Schon verrückt: Da verkauft sich das Rollenspiel-Meisterwerk "The Elder Scrolls IV: Oblivion" weltweit hunderttausendfach. Doch alles, was Entwickler Bethesda nachschiebt, sind ein paar Mini-Erweiterungen und ein vereinzeltes Addon. Das just veröffentlichte "Shivering Isles" ist laut Aussagen der Macher nämlich das erste und zugleich letzte vollwertige Expansion Pack zum Fantasy-Kracher. Die im Februar erschienene, enttäuschende Plugin-Sammlung "Knights of the Nine" klammern wir bewusst aus.

Immerhin: Mit "Shivering Isles" verabschieden sich die Jungs mit einem Paukenschlag von der RPG-Front. Zumindest bis "Fallout 3" endlich erscheint…

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Spiele beweisen immer wieder aufs Neue, dass auch Götter schlagkräftige Unterstützung für die Lösung weltlicher Probleme brauchen. Im Falle von "Shivering Isles" bittet euch Sheogorath, seines Zeichens Gott des Wahnsinns, um Hilfe. Sein kleines, aber feines Reich wird bedroht vom Gott der Ordnung, Jyggalag. Dem passt das dort vorherrschende Chaos verständlicherweise gar nicht in den Kram, was ihn alle paar Jahrtausende dazu veranlasst, alles in Schutt und Asche zu legen. Bisher konnte Sheogorath die Zerstörung noch nie aufhalten und musste in mühevoller Kleinarbeit alles immer wieder neu errichten.

The Elder Scrolls IV: Shivering Isles - Programmierter Wahnsinn: Das Addon setzt Oblivion würdevoll fort!

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Schreckliches Geheimnis aufgedeckt: Fiese Drogenpilze machen die Bevölkerung Tamriels verrückt!
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Das weckt Erinnerungen an die Bemühungen Sisyphos', einen Stein den Berg hinauf zu rollen, um am Ende trotzdem fortwährend zu scheitern. Doch wie schon das Lieblingslied unseres Chefredakteurs treffend anmerkt, hat alles ein Ende, nur die Wurst hat zwei! Dafür zuständig seid ihr. In den gut zehn Spielstunden müsst ihr dem wahnsinnigen Allvater unter die Arme greifen und die anrollende Zerstörungswelle aufhalten.

Auf zu neuen Ufern!

"Shivering Isles" hat mit der Story, den Landschaften und den Aufgaben des Hauptprogramms ungefähr so viel zu tun, wie Paris Hilton mit gutem Geschmack: nichts! Der Titel dreht sich zu 100% um die etwas holprig übersetzten "Zitternden Inseln". Die teilen sich auf in die zwei Bezirke "Mania" und "Dementia" und erreichen knapp ein Viertel der Landmasse des Hauptkontinents. Größe ist (zumindest bei Computerspielen) glücklicherweise nicht alles. Denn wo "Oblivion" stark auf traditionelle Fantasy-Umgebungen setzte und trotz riesiger Ausmaße landschaftlich kaum überraschte, schöpft "Shivering Isles" kreativ aus den Vollen.

The Elder Scrolls IV: Shivering Isles - Programmierter Wahnsinn: Das Addon setzt Oblivion würdevoll fort!

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Einladend und voll bunter Farben - Mania ist traumhaft schön, im wahrsten Sinne des Wortes…
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Während "Mania" mit seinen idyllischen Wiesen, gigantischen Pilzen und leuchtenden Farben an das Schlaraffenland erinnert, wirkt "Dementia" wie ein Fantasy-Nachbau der ehemaligen DDR: Verregnete und karge Landschaften, ausgedörrte Pflanzen sowie bedrückende Nebelschwaden sind hier an der Tagesordnung. So symbolisiert der Titel die beiden Seiten des überall vorherrschenden Wahnsinns - die kreative und die depressive. Das schlägt sich auch auf "Neu Sheoht", die Hauptstadt der Inseln nieder, die ebenso aus einem dunklen und einem strahlenden Teil besteht und von zwei Herrschern regiert wird.

