Wenn man meine PvP-Geschichte in Online-Rollenspielen aufschreiben wollen würde, man bräuchte nicht sehr viel Papier. Aus jedem Spiel, das ich in den Fingern hatte, würde man ein paar interessante Geschichten zusammen bekommen, aber im Großen und Ganzen hat mich bisher keines der Systeme wirklich zu interessieren gewusst. Teils waren die Einstiegshürden gewaltig, teils war das PvP einfach zu eintönig. Doch dann kam das letzte Wochenende...

Aber eigentlich ist es auch kein großes Wunder, dass das PvP-Modus in The Elder Scrolls Online wirklich gut geworden ist. Schon allein mit Game Director Matt Firor ist Erfahrung im Team, die Großes erwarten lässt. Er war unter anderem einer der Köpfe hinter dem PvP-System in Dark Age of Camelot, dem Traum, dem bis heute viele MMORPG-Fans hinterherweinen. Und so erwartet uns in Cyrodiil so einiges und mehr, als ich ursprünglich erwartet habe.

Der Clou an der Sache: Ihr könnt diesen Schlachten in Cyrodiil bereits ab Stufe 10 beiwohnen, braucht euch also nicht bis zur Maximalstufe zu gedulden, bevor ihr in den Krieg um den Kaiserthron zieht. Denn um nichts weniger geht es hier: Drei Fraktionen stehen sich in Cyrodiil gegenüber und kämpfen um die Vorherrschaft. Hat es eine der Fraktionen geschafft, das Land unter ihre Kontrolle zu bekommen, stellt sie ab diesem Zeitpunkt den Kaiser, erhält Buffs, Verbesserungen und so weiter. Dadurch wird sie vermutlich, und so hoffen auch die Entwickler, Ziel der verbündeten Angriffe der beiden unterlegenen Fraktionen. Die Machtverteilung soll sich immer wieder verschieben und der Thron wird häufig den Besitzer wechseln.

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So weit die Rahmenbedingungen. Austragungsort ist, wie schon erwähnt, die kaiserliche Provinz Cyrodiil, mitten in Tamriel. Das Gebiet ist wie ein Dreieck angelegt, so dass die Heimatbasen bzw. Zugangspunkte der drei Fraktionen gerecht in den Ecken des Gebiets liegen. Dazwischen befinden sich Burgen, Verteidigungsanlagen, alte Ruinen, Sägewerke, Farmen und viele andere interessante Orte.

Ein Pferd! Mein Kaiserthron für ein Pferd!

Das hört sich jetzt alles irgendwie recht überschaubar an, ist es aber nicht. Unübersichtlich wird es aber auch eigentlich nie – Cyrodiil ist einfach nur gewaltig groß. So braucht man für den Weg von einer Burg zur nächsten per pedes satte fünf bis zehn Minuten und insgesamt gibt es 18 dieser trotzigen Behausungen. Im Großen und Ganzen dürfte man also eine Weile unterwegs sein, um von einer Seite Cyrodiils zur anderen zu laufen.

Wenn ihr also mit Stufe 10 in das PvP einsteigt, macht euch auf den ein oder anderen Laufweg gefasst. Pferde sind teuer in der Welt von Elder Scrolls, so dass ihr so früh sehr wahrscheinlich über keinen reitbaren Untersatz verfügen werdet. Es heißt also: laufen! Gut, dass ihr zwischen den von eurer Fraktion dominierten Burgen hin und her teleportieren könnt. Das System funktioniert hier genauso wie die Wegschreine im Rest Tamriels, nur dass die Benutzung im PvP kostenlos ist.

The Elder Scrolls Online - PvP - Und es hat BOOM gemacht!

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Hoppe, hoppe, Reiter, ohne Pferd da läuft er.
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Problematisch wird es nur dann, wenn eine der Burgen belagert wird oder sich gerade im Kampf befindet. In diesem Fall scheinen die magischen Wege gestört zu sein, denn es ist keine Schnellreise zu diesen Orten mehr möglich. Nachvollziehbar, ließe sich doch sonst so gut wie jeder Angriff mit schlagartig erscheinender, massenhafter Verstärkung aus allen Teilen des Landes beenden.

Ein faires Kampfsystem, wie gemacht für epische Schlachten

Kommt es zu eben diesem Kampf, seid ihr in niedrigeren Stufenbereichen nicht wirklich im Nachteil. Schon in der Beta hat ZeniMax es augenscheinlich geschafft, die Werte und Attribute der kleineren Mitstreiter so anzuheben, dass man keinen Nachteil gegenüber Charakteren auf Stufe 50 spürt. Klar, alleine hat man keine große Chance gegen die bessere Ausrüstung, aber hier macht sich vor allem die Begrenzung auf fünf gleichzeitig nutzbare Fähigkeiten sehr positiv bemerkbar.

