Ich hatte mich von den sogenannten Loot-Shootern - ein Begriff, den ich aufgrund der mitschwingenden Andeutung von stupidem Geballer, nicht gerade mag - eigentlich schon losgesagt. Mit der Destiny-Reihe und auch dem ersten The Division hatte ich meinen Spaß. Doch Anthem hat mir die dunkle Seite gezeigt. Den Grind, den solche Spiele mit sich bringen und der umso schlimmer wird, je weniger spielerisch spaßige Masse im Hintergrund steckt. Ein solch großer Schatten, sodass ich auch Angst um The Division 2 hatte.

Wir befreien die Martin-Luther-King-Bibliothek von Hyenas:

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Auf The Division 2 habe ich mich seit dem ersten Trailer gefreut und gehofft, dass es meine Erwartungen, die ich bereits an den ersten Teil hatte, erfüllen würde. Und was soll ich sagen: The Division 2 hat mich auf ganzer Linie überzeugt. Es ist genau das geworden, was ich mir von einem „Loot-Shooter“ eben wünsche. Genau das, was mich in den kommenden Wochen und Monaten noch am Ball halten wird. Warum das der Fall ist, kläre ich zusammen mit euch im großen Test zu The Division 2.

Willkommen in Washington, Agent.

Oh, wie schön ist Washington

The Division 2 setzt einige Zeit nach den Ereignissen in Manhattan an, die den ersten Teil dominiert haben. Der sogenannte „Dollar-Virus“, der im Rahmen des Black Friday in den USA freigelassen wurde, hat sich unaufhaltsam verteilt und viele Großstädte ins Chaos gestürzt. Nun hat es unseren Division-Agenten aber durch einen Ausfall des Kommunikationsnetzwerkes nach Washington D.C. verschlagen. Nach dem Charaktereditor, der überraschend umfangreich ausfällt, finden wir uns schon zu den Füßen des Weißen Hauses wieder und kämpfen uns gegen eine Belagerungsarmee in das Hauptquartier zurück.

Von hier aus werden dann die ersten Schritte geplant, Kontakte zu Siedlungen im Inneren von Washington etabliert und die Story vorangetrieben. Diese schickt euch gegen insgesamt drei Fraktionen, die Teile der Stadt erobert haben. Die Geschichte ist zwar nicht viel mehr, als eine Notiz auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel, hält die Motivation aber durch zahlreiche Upgrades und Freischaltungen im HQ und den Siedlungen hoch. Denn so erlebt ihr quasi mit, wie es den Menschen durch eure Aktionen besser geht und wieder etwas Normalität in den sicheren Häfen von Washington einkehrt.

Was The Division 2 vom Vorgänger gewaltig abhebt, ist der Schauplatz selbst. So grafisch beeindruckend das verschneite Manhattan aus dem Erstling auch war, so schnell wurde es aber auch eintönig. Ein Straßenzug glich in The Division dem anderen. Wiedererkennungswerte gab es kaum. Das ist in The Division 2 nicht mehr der Fall. Washington hat enorm viele Sehenswürdigkeiten parat und glänzt mit einer Mischung aus den zerstörten Bauten der einstigen Zivilisation und der Natur, die sich ihren Raum zurückerobert. Durchstreift man die Straßen, hat man direkt das Gefühl, im Film „I am Legend“ gelandet zu sein.

Die Natur hat sich Washington D.C. zurückerobert.

Optische Abwechslung gibt es nun auch zuhauf in den Neben- und Hauptmissionen. Wir kämpfen in Bibliotheken, Untergrundtunneln, im Space Center, im Kapitol und vielen weiteren Schauplätzen, die selbst Nicht-Amerikaner aus Filmen und dem allgemeinen Stadtbild Amerikas kennen. Innerhalb der einzelnen Aufträge kommt es nun auch häufiger dazu, dass sich Levelobjekte bewegen, explodieren und ein bisschen Überraschungen mit sich bringen. Das war in The Division erst in den späteren DLCs der Fall. Mit The Division 2 haben sich die Entwickler nun richtig ausleben können.

