Multiplattformtitel haben es schwer. Oftmals schon seit Jahren bekannt, kommt ihnen die undankbare Aufgabe zu, gegen ihre bereits erschienenen Kollegen antreten zu müssen, wobei sie oftmals nichts Neues zu bieten haben.

Ähnliches lässt sich auch für »The Elder Scrolls IV: Oblivion« mutmaßen, denn die kürzlich veröffentlichte Version für die PS3 gleicht ihren Kollegen wie ein Ei dem anderen. Bleibt eigentlich nur die Frage, ob das Spiel auf Sonys Flaggschiff für genauso viel Begeisterung sorgen kann wie auf der Xbox 360.

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Willkommen in Cyrodiil
Wer »Oblivion« bereits gespielt hat, kann die folgenden Absätze getrost überspringen, denn die Hintergrundgeschichte dürfte bei den meisten Zockern bestens bekannt sein. Für diejenigen, die sich zum ersten Mal in die Welt von Cyrodiil begeben wollen, seien hier ein paar Worte zur Story spendiert.

The Elder Scrolls IV: Oblivion - Das Mega-Rollenspiel erobert die PS3: Können PC und Xbox 360 einpacken?

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Da hat wohl einer etwas zu viel Gold gefarmt...
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Alles beginnt in den Verliesen der Kaiserlichen Hauptstadt von Cyrodiil, wo wir uns in einem finsteren Loch wiederfinden. Warum wir dort vor uns hin modern, bleibt unklar. Doch anstatt mit dem Schicksal zu hadern, werden wir schon nach kurzer Zeit durch hohen Besuch überrascht. Kaiser Uriel Septim betritt auf der Flucht vor gedungenen Mördern zusammen mit seinen Leibwachen die versiffte Zelle, um durch einen hier beginnenden unterirdischen Geheimgang die Stadt zu verlassen. Seltsamerweise scheint der Herrscher uns nicht nur zu kennen, sondern er vertraut uns auch sein Herrscheramulett an, damit wir es in Sicherheit bringen. Im Laufe der folgenden Flucht durch finstere Gänge und die halbverfallene Kanalisation kommt es immer wieder zu Überfällen sinistrer Gesellen, denen Uriel Septim schließlich zum Opfer fällt.

Damit obliegt es uns, den letzten Wunsch des Kaisers zu erfüllen: seinen einzigen Sohn zu finden, der den Mördern noch nicht zum Opfer gefallen ist und der als legitimer Nachfolger die Macht übernehmen und das Kaiserreich vor Finsternis und Bedrohung retten kann. Um dieses Ziel zu erreichen, machen wir uns auf in die weitläufige Welt von Cyrodiil, wobei wir zahlreiche Aufgaben zu bewältigen und Gefahren zu überstehen haben.

Packshot zu The Elder Scrolls IV: OblivionThe Elder Scrolls IV: OblivionErschienen für PC, Xbox 360 und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Eine Frage des Charakters

Soviel zur Hauptstory, für deren Absolvieren allein bereits etwa 50 Stunden Spielzeit anfallen. Addiert man die zahlreichen Nebenquests hinzu, die nicht für die eigentliche Handlung wichtig sind, kommen auch auf der PS3 mehrere hundert Stunden zusammen. Bevor man sich jedoch in die Erkundung der Welt von »Oblivion« stürzt, stellt man vor Beginn des eigentlichen Spiels seinen Charakter zusammen.

Insgesamt zehn verschiedene Rassen mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten stehen zur Verfügung, dazu gesellen sich 21 Charakterklassen. Das Aussehen der eigenen Figur - männlich oder weiblich ist dabei einerlei - kann sehr individuell angepasst werden. Auch dies ist natürlich hinlänglich von den Vorgängerversionen bekannt, denn neue Völker, Klassen oder Spezialisierungen sind nicht dazugekommen.

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Neue Mode: Regenschirme für Rittersleute.
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Je nachdem, wie man sich im Verlauf der Handlung verhält, kann man sich einer oder mehrerer Gilden anschließen. Das empfiehlt sich im Besonderen dann, wenn man seine Figur auf Spezialfähigkeiten hin trainiert. Meister des Schleichens und Schlösserknackens werden sicherlich eher in der Diebesgilde glücklich als bei den Muskelprotzen der Schwarzenegger-Fans von der Kriegergilde. Und wer sich besonders gut auf den lautlosen Umgang mit Dolchen, Giften und Fernwaffen versteht, sollte sich nach Jobs bei der Assassinengilde umschauen, anstatt bei den Magiern anzuklopfen.

