleich ohnmächtig vor Angst wird, oder? In allen drei Spielen kämpft ihr gegen eine Macht, die ihr nicht mit Waffen besiegen könnt. Eure Möglichkeiten gabeln sich in “Weglaufen” und “Verstecken”, auch wenn es kein wirkliches Entkommen gibt – nur eine Flucht auf Zeit.

Der zweite Fehler und seine Achillesferse

Der zweite Fehler ist Linearität. In einem linearen Titel spielst du mit dem Rücken zur Wand, und genau das ist auch der Zweck davon. Du kannst nicht umkehren, du kannst nur voranschreiten.The Evil Within war linear und gerade deswegen auch gruselig. Zu einem gewissen Grad.

Packshot zu The Evil Within 2The Evil Within 2Release: PC, PS4, Xbox One: 13.10.2017 kaufen: Jetzt kaufen:

Eine lineare Geschichte wird euch ähnlich wie ein Film packen, die Schreckmomente sind vorprogrammiert und die Spannungskurven folgen einer Choreographie, sodass sie euch so intensiv wie möglich erwischen. Wie Hartup jedoch schreibt, liegt genau da auch die Achillesferse einer linearen Story, die gruselig sein will: Ihr befindet euch immer an genau dem Punkt, an dem euch der Entwickler haben will. Ergo, ihr seid dort, wo ihr sein solltet und alles, was euch erwartet, könnt ihr auch besiegen – ob nun durch eine Flucht oder indem ihr es bekämpft. Es gibt keine Unsicherheiten, kein “Sollte ich überhaupt schon hier sein?”, das euch durch den Kopf spukt. Und wie wir alle wissen: Das Unbekannte ist die Mutter der Angst.

The Evil Within 2 ist nicht linear. Und hier wird es erst recht interessant.

Inhaltsverzeichnis:

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