1001 Möglichkeiten
"Mania" und "Dementia" sind nicht bloß unterschiedliche Landschaften mit partiell anderen Bewohnern und Monstern, sondern zwei eigene Stilrichtungen ähnlich der Fraktionen aus "Oblivion". Zwar müsst ihr euch immer mal wieder für eine von beiden entscheiden, ihr könnt aber ebenso schnell die Seite wechseln. Die Queststrukturen unterscheiden "Mania" und "Dementia" am deutlichsten. Ersteres verlangt euch oft lautloses Vorgehen ab, etwa NPCs zu bestehlen, sie zu vergiften oder gegeneinander auszuspielen. Letzteres fokussiert sich hingegen eher auf die Quintessenz der allermeisten Rollenspiele - kämpfen, schlachten und morden!

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Frankenstein ist nichts dagegen - der Torwächter ist Furcht einflößender als Inge Meysel.
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Die vielfältigen Aufgaben sind der große Pluspunkt von "Shivering Isles". Oft könnt ihr Quests auf mindestens zwei Arten lösen. Um nicht zu viel zu verraten, beschreiben wir an dieser Stelle nur mögliche unterschiedliche Herangehensweisen der allerersten Mission, die stellvertretend für zahlreiche Aufgaben ist. Um überhaupt auf die "Zitternden Inseln" zu gelangen, müsst ihr einen mächtigen Torhüter besiegen, der den Zugang mit seinem Leben bewacht. Traditionalisten packen das Schwert aus, sterben sehr wahrscheinlich tausend Tode und knüppeln ihn mit viel Mühe und Not doch nieder.

Clevere Abenteurer befragen erst die Bevölkerung und schnappen wertvolle Tipps auf. So erfahren sie, dass Knochenpfeile aus der Substanz eines längst gestorbenen Vorgängermodells dem Burschen ordentlich zusetzen. Langfinger schleichen sich stattdessen in das Haus der Erschafferin des Wesens, werfen einen Blick in einen offen herum liegenden Brief und schnappen so auf, dass die Tränen der Frau dem Monster schwer zu schaffen machen. Im Optimalfall noch mit den besagten Knochenpfeilen gerüstet, verfolgen sie die Gute bei ihrem täglichen Besuch der Kreatur und greifen an, sobald die Tränendrüse respektive der Schwächungsphase aktiviert wurde. Jetzt ist der Torwächter leichtes Spiel, einer intelligenten Vorbereitung sei Dank!

Die Entwickler haben die Aufgabe meisterlich gelöst, "Shivering Isles" sprüht nur so vor kreativer Energie und Spielspaß.Fazit lesen

Übrigens passt "Shivering Isles" wie schon "Oblivion" den Schwierigkeitsgrad automatisch an die Heldenstufe an. Selbst Level-1-Charaktere können sich also auf die zitternden Inseln wagen. Überzeugt hat uns dieses merkwürdige System allerdings nach wie vor nicht. Die Motivation immer mächtiger zu werden, stellt sich schlicht nicht ein, da die Monster in gleichem Maße mitleveln. Der Drang, weiter zu kommen, entwickelt sich deshalb primär aus der mitreißenden Story und dem fesselnden Questdesign.

Das gefährliche Dutzend

Apropos Monster: Derer zwölf hat Bethesda neu implementiert, von hölzernen "Mini-Ents" über gehäutete (!) Hunde bis hin zu Klapperscheuchen, die explodieren, sobald ihr sie besiegt. Zusammen mit zahlreichen neuen Rüstungen und Waffen, teils magisch verstärkter Natur, gibt es für alte "Oblivion"-Anhänger über die ca. zehnstündige Spieldauer mehr als genug zu entdecken. Technisch stagniert "Shivering Isles" auf dem gewohnt hohen Niveau.

The Elder Scrolls IV: Shivering Isles - Programmierter Wahnsinn: Das Addon setzt Oblivion würdevoll fort!

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Das schöne Schwert: fast zu schade, um damit die ekligen Schleimlinge aufzuspießen. Aber nur fast!
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Die laut den Entwicklern minimal aufgehübschten Effekte fallen so gut wie nicht auf. Doch auch so ist und bleibt das "Elder Scrolls IV"-Universum eines der hübschesten im kompletten Rollenspiel-Bereich. Im direkten Vergleich mit dem Hauptprogramm wirkt es durch die erheblich kreativere Landschaftsgestaltung sogar noch lebendiger und einen Deut atmosphärischer. In die "Zitternden Inseln" taucht man gerne ab und kaum mehr auf, bevor die Zerstörung der Welt nicht endgültig verhindert ist.