Das Mittelalter gilt nicht umsonst als finstere Periode menschlicher Abscheulichkeiten. Blutdurstig zogen Europäer gen Osten, mit dem Christentum auf der Fahne, dem Glauben im Herzen und dem Schwert in der Hand. Ein düsteres Schauspiel für ein kooperatives Action-Adventure der blutigen Sorte, das Historie, Religion und Mystik unterhaltsam bündeln möchte.

Es ist kalt. Das bröckelnde Gemäuer der Backsteinkammer reflektiert das schwache Licht einer rostigen Fackel, doch das schlickige Grau der Wände scheint jede Wärme zu absorbieren. Wenigstens ist es trocken. Zu hören ist nur der Regen, der draußen prasselt, und das Quietschen der schweren Rüstung, mit der mein Pixelritter durch die Flure poltert. Durchatmen, Blut abwischen, das Schwert in die Scheide schieben, umschauen. Vielleicht liegt ja irgendwo eine Kiste herum, die Wertvolles birgt.

Gewinnspiel: gamona und Cursed-Crusade-Publisher DTP verlosen zwei Eintrittskarten zur RPC Role Play Convention 2011 - inklusive Anreise und Übernachtung! Die RPC findet am 7. und 8. Mai in Köln statt und natürlich kannst du dir dort brandheiß die neueste Version von The Cursed Crusade anschauen, mit edlen Recken fachsimpeln und den Abend bei einem mittelalterlichen Fest ausklingen lassen.

Und so geht's: Besuche die Facebook-Seite von Cursed Crusade, klicke auf "Gefällt mir" und poste den Eintrag "Ich will am gamona-Gewinnspiel teilnehmen" an die Pinnwand. Teilnahmeschluss ist Mittwoch, der 27. April.

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Ein Kreuz zu tragen

Und zack! Da grinst es wieder hämisch. Das altmodische Action-Adventure-Kistenabklappern hat es ganz alleine geschafft, der stimmungsvollen Düsternis, der choreografierten Brachialität eines mittelalterlichen Kreuzzugs die Illusion zu entreißen. Noch vor einer Minute focht ich mit virtuellen Metzelrittern aufreibende Schwertduelle aus, deren aufwändig eingefangene Motion-Capture-Animationen alles daran gaben, übliche Videospielklischees zu umgehen.

The Cursed Crusade - Exklusiv angespielt: Mittelalter-Action der blutigen Sorte! Mit Gewinnspiel: Komplette Reise zur Role Play Convention

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Raue Sitten: Im Mittelalter wurden zweifelhafte Umgangsformen gepflegt.
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Schlagen, parieren, Kraftduelle - jeder Schwertstreich in Cursed Crusade wirkt glaubhaft und vermittelt das Drama einer persönlichen Auseinandersetzung. Kein wildes Rumgefuchtel in Zuckerwatterüstungen, keine Hochsprungolympiade, kein Stochern in Armeen wehrloser Pixelsoldaten. Oh nein, wenn beim Pariser Entwickler Kylotonn die Klingen aufeinandertreffen, dann spürt man die Last der ausgetragenen Kettenhemden mit jeder Bewegung, die Protagonist Denz de Bayle vollzieht. Und dann doch wieder mechanisches Kistenabklappern – das hätte doch nicht sein müssen. Es will einfach nicht zu dem passen, was Cursed Crusade sonst noch in die Pfanne haut.

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Und nach dem Kampf: Ab in die Kiste!
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Warum Denz mit seinem Begleiter Esteban Noviembre anderen Menschen weit ab von zu Hause die Rübe abschlägt, bleibt vorerst im Dunkeln. Im Vorfeld der Pressevorführung, die in Pariser Katakomben aus dem 14. Jahrhundert stattfand, wurden lediglich Andeutungen gemacht. Es geht um Tempelritter des vierten Kreuzzugs, einen mystischen Fluch, der ihnen die Hölle offenbart, und einen verschollenen Vater, der im dritten Kreuzzug verschwand.

Die Alpha-Build, die zum Antesten bereitstand, gab aber nicht viel mehr von den Hintergründen preis, was noch viel Raum für Spekulationen lässt. Etwa zum Detailgrad der historischen Anspielungen, die auch über authentische Figuren der Geschichte vermittelt werden soll. Der vierte Kreuzzug war schließlich keine Pilgerfahrt. Erst sollte es nach Jerusalem gehen, wobei die Südfranzosen und Venezianer auf dem Seeweg nebenbei noch in Ägypten einfallen wollten. Aber da das finanziell nicht zu stemmen war, entschied man sich, erst mal die dalmatinische Stadt Zara einzunehmen. Danach ging es über Umwege nach Konstantinopel, das erst belagert und zuletzt geplündert wurde. Mindestens zwei dieser Schauplätze wird auch Cursed Crusade beinhalten.

Wo ist das Adventure?