Je nachdem, für welchen Weg man sich entscheidet, stehen einige Quests nur bestimmten Klassen zur Verfügung. Und das macht ohne Zweifel einen großen Reiz des Spiels aus, denn wer »Oblivion« bereits in einer der Vorgängerversionen gezockt hat, wird auf der PS3 genug andere Abenteuer erleben können. Sofern man sich einen neuen Charakter bastelt, lohnt sich ein erneutes Durchspielen, auch wenn die Hauptmissionen gleich bleiben. Und da man sich in diesem Fall mit dem - auch hier unnötig komplex geratenen - Interface schon auskennt, dürfte sich die Einarbeitungsphase auf ein Minimum reduzieren.

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Nur noch ein Schatten seiner selbst: Ritter Sport…
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Unverständlich hingegen ist die Tatsache, dass auch in der aktuellen PS3-Version des Spiels die Erweiterung »Shivering Isles« nicht integriert wurde. Das ist doppelt ärgerlich, denn angesichts des stolzen Preises von etwa 55 Euro für das Hauptprogramm wäre es sicherlich nicht zuviel verlangt gewesen, das Addon zu integrieren. Außerdem hätte es einen echten Mehrwert gegenüber den Vorgängerversionen bedeutet. Ob die »Zitternden Inseln« wenigstens später über Sonys Onlinemarktplatz heruntergeladen werden können, steht nach Angaben von Ubisoft zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen.

Gut, dass wir verglichen haben…

Auch in technischer Hinsicht hat sich bei der PS3-Ausgabe im Vergleich zur Xbox-Version wenig getan. Zwar wurde die Grafik leicht verbessert, die jetzt mit satteren Farben daher kommt, doch hat sich leider auch ein Nachteil ergeben. Weiter entfernte Objekte ploppen unvermittelt auf, was sich besonders beim Reiten durch die üppigen Außenareale zeigt. Das Aufploppen dürfte wohl kaum ein Zeichen für die Grenze der Leistungsfähigkeit der brandneuen PS3 sein, sondern vielmehr Folge eines Programmfehlers. Immerhin mussten für Sonys schwarzen Kraftprotz eine Menge Codezeilen neu geschrieben werden, da die Architektur der Konsole anders aufgebaut ist als jene der PC-ähnlichen Xbox 360. Und dabei kann sich natürlich das eine oder andere Fehlerchen einschleichen.

Akustisch gibt's auch auf der PS3 kräftig auf die Ohren. Der Sound kommt ebenso satt und stimmungsvoll aus den Lautsprechern wie bei Microsofts Toaster. Die deutsche Sprachausgabe ist professionell, doch leider sprechen auch hier fast alle Charaktere mit der gleichen - allerdings guten - Stimme. Leider wurde ein weiteres Ärgernis der Vorgänger übernommen: Es wimmelt nur so von Übersetzungsfehlern oder falschen Angaben. So kann es passieren, dass man im gesprochenen Text eine Wegbeschreibung erhält, die nach Osten weist, während man in der Untertitelung etwas von Westen liest. Und ein Einhandschwert, das im Englischen auf die Bezeichnung »Debaser« hört, schlicht mit »Erniedriger« zu übersetzen, hat schon ergreifende Momente stiller Komik. Eine solche Bezeichnung mag auf unseren Chefredakteur zutreffen, doch bei einer Klinge weckt sie merkwürdige Assoziationen. Auch wenn die wörtliche Übersetzung zutrifft, hätte man sich für die deutsche Bezeichnung mehr Kreativität gewünscht.

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Atomkraftwerke werden auch immer romantischer.
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Von derartigen kleinlichen Nörgeleien einmal abgesehen, gibt es an der Umsetzung nichts weiter zu kritisieren. Auch die Steuerung wurde in bewährter Manier von der Xbox übernommen. Dabei zeigt sich allerdings, dass zumindest bei der Standardbelegung Microsofts Controller leicht die Nase vorn hat, denn infolge der kompakteren Bausweise von Sony Steuerbanane sind im besonderen die Belegungen für die Schultertasten etwas fitzelig geraten. Abhilfe schafft eine Umbelegung der Tasten nach eigenem Gusto.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass »Oblivion« auch auf der PS3 eine mehr als gute Figur macht und mit einer stimmigen Umsetzung überzeugen kann. Wer allerdings gehofft hatte, dass mit Erscheinen der überarbeiteten Fassung auch neue Inhalte oder Fehlerbeseitigungen das an sich schon sehr gute Spiel zu einem perfekten machen würden, sieht sich getäuscht. Wer sich daran nicht stört und auf der Suche nach gutem Abenteuerfutter für seine PS3 ist, kann unbedenklich zugreifen.