In den letzten zwei Jahren gab es seit der Ankündigung von The Elder Scrolls Online genug Zeit, in der sich potentielle Fans und Hater im Internet an die virtuelle Gurgel gehen konnten. Während sich Skeptiker schon beim verquesteten Sammeln von Nirnwurz und Daedraherzen in der Themenpark-Vorhölle schmoren sahen, freuten sich Befürworter bereits auf das Erkunden von Tamriel und die Fülle an Geschichte, die dem Spieler um die Nase weht. Recht behalten sollten beide Fraktionen. Irgendwie.

Ihr kennt das Spiel: Bei Rollenspielen dieser Größenordnung dauert es seine Zeit, bis ein gerechtes und faires Urteil möglich ist. Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, unseren Test aufzuteilen. Dieser wird dann im Laufe der nächsten Tage ergänzt, bis wir schließlich unser finales Urteil gefällt haben. Schaut also ruhig immer mal wieder rein.

Mit The Elder Scrolls Online wurde nun der achte Teil der Serie veröffentlicht, entwickelt allerdings nicht von Bethesda, sondern von den eigens gegründeten ZeniMax Online Studios, deren Mutterkonzern bisher nur als Publisher aufgetreten ist. Hat's was gebracht?

The Elder Scrolls Online - Dann werde ich meinen Frühling wohl in Tamriel verbringen...

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Die Charaktererstellung ist umfangreich - typisch für The Elder Scrolls
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Wir bauen einen Helden

Der Charaktereditor der Elder-Scrolls-Serie war schon immer recht umfangreich und diese Tradition setzt sich auch online fort. Bei der Erstellung stehen pro gewählter Fraktion drei Völker zur Auswahl, die wir für unseren Protagonisten auswählen können. Neben den menschlichen Völkern, wie den Bretonen oder Nord, stehen auch exotischere Rassen, wie die katzenartigen Khajit oder die reptiloiden Argonier, zur Auswahl und eine Reihe von verschiedenen Elfen.

Das Spiel bietet vier Klassen, von der wir uns vor dem Start in die Welt eine aussuchen müssen. Haben wir diese Wahl gemeistert, können wir unseren Helden mit verschiedenen Reglern und Einstellungen genau so gestalten, wie wir es möchten. Vorbei sind die Zeiten der schlanken Elfen: jetzt können wir unsere Liebe zu Dunmerwein und Süßkuchen auch optisch angemessen präsentieren. Dazu können wir uns noch mit diversen Tätowierungen verzieren oder aus einer Reihe von Gesichtsbemalungen wählen. Hartgesottene Khajit tragen auch noch die Überreste der letzten Mahlzeit im Gesicht.

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Das hat Klasse!

Vor dem Start unseres Abenteuers wählen wir aus vier Klassen eine passende aus. Zur Auswahl stehen hier der Templer, der Drachenritter, die Nachtklinge und der Zauberer. Damit legen wir unsere ersten Skill-Linien fest. Der Templer ist ein defensiver Nahkämpfer, der aber auch als reiner Heiler gespielt werden kann oder als Hybride zwischen beidem. Der Drachenritter ist ein offensiver Nahkämpfer, der aber auch als Schlachtmagier fungieren oder mit Schild und Schwert als Tank spielen kann.

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Welche Klasse ihr auch wählt, Rüstungsart und Waffe werden davon nicht beeinflusst.
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Die Nachtklinge ist eine klassische Schurkenklasse und bekämpft Ziele am liebsten aus dem Schatten heraus, während der Zauberer seinem Namen alle Ehre macht und den Zorn der Elemente auf seiner Seite hat. Darüber hinaus ist man völlig frei in seiner Spielweise und an keine besondere Waffe oder Rüstungsklasse gebunden. Waffen, Rüstungen und die NPC-Gilden, denen man sich anschließen kann, gewähren ebenso wie gewählte Rasse eine Reihe von Boni, die man selbst skillen muss und wahlweise Fähigkeiten gewähren oder passiven Nutzen haben.

Viele Fähigkeiten können in verschiedene Richtungen entwickelt werden und der Spieler steht oft vor der Wahl, ob Fähigkeit A nun lieber mehr Schaden machen oder doch Selbstheilung gewähren sollte. Fähigkeit B wiederum könnte später einen kurzzeitigen Buff gewähren oder eine Kontrollfähigkeit werden, mit der man seine Gegner im PvP zur Weißglut bringt. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten ist im Spiel selbst zur Zeit allerdings nicht ersichtlich und so birgt es die Gefahr, sich selbst in eine Sackgasse zu entwickeln und die verteilten Skillpunkte durch den Einsatz von Gold wieder zurücksetzen zu müssen.

Skeptisch, euphorisch, ernüchtert, begeistert - Elder Scrolls Online ist eine emotionale Achterbahn der Extraklasse!Fazit lesen

Derzeit ist es aber mehr als interessant, den verschiedenen Mischungen aus Rasse/Klasse/Rüstung/Waffe beim Wirken zuzuschauen.