Ein Division-Agent schläft nie

Apropos Ausleben: Gleichermaßen ausgelebt hat sich das Team von Ubisoft bei den Inhalten von The Division 2. Hier wird euch garantiert nicht so schnell langweilig. Bis ihr das Level-Cap mit Stufe 30 erreicht, müsst ihr Hauptmissionen, einen ganzen Sack voll Nebenmissionen und zahlreiche Aktivitäten absolvieren. Dazu zählen Geiselnahmen, Territoriumskämpfe, einnehmbare Feindlager, öffentliche Hinrichtungen, die es zu vereiteln gilt und noch viel mehr. Dazu gesellen sich dann noch Sammelobjekte wie ECHOs, Handy-Übertragungen oder SHD-Tec, die euch zusätzliche Punkte Fertigkeiten oder andere Vorteile verleihen.

The Division 2 macht alles besser als sein Vorgänger und stellt die Konkurrenz in den Schatten. Die nächsten Monate und Jahre des Shooters werden grandios.Fazit lesen

In den Siedlungen könnt ihr Projekte angehen, die euch neue Waffen und Mods freischalten oder Annehmlichkeiten für die Bewohner ausbauen. Ihr seht schon: Das ist allein im Solo- und Koopbereich von The Division 2 eine Menge, die es zu absolvieren gilt. Wie ihr es angeht, überlässt euch das Spiel dabei selbst. Wollt ihr powerleveln, erledigt ihr die Hauptmissionen. Wollt ihr mehr über die Spielwelt und einige spannende Geschehnisse vom Untergang von Washington D.C. und der zerfallenden Regierung der USA erfahren, erkundet ihr die Spielwelt.

Immerhin bringt euch die Story an viele spannende Einsatzorte.

Viele neue Tricks in Petto

Ihr habt vielleicht schon mitbekommen, dass sich ein Trend durch diesen Test und The Division 2 zieht. Denn auch in Sachen Gameplay wurde ordentlich nachgelegt. Was die Division-Agenten vom Otto-Normal-Soldaten abhebt, ist der Zugriff auf allerlei technische Spielereien. Im Vorgänger waren das vor allem der Scanner, eine Annäherungsmine sowie Geschütz und Schild. Diese sind auch in The Division 2 wieder an Bord, haben aber dank Mods einige Tricks mehr auf Lager. So gibt es beispielsweise drei verschiedene Schildarten, die euch allesamt unterschiedlich aggressiv und defensiv agieren lassen.

Das Geschütz ballert euch den Weg frei, schießt mit einer Flammenwerfer um sich oder nutzt ein Scharfschützengewehr aus großer Entfernung. Zu den Skills kommen nun auch noch ein Drohnenstock, der heilen, Schaden austeilen oder Gegner ablenken kann hinzu. Eine eigenständige Drohne, die ebenfalls offensive und defensive Funktionen bietet sowie Chem-Werfer und das Glühwürmchen ergänzen das Arsenal sinnvoll und erlauben nun auch deutlich mehr Spielstile.

Jeder Skill macht Spaß und liefert neue Möglichkeiten.

Ihr müsst euch schließlich auch anpassen, um gegen die unterschiedlichen Feindarten zu bestehen. Gerade auf den höheren Leveln und im Endgame gibt es Gegner, die sich nicht einfach durch hirnloses Geballer in die Knie zwingen lassen. The Division 2 bietet eine wahre Vielfalt an Gegnertypen, wenn man das Setting in Betracht zieht. Während die Hyenas sich gern mit Drogen pushen, bevor sie euch angreifen, schnappen sich schwergepanzerte Outcasts hin und wieder eine Kettensäge und jagen euch damit durch die Stadt. Die True Sons sind da schon eher paramilitärisch ausgebildet und fallen euch mit schweren Geschützen in die Flanke, wenn ihr nicht aufpasst. Anthem hat sich hier trotz des SciFi-Settings im Vergleich deutlich weniger einfallen lassen.

Zudem könnt ihr sinnvolle Schwachpunkte nutzen, um die Feinde in die Knie zu zwingen. Diese wurden ebenfalls ausgebaut, sodass es jetzt beispielsweise möglich ist, Gegner zum Nachladen oder Wechseln der Waffe zu zwingen. Trefft ihr einen Patronengurt eines LMG-Schützen, hat dieser nur noch wenige Kugeln und muss dann eine Feuerpause einlegen, in der ihr zurückschlagen müsst. Das liefert mehr Tiefgang und sorgt in Kombination mit der abwechslungsreichen Levelarchitektur für spannende Feuergefechte.

