Grafikkünstler: etliche Tausend Euro! Programmierer: noch ein paar Tausend mehr. Ein positiver Grundtenor im Internet: unbezahlbar. Man kann es drehen wie man will, eine Neuauflage eines derart bedeutenden Spiels wie Skyrim kann bei den Fans gar nicht so gut abschneiden wie das Original. Dafür haben Modder und Spieler zu viel Zeit investiert, ihr Stückchen Himmelsrand zu liebgewonnen und sich an alle kleineren Unzulänglichkeiten gewöhnt. Meckern ist einfach, wenn man nicht selbst Hand anlegen muss. Bleibt die Frage: Wie viel von der jüngst lautgewordenen Kritik gegenüber der Skyrim Special Edition ist gerechtfertigt? Insbesondere im Hinblick auf die Konsolenfassungen?

Ja, ja und nochmals ja! Ihr Meckerfritzen und Besserwisser im Netz habt ja recht. Die Skyrim Special Edition sieht selbst mit allen zugekniffenen Hühneraugen nicht so gut aus wie das Original mit etlichen ansehnlichen Modifikationen. Texturschärfe, Shader, Farbkraft und mehr können nicht mit den Werken der Community mithalten. In dieser Hinsicht hätte ich aber eine Frage: Wer hat euch jemals versprochen, die neue Edition würde jene Mods überflügeln? Muss eine Neuauflage jeden Geschmack treffen, wenn man doch prima bei der alten Version bleiben, sie weiterspielen und weiterempfehlen kann? Soweit ich das sehe, ist Skyrim in der alten Edition noch immer auf Steam verfügbar und deutlich billiger als die jüngst erschiene Fassung. Wobei das ja nur bedingt hinhaut, denn einige der treuesten Spieler bekommen die neue Fassung sogar geschenkt.

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul, selbst wenn er noch so faule Zähne hat. Allerdings muss man einen Gaul mit faulen Zähnen auch nicht für einen Verkauf empfehlen, darum darf und muss Kritik erlaubt sein. Im Rahmen der Fairness wohlgemerkt, was bedeutet, dass eine Wertung von einem aus fünf Sternen absolut unangemessen ist.

The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition - Des Kaisers neue Kleider

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Eine Generalüberholung sieht anders aus, aber dennoch macht Skyrim auf PS4 und One eine ganz ordentliche Figur.
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Skyrim ist und bleibt eines der meistgespielten Rollenspiele aller Zeiten. Wie viele andere Spiele dieser Sparte überleben geschlagene fünf Jahre ohne Multiplayer-Anteil? Wie viele andere Rollenspiele fahren so viel Inhalt auf, dass man in diesen fünf Jahren kaum einen Moment der Langeweile vernimmt? Wie viele Pfeilschüsse ins Knie wurden zu Memes vergurkt? Sie lassen sich ebenso wenig zählen wie die Anzahl durchgezockter Nächte, die beweisen, wie viel Qualität in Skyrim steckt. Nichts davon hat sich in der „Spätzle-Edition“ geändert.

Die Rückkehr der Drachen

Jemand, der Skyrim noch nie zuvor gespielt hat, wird in der Special Edition ganz genauso verblüfft über die gigantische Landschaft von Himmelsrand stolzieren, verworrenen Quest-Strängen nachgehen und den Kampf mit dem Weltenfresser suchen wie im Originalspiel. Man kann allein mit dem Auskundschaften von Himmelsrand Stunden verbringen. Vorbeischlendern an Flüssen, an eigenbrötlerischen Dörfern und Feldern voller Wildwuchs; man bestaunt unterwegs mächtige Berge, dunkle Wälder und düstere Höhlen, duscht unter eiskalten Wasserfällen und badet in tiefen Seen. Freiheit ist das Stichwort dieses Spiels. Tut und lasst (beinahe alles) was ihr wollt, selbst wenn ihr meint, einem Händler eine überbraten zu müssen. Mehr zum Kern und zur Struktur des Spiels findet ihr im Test des Originals.

Packshot zu The Elder Scrolls V: Skyrim Special EditionThe Elder Scrolls V: Skyrim Special EditionRelease: PS4, Xbox One: 28.10.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Klar, ein paar Bugs in der PC-Version mögen den Fortschritt Anfangs erschweren, man denke da ein den ein oder anderen freischwebenden Gesprächspartner. Doch das wird kein dauerhafter Zustand sein. Siehe die Gegenstücke auf PlayStation 4 und Xbox One, die ohne größere Bugs ausgeliefert wurden.

