Die Fratze grinst mich an. Schaut herab von einem großen Werbeplakat, vom Wetter gezeichnet, von Lampen beleuchtet. Ein bemaltes Gesicht, mit Schminke, weiß, rot, schwarz; ein Clown. Der Weg zu einem Rummelplatz, eine Collage aus Hell und Dunkel in der Nacht. Dort wagt sich Jackie Estacado hinein, jagt seinen Attentätern und seiner verlorenen Liebe hinterher.

„Jackie!“, lockt mich Jennys Stimme aus der Ferne. Dann macht sie auf dem Absatz kehrt, ihre Haare schwingen herum und sie rennt davon. Ich rufe ihren Namen, haste um die Ecke des Zauns - und sehe nur einen Strandabschnitt, ein paar Büsche, aber keine Menschenseele. Habe ich denn noch eine Seele? Bin ich überhaupt ein Mensch, verbündet mit der Dunkelheit, nicht im Geiste, aber mein Körper wiederbelebt und besessen?

Links und rechts räkeln sich Schlangenarme, wie eine Hydra mit zwei Köpfen. Zähne gefletscht, Geifer tropfend, die Augen feurig-wild. Meine Hoffnung ist nicht zu Ende, ich laufe dorthin, wo ich glaube, Jenny gesehen zu haben. Wellblech an drei Seiten, oben eine Lampe. Ein Ton. Ein heller, penetranter, durchdringender Ton, der mir vor dem Bildschirm durch Mark und Bein fährt. Es tut weh, Jackie. Das Licht tut weh.

The Darkness 2 - Es tut weh, Jackie

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Es ist dunkel und gefährlich, aber Jackie, er ist bewaffnet. Mit Pistolen und geifernden Tentakeln.
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Ich zweifle. Kann ich die Dunkelheit nutzen, meine kriminelle Vergangenheit hinter mir lassen? Sie macht mich mächtiger, ja. Sie hilft mir bei der Jagd nach denen, die mich attackiert haben, mir auch mein zweites Leben nehmen wollen. Aber ich streite. Ich fluche. Oh, Jackie, höhnt die düstere Stimme mit gespieltem Mitgefühl, nachdem sich Jenny wie in Luft aufgelöst hat. Die Jenny, deren Tod ich mit angesehen habe. Die nicht mehr da ist. Die Dunkelheit war dabei. Es brodelt in mir. „Fick dich selbst.“

Ich kontrolliere die dämonischen Auswüchse meiner Schultern wie die Schusswaffen in meinen Händen, manchmal zwei zugleich, und auch magische Fähigkeiten kann ich nutzen. Doch sie sind nicht willig. Die Köpfe schnappen nach mir und meinen Händen, wenn ich untätig bin. Ungeduldig, getrieben, instinkthaft. „Die Bruderschaft“ drängt sich in mein Leben im Zwielicht. Eine Geheimorganisation, deren Kopf die Kontrolle über meine dunkle Macht erlangen will. Und das mit weltlicher Waffengewalt.

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Ich verfolge die Spur meiner Attentäter, doch ein Tor versperrt mir den Weg in das Herz des Rummels, wo Buden stehen, Lampions hängen und das meine Fähigkeiten herausfordern wird. Auch im Kontrollraum kann ich das Hindernis nicht öffnen, nur sehen. Ich habe meinen kleinen Darkling, ein Helferlein mit Dämonenfratze, der in einen Tanklaster steigt und einfach die beiden Torflügel aus seinen Angeln rammt. Eine Gestalt taucht am Rande des aufgewirbelten Drecks auf und schaut dem motorisierten Rammbock hinterher.

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In der Dunkelheit geht es ihm gut. Das Licht dagegen, es schmerzt.
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Sein Gesicht zermatscht an der Scheibe. Langsam rutscht der deformierte Körper aus meinem Blick. Die Explosion hat ihn mit Wucht gegen das Kontrollhaus geschleudert. Der Weg ist frei. Der Darkling leistet immer wieder Vorarbeit für mich. Lenkt Gegner ab. Zerstört Lichtquellen, die mich blenden, mir zwei meiner Waffen rauben, weil sie die dämonischen Arme zum zeitweisen Rückzug zwingen. Die Bruderschaft weiß um meine Schwäche. Sie will sie nutzen.

Dann spritzt das Blut erneut. Ich schmeiße Bilderrahmen, rechteckige Gegenstände, trenne Rümpfe von Hüften und Beinen, werfe Rohre oder Stangen als Speere, jage schnöde Kugeln in geschorene Köpfe. Mit Autos fahren die Gegner heran, richten die Scheinwerfer auf mich, attackieren mit Lichtwaffen und Blei. Der Bildschirm wird für Sekunden weiß. Ich laufe an die Gestalten heran, lasse die dämonischen Köpfe zubeißen, reiße die Feinde in der Luft auseinander, benutze ihre entblößte Wirbelsäule als Waffe gegen die Kompagnons - und bekomme dafür sogar Boni in Währung von Fähigkeitenpunkten.

The Darkness 2 ist blutig, brutal und dunkel. Bereits jetzt fühle ich mich mit Jackie verbunden. Ich habe Angst.Ausblick lesen

Leblos am Boden liegen die Körper, und die Höllenbrut verspeist die Herzen der Getöteten. Sie streitet sich gar darum. Futterneid um das Ergebnis einer Schändung. Dem Darkling reicht dies nicht. Ich bin regelrecht geschockt, als ich im Augenwinkel erspähe, wie mein Helfer sich auf den Leichenhaufen erleichtert. Grünes Urin.

Doch dann konzentriere ich mich auf den Fähigkeitenbaum, auf dem die verdienten Punkte in mehrere Richtungen verteilt werden, wie etwa offensive Kampfsprüche. In der Folge kombiniere ich meine Projektile mit einem Tunnel aus dunkler Energie oder überrasche Gegner mit Schüssen durch Hauswände. Mauern sind für das Dunkel kein Hindernis. Wie stark und schwach zugleich das Licht doch ist.

The Darkness 2 - Es tut weh, Jackie

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Und noch etwas tut so richtig weh: zwei Tentakel, sie ihre Zähne in menschlichem Fleisch versenken.
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Die Dunkelheit spricht zu mir als Mike Patton, der seinen Fähigkeiten als Ausnahmesänger schon im ersten Teil eine weitere Facette hinzugefügt hat. Die der hörbaren Macht, die Jackie in Besitz genommen hat. Oder es zumindest versucht, denn ich kämpfe dagegen an, ein Anachronismus des Lebens gegen den Tod.

Dieser Zwiespalt ist auch in der Comicvorlage gegenwärtig, und die Entwickler stellen ihn auch grafisch heraus, haben die Umgebung im Sinne der Vorlage umgesetzt. Nicht so überzeichnet wie etwa in Borderlands 2, nicht mit dem dicken Pinsel die Ränder nachgezogen, sondern dezent mit dem Bleistift. In dieser Welt hat der Darkling sichtlich Spaß an seiner Aufgabe, seinem Dienst, den er leistet.

Wenn ihm Zeit dafür bleibt, setzt er sich hinter das Steuer eines abgeschalteten Auto-Scooters und amüsiert sich offenbar über das drehbare Lenkrad. Ansonsten pinkelt er lieber auf Leichenberge, von mir aufgetürmt. The Darkness 2 ist ein Wahnsinn. „Keine Sorge, wir werden ihnen helfen“, sagt ein Arzt zu mir. Die Tage hinter Gitter sind offenbar mit Strichen an der Zellenwand dokumentiert.