Das klingt kaum nach dem Zelda-typischen Wohlfühl-Adventure-Käse. Auch nicht nach mystisch überdrehter, heraussterilisierter Teufelsjagd à la Diablo. Aber todernst kommt das Gemetzel auch nicht rüber. Die Entwickler reiten den Kreuzzuggaul nur so lange, wie er dem Schlachtfeld Perspektive gibt. Sprich, er ist legitimer Aufhänger für viel Ketchup und fiese Finishing-Moves, die im besten Fall in Zusammenarbeit mit einem Partner ausgeführt werden.

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Und nach dem Kampf: Ab in die Kiste!
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Spätestens wenn Denz auf Knopfdruck die Kräfte seines Templerfluchs aktiviert, scheint wieder die Präsentationsvielfalt üblicher Videospielschnetzeleien durch. Das Umfeld fängt Feuer und lodert wie die Untiefen der Hölle, Denz brutzelt Gegnern die Seele aus dem Leib und gerät mächtig in Rage.

Cursed Crusade birgt eine Unmenge einladender Ideen, ihm fehlt aber noch die klare Linie.Ausblick lesen

Schön anzusehen und dennoch fast schon altmodisch. Generell tut sich Cursed Crusade schwer, wenn es um eine gerade Linie geht. Viele Spielelemente bergen gute Ideen und viel Material zum Ausweiden. Allein die Attributsentwicklung für den Hauptcharakter erreicht mit ihren Statuswerten und erlernbaren Kampfkombos Rollenspieltiefe.

Mehr als 130 unterschiedliche Waffen lassen sich auf dem Schlachtfeld auflesen und in drei Kombinationen verwenden. Schwert und Schild, zwei Klingen oder doch lieber die Linkshänder-Schwertführung? Ein Druck auf dem Steuerkreuz genügt und der Ritterknilch jongliert das Arsenal. Zumal Schwerter, Schilde, Messer und Lanzen mit der Zeit brechen und sowieso ersetzt werden müssen. Alternativ setzt ihr Fensterschützen mit Pfeil und Bogen zu.

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Der düster-realistische Look gefällt.
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Das sind allerdings alles Feinheiten, die sich abseits der Statusmenüs nur auf den Kampf auswirken, was es schwer macht, den Entwicklern die eigens aufgestellte Genre-Prognose abzunehmen. 70 Prozent Action und 30 Prozent Adventure schwebt Kylotonn vor, nach bisherigem Eindruck sieht es eher nach einem 85-zu-15-Verhältnis aus. Keine Frage, die Ausbildung und Weiterentwicklung des Charakters hat durchaus Gewicht, aber beim Stichwort Adventure schwebt mir einfach mehr vor als altmodisches Kistenöffnen, Wände durchbrechen und gelegentlich mal ein Hindernis zur Seite schieben. Mehr gab es bisher nicht zu sehen.

Zugegeben, der Übergang zwischen Kampf und Schiebepuzzles ist fließend. Auch was die Umgebung angeht, denn man erkennt keinesfalls auf den ersten Blick, wo und wann die Umwelt manipuliert werden kann. Aber die Handlungen waren in den zwei Spielstufen der Alpha-Build doch noch etwas spärlich und zitierten letztendlich nur zwanzig Jahre alte Spielmechaniken. Selbst gelegentliche Quicktime-Events modernisieren das Endergebnis nicht, und so hottet man letztendlich von Schlachtfeld zu Schlachtfeld.

Totschlagsargumente

Ich weiß einfach nicht, in welche Richtung Cursed Crusade vorpreschen will. Wenn ich Assassin's Creed spiele, dann weiß ich, warum ich es eingelegt habe. Ich will schleichen, meucheln, die Meute an der Nase herumführen, in historischen Städten spazieren.... Oder Dead Space 2 – man legt es ein, um sich zu gruseln, sich zu erschrecken, um mit sich von einer spannenden Handlung und fiesen Schreckeffekten die Nackenhaare aufrichten zu lassen. Mario lege ich ein, um meine Reaktion zu testen, mein Feingefühl zu beweisen, knuffige Grafiken und niedliche Animationen zu erleben...

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Mehr Action oder Adventure? Wo geht die Reise hin, Kylotonn?
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Aber Cursed Crusade? Irgendwie fehlt diesem Spiel das Eindeutige. Es scheint nirgendwo hin zu streben, sondern lediglich viele gute Spielideen zu verquirlen.

Für ein Schnetzel-Adventure im Stile eines God of War fehlt es an dick aufgetragenem Bombast und Überzeichnung – was keine negative Kritik sein soll, ich mochte den realistischeren Ansatz durchaus. Aber für die schnelle und heftige Schnetzelrunde ist der Kampfablauf schlichtweg zu träge und zu verhalten. Erlernbare Kombos hin, Flammeninferno und blutige Close-ups her, das alleine ergibt noch keinen Augenöffner.