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In anderen MMOs mit einem solchen Stufenangleichungssystem gab es immer das große Problem, dass kleine Spieler weniger Fähigkeiten hatten und teilweise sogar lebenswichtige Skills nicht nutzen konnten. In ESO ist das anders, denn mit Stufe 10 habt ihr, sofern ihr nicht sehr seltsame Entscheidungen beim Stufenanstieg getroffen habt, eine gute Auswahl für jeden der fünf Fähigkeitenslots und habt mit Sicherheit auch schon die erste Ultimate-Fähigkeit freigeschaltet.

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Planung ist alles. Die NPCs nehmen den Krieg in Cyrodiil sehr ernst. Solltet ihr auch!
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Das Kampfsystem hat sehr positive Auswirkungen auf das PvP. So ist schon allein der Fakt, dass es keine Aufschaltmechanik gibt, sehr ungewohnt und führt zu interessanten Duellen. Ausweichen, zur Seite weg rollen - im richtigen Moment eingesetzt lassen diese Manöver die feindlichen Angriffe ins Leere gehen. Ohne Bewegung und ohne genaues Beobachten des Gegners wird man im Zweikampf gegen jemanden, der diese Finessen beherrscht, keine Chance haben.

Hätte man es besser machen können? Kaum. Das PvP-System in ESO ist erstklassig und sorgt dafür, dass das Spiel auch bei mir einen festen Platz auf der Festplatte bekommen wird.Ausblick lesen

Und so gestaltet sich das PvP auch im Kleinen sehr viel dynamischer. Die Kämpfe sind actionreich und bedeutend taktischer, als ich es bisher bei anderen Genrevertretern gesehen habe. Und sie wirken dadurch auch im Endeffekt natürlicher. Man hat nicht das Gefühl, dass der Magier immer vom Krieger aus der Kutte gehauen wird, weil seine Werte im direkten Vergleich einfach unterlegen sind. Man hat das Gefühl, mit gutem Spiel auch solche (in anderen MMOs aussichtslose) Situationen meistern zu können. Es gibt kein Stein-Schere-Papier-System: Jeder kann, die nötige Übung vorausgesetzt, jeden anderen Spieler schlagen.

Belagerungswaffen und Defensive

Neben dem bewaffneten Zweikampf gibt es auch noch schweres Gerät, mit welchem man Feind und Burg zu Leibe rücken kann. Skorpione, Katapulte, Triböcke, Rammen und Co. stehen den Angreifern zur Verfügung. Und natürlich auch den Verteidigern. Doch diese können auf noch weitere Gemeinheiten zurückgreifen, so gibt es etwa Kessel mit brennendem Pech, welche im richtigen Moment von der Mauer gekippt einen Ansturm des Gegners vollkommen zum Erliegen bringen können.

Diese Belagerungs- und Verteidigungseinrichtungen werden im Spiel mit einer gesonderten PvP-Währung gekauft und die Preise sind zumindest in der Beta so niedrig, dass man recht schnell dazu kommt, sich das ein oder andere Arsenal zuzulegen. Einmal aufgebaut, stehen die Waffen an einem festen Ort und können für eine bestimmte Zeit genutzt werden.

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Vorne seht ihr ein paar Triböcke, die die Burg unter Beschuss nehmen.
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Wer die brennenden Kugeln der Triböcke in eine Gegnerhorde hat fliegen sehen oder von der Mauer den gegnerischen Rammbock mit brennendem Pech in eine Todesfalle verwandelt hat, bekommt schnell Lust darauf, dies öfter zu tun. Und ohne den Einsatz solcher Gerätschaften wird die Eroberung einer Burg ein schwieriges Unterfangen.

Bei all diesen Aktionen ist taktisches Vorgehen und Absprache unter den Spielern entscheidend. Das ist es auch in anderen MMORPGs, aber in The Elder Scrolls Online kommt man wirklich nicht mehr ohne aus. Hier muss auch der Nachschub gesichert werden, da ein Wiederbeleben in einer umkämpften Burg nicht möglich ist. Also wollen Sanitätszelte aufgestellt, Mauern repariert und ein gemeinsames Vorgehen abgesprochen sein.

ESO bietet für all dies die geeigneten Mittel. Natürlich ist eine Gruppe mit der Nutzung von Teamspeak oder ähnlichen Voicechat-Tools gut beraten, aber selbst mit einfach Mitteln im Spiel lassen sich schon recht gute Ergebnisse erzielen. So können Sammelpunkte auf der Karte festgelegt werden, die dann auf der Karte aller anderen Mitspieler als pulsierende Kreise auftauchen.