Willkommen im Endgame, hier ein neues Spielzeug

Für ein Spiel wie The Division 2 ist das Endgame, im Grunde alles, was nach dem Erreichen des Level-Caps kommt, enorm wichtig. Denn die Spieler erreichen das Maximallevel schneller als gedacht und stehen dann vor den Fragen: Sollte ich überhaupt noch weiterspielen? Gibt es noch genug zu entdecken? Die Antwort lautet hier ganz klar: Ja! Denn nach dem „Ende“ der Kampagne geht es einfach direkt weiter. Zur Belohnung erhaltet ihr eine zusätzliche Waffe anhand von einer von drei Spezialisierungen, die ihr wählen dürft.

Aktuell ist das Kapitol die letzte Festung des Spiels. Doch das wird sich bald ändern.

Diese bringen eben nicht nur einen Granatwerfer, eine Armbrust mit Explosivpfeilen oder ein großkalibriges Scharfschützengewehr, sondern auch neue Skill-Bäume, die damit einhergehen. Da ihr auch noch frei zwischen den Spezialisierungen wechseln dürft, könnt ihr euch hier richtig austoben. Damit die Abwechslung weitergeht, fällt eine vierte Fraktion, die Black Tusk, über Washington her und übernimmt quasi alle schon geschafften Hauptmissionen und Festungen der Spielwelt. Die Gegner haben neue Tricks drauf und locken mit prächtigem Loot, der nun anhand eines Gear-Scores eingeteilt wird. Dieser erlaubt euch dann auch Zugriff auf neue Herausforderungen.

So teilt sich das Endgame in World-Tier-Klassen auf. Um von einer Stufe auf die nächste zu kommen, müsst ihr bestimmte Level nochmal mit den neuen Gegnern und Schwierigkeitsgraden absolvieren. Bis zu Tier 4 vergehen da unter Garantie zahlreiche Stunden, in denen ihr neues Equipment farmt und euch die Zähne an den Missionen ausbeißt. In Tier 4 ist vorerst Schluss. Doch Ubisoft hat bereits eine vierte Festung als Abschluss dieser Launch-Phase angekündigt, in der ihr es den Black Tusks so richtig zeigen könnt. Danach geht es noch mit Tier 5, insgesamt drei weiteren DLCs samt neuen Missionen, Spezialisierungen und Gegnern in diesem Jahr weiter. Eine Menge Inhalte, auf die sich Spieler schon jetzt freuen dürfen.

Die Dark Zone und ihre dunkle Anziehungskraft

Abseits des PvE-Getümmels wartet selbstverständlich noch die Dark Zone, die schon in The Division 1 für viele Agenten die meiste Spielzeit ausgemacht hat. Wie eh und je gehen die Agents in die dunkle Zone, abseits des Division-Netzwerks, um an besonders mächtige Gegenstände zu gelangen. Der Reiz besteht darin, anderen Agents zu begegnen und keine Ahnung zu haben, ob diese euch gleich über den Tisch ziehen und den Loot vor der Nase wegschnappen. Wenn man selbst zum Abtrünnigen wird, schießt das Adrenalin durch die Blutbahn und der Herzschlag steigert sich exponentiell.

Die Dark Zone ist eine ganz eigene Welt.

Auch in The Division 2 ist das wieder der Fall, doch wurde das System noch weiter verfeinert. Nicht jeder Gegenstand muss per Exfiltration aus der Zone herausgeflogen werden, was den Frustfaktor vor allem für neue Spieler reduziert. Stattdessen werden wir im Laufe der Story sogar an die PvP-Zone (von der es sogar drei Stück gibt) herangeführt, bekommen erste Items und wichtige Funktionen erklärt und dürfen uns dann frei austoben. Ob ihr dann zum Abtrünnigen und somit zum Freiwild für alle ehrlichen Agents werdet, obliegt dann allein euch.

Wer nach den Regeln spielt, braucht länger, um an die besten Items zu kommen, ist aber auch auf der deutlich sichereren Seite. Die Dark Zone ist der Risk-Reward-Faktor von The Division 2. Wer sich hier viel als Abtrünniger traut und quasi die gesamte Server-Spielerschaft gegen sich hat, bekommt die Chance, in kürzester Zeit zum Schrecken der Division zu werden. Der Nervenkitzel wird auch wenn das Endgame vorerst am Ende angelangt ist, für viele spannende Momente sorgen, wenn ihr euch denn traut.