Für ein typisches Konsolen-Action-Adventure konzentriert sich Kylotonn hingegen zu sehr auf die Schwertgefechte, und für ein Rollenspiel fehlt es an nachvollziehbarer Präzision im Handgemenge. Zwar zeigt ein Farbrahmen um den Gegner an, wann er zum Gegenschlag ausholt, doch in Echtzeit bleibt oft nicht genug Aufmerksamkeit für ein solches Detail. Auch schleppt Denz seine Moves noch lange hinter den längst eingegebenen Button-Kommandos her, was das Timing erschwert.

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"Totschlagargument? Kannste haben!"
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Wobei ein echtes Urteil natürlich noch nicht zu treffen ist. An Steuerung und weiteren Feinheiten wird noch fleißig geschraubt, bevor die Software im dritten Quartal beim Fachhändler steht. Und qualitativ sind auch keine schwerwiegenden Schnitzer festzustellen. Cursed Crusade zeigt gutes Handwerk, wenn es um Design und Ausführung geht. Die Bildrate der Alpha könnte zwar noch einen Tick anziehen, damit das 720p-Schauspiel flüssiger läuft, aber sonst gibt es nicht viel zu meckern.

Nette Grafik, ein Orchester-Soundtrack mit ordentlich Wumms, ausführliches Charakterdesign und nachvollziehbare Steuerung versprechen Kurzweil. Nein, Cursed Crusade fehlt lediglich das Totschlagargument, das aus einem „Gut“ mehr werden lässt. Wobei ein gewisser Aspekt noch diese Lücke füllen könnte: der Kooperativmodus.

Die Helden Denz und Esteban sterben nicht, wenn ihnen die Puste ausgeht. Wobei Letzteres ziemlich schnell passieren kann, wenn man die Energieleiste für den Templerfluch aus den Augen verliert und zu lange im heraufbeschworenen Höllenfeuer schnetzelt. Liegt einer der beiden hilflos im Matsch, so kann der andere herbeieilen und ihm hochhelfen. Erst wenn beide in ihrer Rüstung den Schildkrötentanz zelebrieren, winkt der Game-over-Screen.

Team steht nicht für „Toll, ein anderer macht's“

Die Aufgabe des Helfers übernimmt normalerweise die KI, wobei sie jedoch ziemlich lange braucht, weil sie Esteban lieber in Fechtereien verstrickt. Im Verbund mit einem Kumpel sollte das kein Problem mehr sein, zumal ein eingespieltes Team sicherlich viel Spaß daran haben könnte, unterschiedliche Kombo-Finisher herauszukitzeln. Mit jeder neu erlernten Angriffsvariante aus dem Fertigkeitenbaum kommen nämlich auch weitere Gore-Einlagen mit expliziten Hinrichtungsszenen zutage.

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Moment, den Screenshot hatten wir doch schon mal? Nee, aber Cursed Crusade wiederholt sich häufig.
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Wer Gears of War oder Army of Two im Team spielte und an der gemeinschaftlichen Kampagne Spaß hatte, könnte sich durchaus darüber freuen, mal ein anderes Szenario zu erleben. Nicht zuletzt, weil auch PC-Schwertschwingern die Wahl bleibt, ob sie per Internetverbindung in den Kreuzzug ziehen oder Schulter an Schulter im Split-Screen daddeln.

Bleibt nur die Frage, ob Kylotonn auch auf diesem Gebiet noch mehr auf der Schippe hat als ein paar Feinheiten im Kampfsystem. Sonst droht sich Cursed Crusade in Eintönigkeit zu ersticken.

Schon in den zwei Szenarios, die in Paris zum Antesten bereitstanden, wurden einige Spielelemente zu oft verwendet, beziehungsweise zu wenig variiert. Ein Beispiel: Bei einem Schwertkampf steht man keiner riesigen Armee gegenüber, sondern vielleicht drei oder vier Widersachern, denen man sich in langwierigen, aber spannenden Schwertduellen stellt – Kräftemessen inklusive.

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Schick sieht's ja schon aus.
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Stehen Interaktionselemente wie eine Schalenfackel oder etwa ein Brunnen gleich nebenan, so kann man sie in den Kampf einbeziehen, was nach einem zermürbenden Schlagabtausch natürlich besonders viel Spaß macht, weil man dem Pixeljünger extrem hämisch die Lichtlein ausblasen darf.

Allerdings konnte ich schon gar nicht mehr mitzählen, wie oft ich diese eine Szene sah, bei der das Gesicht von Gegner XY in den Flammen der Fackel brutzelte. Eigentlich hab ich mich schon bei dieser Vorschau daran sattgesehen. Da muss einfach mehr her, und zwar in allen Belangen. Mehr Interaktion, mehr Abwechslung, mehr Adventure. Man muss mit jeder weiteren Szene neu überrascht und zum Experimentieren eingeladen werden, damit die Spielfreude erhalten bleibt.

Kylotonn hat so viel Arbeit in ein authentisches Setting und akribisch ausgearbeitete Kampfchoreographien gesteckt, dass alle anderen Elemente offenbar zu kurz kamen. Zumindest in dieser Alpha, die ja noch nicht das fertige Produkt darstellt. Da sind ganz offensichtlich noch ein paar Baustellen offen.