Gildenburgen - 24 / 7 für den harten Kern

Wo wir gerade bei den Burgen waren: Diese stehen nicht einfach nur in der Gegend herum und werden von NPCs bewacht, sondern können von Gilden in Beschlag genommen werden. Hat eine Gilde sich einer solchen Burg bemächtigt, kann sie aus ihren umliegenden Ländereien Ressourcen abgreifen, welche zum Ausbau der Burg und des eigenen Waffenarsenals genutzt werden können. So besitzt jede Burg eine Mine, ein Sägewerk und einen Bauernhof, welche aber auch verteidigt und bewirtschaftet werden wollen.

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Im Hintergrund seht ihr, dass die Tür der Burg schon fast eingeschlagen ist.
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Knackpunkt an der Sache: Die Burgen sind immer angreifbar, müssen also auch immer verteidigt werden. Gegen kleine Gruppen oder gar Einzelspieler können das durchaus die NPCs übernehmen, steht aber eine verfeindete Gilde vor der Tür, sollten schnell Spieler organisiert werden. Im Endeffekt werden sich auf solchen Burgen also nur größere Gilden halten können, die auch dazu in der Lage sind, 24 Stunden am Tag zumindest einen Späher auf den Mauern zu haben, der dann schnell per Telefonkette die Mitspieler aus dem Bett klingelt.

Ob es hier noch Mechaniken geben wird wie z.B. einen E-Mail-Alarm wissen wir nicht, generell ist dieser Ansatz in Richtung Hardcore-Spieler aber durchaus zu begrüßen. Denn seine wir ehrlich: Wenn jede Gilde eine solche Burg erobern und halten könnte, wäre das ja auch langweilig. Apropos: Natürlich können alle Spieler der eigenen Fraktion bei der Verteidigung einer Gildenburg helfen, so dass sich hier sicher auch gut Bündnisse mit benachbarten Burgen zur gegenseitigen Verteidigung schließen lassen. So wird das Zusammenspiel im PvP noch interessanter.

Abseits des Kampfes

Und auch, wenn ihr mal alleine in Cyrodiil unterwegs seid, oder wenn eure Burg im Hinterland gerade in sicherer Distanz zur Front ist: Es gibt immer etwas zu tun. Neben den Kampfplätzen finden sich auch besondere Orte in der Provinz, in welchen ihr gegen NPCs antreten müsst, um Schriftrollen der Älteren zu ergattern. Sammelt ihr diese für eure Fraktion, bekommt ihr Boni und die NPCs eures Bündnisses freuen sich ein Loch in den Bauch.

Quests könnt ihr hier auch erledigen, obwohl diese bisher - wir haben ja nur mit Stufe 10 und nicht sehr lange im PvP-Gebiet gespielt - eher nach MMO-Standardkost anhören. Besorgt Nachschub, Materialien, geht zu Burg X, sprecht mit NPC Y. Interessanter sind dagegen schon wieder die Steckbrief-Aufträge, welche dynamisch an die aktuellen Geschehnisse in der Kaiserprovinz angepasst werden. Wurde gerade eine eurer Burgen von einer gegnerischen Fraktion erobert, gibt es natürlich sofort einen Ruf zu den Waffen und ihr könnt euch etwas dazuverdienen, wenn ihr an der Rückeroberung teilnehmt.

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So hat man also auch abseits der großen Schlachten und auch ohne PvP-Gilde immer eine Aufgabe in Cyrodiil. Auch wenn das PvP mit der Gilde vermutlich um einiges interessanter ist als alleine, so habe ich doch den Eindruck, dass man auch als Einzelkämpfer für die eigene Fraktion sehr viel Spaß haben kann. Zu hoffen ist nur, dass die großen Gilden sich nicht allzu sehr anstellen werden und auch gildenexterne Krieger zur Verteidigung oder bei Eroberungsschlachten in ihre Reihen aufnehmen.

Die Engine packt's dicke

Technisch scheint ZeniMax ihr Versprechen von gewaltigen Schlachten halten zu können. Zwar mussten wir an den Grafikeinstellungen etwas schrauben, als wir uns in ein wirklich großes Getümmel gestürzt haben, aber an meinem zwei Jahre alten Rechner musste ich nur die Schattenqualität eine Stufe herunterstellen und schon lief alles extrem flüssig.

Ob das bei wirklich riesigen Schlachten auch noch reicht, lässt sich natürlich nicht sagen, aber ZeniMaxs hauseigene Engine scheint mit vielen Spielern und vielen visuellen Effekten gut klar zu kommen. Ein Burghof, in dem sechs Triböcke, ein paar Skorpione und ca. 30 Spieler unterwegs waren, einige Feuer brannten und die Tür der Burg unter Dauerbeschuss einzubrechen begann, war ohne Probleme mit mehr als 40 FPS spielbar.