"Einst war ich ein Abenteurer wie ihr..."

Hat man sich dann endlich auf Aussehen und Klasse festgelegt, startet man auch schon direkt ins Spiel. Fans der Serie werden sich mit dem minimalistischen Interface und den vertrauten Symbolen für interessante Punkte in der Nähe sofort zurechtfinden, aber auch Neulingen erschließen sich die Funktionen schnell. Sollte man mit dem gebotenen UI allerdings nicht warm werden, bieten sich im offiziellen Forum und auf Seiten von anderen Anbietern bereits eine umfassende Reihe von Modifikationen, mit denen man sich seine Wunschoberfläche bauen kann. Hier wurde im Laufe der Beta bereits mehrfach zurückgerudert, um den Addons wirklich nur optische Anpassungen zu erlauben.

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Das Kampfsystem ist stellenweise fordernd, da kann man auch mal ins Gras beißen.
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Bringt man nun das kurze Tutorial hinter sich, kann man direkt in das Spiel starten. Zwar wird man per Quest von Questhub zu Questhub geführt, die sich eher wie storylastige Versionen der Events von Guild Wars 2 anfühlen, aber die Welt lässt sich auch auf eigene Faust erkunden und die Reihenfolge der Questhubs ist meist dem Spieler überlassen. Zusätzlich warten noch Dungeons, versteckte Truhen und Himmelsscherben, die zusätzliche Fähigkeitspunkte spendieren, darauf, gefunden zu werden. Mutige Abenteurer können sich auch den zahlreichen Bossmonstern stellen, die in der Welt verstreut ihrem Tagesablauf nachgehen und nur darauf warten, herausgefordert zu werden.

Dank dem Kampfsystem, das Ausweichen und Blocken zu wichtigen Elementen gemacht hat, ist der Kampf gegen Monster, deren Level höher ist als der eigene, meist fair und es ist äußerst befriedigend, stärkere Gegner in den Staub zu prügeln. Sammler kommen zusätzlich durch ein umfangreiches Erfolgssystem auf ihre Kosten und werden auf ihrer Suche nach seltenen Büchern und der letzten Quest im Gebiet einige Lebenszeit investieren, um sich irgendwann stolz als Held ihrer Allianz feiern lassen zu können.

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Das Storytelling und Questdesign in ESO ist wahnsinnig gut. Selten haben wir in MMORPGs ähnliches gesehen
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Die Aufgaben selbst schwanken vom obligatorischen "Hole/Bringe/Töte" bis zu komplexen moralischen Entscheidungen, die den Lauf der eigenen Story ändern können oder Szenarien in andere Richtungen lenken. Andere Spieler bekommen von diesen Entscheidungen jedoch nichts mit.

Neue Standards gesetzt?

Viele Spieler zeigten sich von den ersten Spielstunden sehr beeindruckt. Die Sprachausgabe ist erstklassig und mit hochkarätigen Synchronstimmen besetzt, wie der deutschen Stimme von Hugh "Dr.House" Laurie und weiteren bekannten Schauspielern. Der Soundtrack ist äußerst angenehm, nimmt häufiger die Motive aus älteren Soundtracks der Reihe auf und fügt sich in den stimmigen Sound des Spiels nahtlos ein. NPCs reagieren auch recht dynamisch auf den Spieler und sprechen uns im Vorübergehen auf unsere (Un)taten an und kommentieren diese. Auf die Dauer wird das allerdings recht eintönig, da der Wortschatz dahingehend recht überschaubar ist.

The Elder Scrolls Online - Die erste Stunde in der ESO Beta - Ein Kurztrip

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Auch grafisch macht das Spiel einiges her und läuft in den normalen Zonen selbst mit hohen Einstellungen auf Mittelklasse-Rechnern absolut flüssig und selbst bei hektischen Momenten wie den Anker-Events, Gruppenevents in der Welt, konnten wir keine Einbrüche bei der Performance verzeichnen. Die Texturen sind schön aufgelöst und passen gut zum "dreckigen" Look des Spiels.

Leider rendern die Texturen bei Gesprächen mit NPCs erst mit kurzer Verzögerung nach und bei näherem Hinsehen wirken diese doch sehr grob.
Die Welt selbst ist sehr detailverliebt gestaltet: findet häufig Szenen, die zum Schmunzeln anregen oder einsame Abenteurer in der Wildnis, die Hilfe benötigen und durch Schreie auf sich aufmerksam machen. Das erzeugt tatsächlich den Eindruck einer lebendigen Welt, die dynamisch auf den Spieler reagiert und durch sein Zutun verändert wird.