Buchstäblich alter Wein in neuen Schläuchen. Aber wenn der Wein so gut schmeckt wie dieser, lässt man sich gerne ein zweites Glas eingießen.Fazit lesen

Die meiste Kritik im Netz geht letztendlich zulasten der Grafikqualität, die zwar an einigen Stellen zu wünschen übrig lässt, aber das Spiel keineswegs versaut. Steigerungspotenzial lässt sich kaum leugnen. Mal abgesehen davon, dass man bereits im Intro falsch herum aufgetragene Texturen erspäht, bleibt auch der Rest des Spiels für Maßstäbe des Jahres 2016 unspektakulär. Schaut man genau hin, entdeckt man trotzdem Kleinigkeiten, die das Gesamtbild schöner und die Darstellung weicher gestalten. Die Sichtweite und Detaildichte entspricht auf PS4 und Xbox One nur der des höchsten Qualitätsstandards der PC-Fassung, und fügt sogar ein paar Schmankerl dazu. Etwa volumetrisches Licht, Tiefenunschärfe über die virtuelle Linse und gesteigerten Wildwuchs. Keine Hexerei, aber allemal erheblich schöner als noch auf der Xbox 360 und der PS3.

Schade nur, dass grundsätzlich lediglich Detailarbeit verrichtet wurde, statt an der Basis anzusetzen. Viele Oberflächen wirken grob, die Geometrie ist weiterhin auf dem Stand von vor fünf Jahren und abseits von ein paar verschönerten Partikeleffekten (vor allem in der Darstellung von Magie) sticht kaum etwas in Sphären aktueller Grafikqualität vor. Auf den Konsolen fallen die Schatten-Maps sogar derart grob und schwammig aus, dass man nicht erkennt, welches Objekt gerade das Licht verdeckt. Dabei sollte man aber nie vergessen, dass es um eine gigantische Welt geht, die viel Feinabstimmung benötigt, um nicht in den Sog fallender Bildraten zu geraten. Skyrim mag nicht topaktuell aussehen, aber es läuft auf den Konsolen endlich richtig flüssig in stabilen 30 FPS.

The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition - Des Kaisers neue Kleider

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Egal, ob ihr erneut oder zum ersten Mal durch Himmelrands zieht: Plant etliche Stunden Spielzeit ein.
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Mods auf den Konsolen

Für Konsoleros ist eines der besten Argumente für den Wechsel zur Special Edition die Einführung von zuschaltbaren Modifikation: Anders als beim PC können diese leider nicht durch externe Arbeiten der Community aufgewertet werden. Bessere Texturen? Abgewandelte Effekte? All das wird es leider nicht geben. Schon gar nicht bei Sony, denn die Japaner geben vor, dass sämtliche Mods auf dem Material basieren müssen, das bereits im Grundspiel vorhanden ist.

Somit kommen nur Mods praktischer Natur in Frage, die allerdings zugleich alle Achievements bzw. Trophäen deaktivieren. Eine reine Vorsichtsmaßnahme seitens Bethesda, mit der man übermäßige Mogelei verhindern möchte. Wer Auszeichnungen sammelt, sollte davon also die Finger lassen.

Praktische Mods blenden etwa die Ladebildschirme vor Städten aus oder füllen diese mit netten Texten, die Einzelheiten über die Geschichte des Landes verraten. Ebenfalls praktisch sind Mods, die mehr Wegweiser in der Landschaft aufstellen oder Quest-Objekte aufwerten. Wer auf Bastelei steht, ist allerdings auf der Xbox One besser aufgehoben, weil Ersteller dort ein wenig mehr Freiheit genießen. So ermöglicht die Mod „Wet and Cold“ Xbox-One-exklusiv zusätzliche Feinheiten in der Grafik, wie etwa Wasser, das vom Körper abtropft, wenn man aus einem See oder einem Fluss steigt. Zudem animiert sie NPCs dazu, während Regenschauer in ihre Häuser zurückzukehren. Sicher kein weltbewegendes Feature, aber stimmungsfördernd allemal.