Wir stürzen uns in den Kampf

Der Kampf ist meist das A und O für den Spieler und viele MMORPGs steigen und fallen mit der Umsetzung. Bei ZeniMax ist man den actionlastigen Weg gegangen und lässt den Spieler durch Zielen, Ausweichen und Blocken seine Auseinandersetzungen bestreiten. Dafür stehen uns allerdings nur fünf aktive Fähigkeiten zur gleichen Zeit zur Verfügung, die wir aus unserem umfangreichen Pool selbst zusammenstellen können und einen "Finisher", der sich im Kampf auflädt und verheerenden Schaden oder große Heilung spendiert.

Aus Gründen der Übersicht sollten die Kämpfe aber in der dritten Person gespielt werden, da die Kampfeffekte und Waffen sonst einen Großteil des Bildschirms einnehmen und das Ausweichen von gegnerischen Angriffen damit sehr schwer wird. Das System ist gut umgesetzt und auch unsere Gegner können blocken oder unseren Angriffen ausweichen und Konterangriffe starten. Dadurch wird der Kampf sehr dynamisch; geschickte Krieger können auch weitaus stärkere Monster oder gar Bosse allein zu Fall bringen.

The Elder Scrolls Online - Kargstein im Überblick33 weitere Videos

Wir müssen reden. Über Burgen.

Einer der größten Aufhänger für Elder Scrolls Online war das PvP. Für die epischen Schlachten der drei Fraktionen wurde mit Brian Wheeler ein Urgestein des PvP-Designs engagiert. Wheeler ist verantwortlich für das System in Dark Age of Camelot, das mit seinen drei Fraktionen und den kolossalen Belagerungsschlachten seither von Spielern als Maßstab für tolle PvP-Abende gesehen wird.

Selbst bei den Quests in den normalen Zonen dreht sich viel um den Konflikt der drei Allianzen. Häufig müssen wir marodierende Soldaten zurückschlagen und unschuldige Bauern vor einem grausamen Tod bewahren. Für den andauernden Konflikt wurde mit dem aus Oblivion bekannten Cyrodiil eine Zone geschaffen, die bestückt ist mit Festungen und Außenposten, um die stündlich neu gerungen wird. Nach einer kurzen Einführung in die Belagerungen können sich die Kämpfer direkt in die Nähe der Front teleportieren und dort an den Kämpfen teilnehmen. Die Belagerungswaffen kann man wahlweise für normales Gold oder Allianzpunkte, die man sich im PvP verdient, erstehen und gegen Spieler und feindliche Tore einsetzen.

Die Schlachten selbst sind mit Katapulten, Ballisten und anderen Waffen sehr spektakulär anzusehen, genau wie die Lichteffekte der Zauber und Explosionspfeile. Durch die drei verschiedenen Fraktionen kommt eine gewissen Dynamik auf, bei der Schlachten durch das Auftreten einer dritten Fraktionen eine ungeahnte Wendung nehmen können. Auch sind zeitlich abgesprochene Waffenruhen keine Seltenheit, wenn eine Fraktion zu stark wird. Dieses Meta-Gaming sieht man leider nur sehr selten in AAA-MMORPGs und die Überraschung, wenn sich der Waffenbruder gegen die eigene Front wendet, ist unbezahlbar.

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Und im PVP geht es richtig ab. Taktisch, groß, richtig spaßig!
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Um Levelunterschiede im PvP auszugleichen, werden Spieler mit niedrigem Level hochskaliert, um dort nicht als Kanonenfutter zu enden. Das funktioniert nur bedingt gut, da stärkere Spieler natürlich auch stärkere Skills haben und diese einzusetzen wissen. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass der Autor dieser Zeilen auch schon den Stahl von Klingen der Stufe 10 (Einstiegsvoraussetzung im PvP) gekostet hat und unterlegen war.

Im PvP übermächtig ist derzeit die Funktion, sich durch hinhocken unsichtbar machen zu können. Dadurch können sich selbst größte Verbände feindlichen Blicken entziehen, die gegnerischen Linien infiltrieren und selbst im Kampf selbst ist die Unsichtbarkeit möglich, da ein Baum ausreicht, um die Sichtlinie zu unterbrechen. Obwohl diese Taktik für Hinterhalte wertvoll ist, macht sie doch Späher und Aufklärung quasi unmöglich und ZeniMax sollte hier noch einmal nachbessern.

Wo wir schon beim Nachbessern sind: Die Performance im PvP bricht teilweise ohne ersichtlichen Grund ein (vielleicht eine Armee im Stealth?) und gelegentlich wird man auf seinen Desktop geworfen. In den Foren beklagen sich die Spieler über endlose Ladebildschirme nach Cyrodiil, die nur durch eine Neuanmeldung und erneute Warteschlange gelöst werden können. Der Kampf der Spieler gegeneinander ist zu vielen Teilen auch nur ein großer Mob, der auf einen anderen trifft und durch die kurzen Lebensbalken dauern manche Kämpfe nur einige Sekunden. Das trübt den positiven Gesamteindruck des PvP und sollte möglichst zeitnah behoben werden.