Keine Sorge, alles wird gut. Oder doch nicht? The Conduit überraschte 2009 als erster "richtiger" Shooter für die Wii-Konsole. Doch hatte das Game mit vielen kleinen und größeren Mängeln zu kämpfen. Schlauchlevel, fehlende Bossfights und eine eher fade Storyline waren Schuld daran, dass der Titel als ansehnlich betrachtet werden konnte - Mehr aber auch nicht.

The Conduit 2 - Ego-Shooter-Action auf der Wii

Nun, keine zwei Jahre später, liefert High Voltage den Nachfolger The Conduit 2 und verspricht, alles besser gemacht zu haben. Diesmal soll uns eine wirklich packende Story erwarten, fordernde Bosskämpfe, eine intelligente Gegner-KI und ein beeindruckendes Leveldesign. Mein lieber Herr Gesangsverein. Das sind aber ein paar wirklich hoch gegriffene Versprechen. Was davon kann tatsächlich eingehalten werden?

Beginnen wir doch am Anfang, beziehungsweise, aus Sicht der Conduit-Spieler, am Ende. John Adams, Leiter des 'Syndikates' und nebenbei Mensch-Alien-Hybrid, verliert den Kampf gegen Superagent Michael Ford und flieht durch eines der Portale, genannt Conduit. Wer sind wir, dass wir ihm das durchgehen lassen? Also nichts wie hinterher und auf gut Glück hoffen. Denn wenn sich dieses Game als genauso stillos entpuppt wie sein Vorgänger, ist es nur eine Frage der Zeit, bis mein Zeigefinger Bekanntschaft mit dem Powerknopf macht.

The Conduit 2 - Schade, High Voltage! Wii-der kein Hit!

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Keine Schlauchlevel mehr!
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Aber was ist das? Keine wieder und wieder kopierten Räume, kein einfallsloses Leveldesign, keine witzlose Grafik? Nein, denn The Conduit 2 hat tatsächlich aus seinen Fehlern gelernt. Die Spielwelt fällt diesmal sehr viel abwechslungsreicher aus und die Schauplätze der Handlung können sich wirklich sehen lassen. Natürlich muss man immer bedenken, dass wir hier von Wii-Verhältnissen sprechen, doch die Abstecher nach China, ins eisige Sibirien oder zur abgefahren futuristischen Atlantis-Station sind mittlerweile echte Hingucker geworden.

Zwar konnten die Entwickler es scheinbar nicht ganz lassen, hier und dort nach dem guten alten Copy&Paste-Prinzip vorzugehen, doch kann man da tatsächlich mal ein Auge zudrücken. Warum? Ganz einfach: High Voltage Software hat sich Mühe gegeben. Und nicht etwa im Sinne von: 'Wir entwickeln ein gutes Level und die anderen bauen darauf auf'-Mühe, sondern: 'Wenn wir es machen, dann machen wir es diesmal richtig'-Mühe.

Packshot zu The Conduit 2The Conduit 2Erschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Abgesehen von der nicht zu unterschätzenden Grafik, sind die Level auch deutlich verzweigter als früher. Es gibt massenweise Abzweigungen und der gesamte Levelaufbau ist in sich schlüssiger als beim Vorgänger. Alles im allen hat man hier sein Versprechen gehalten. The Conduit 2 sieht sehr schön aus, überzeugt durch ein schlüssiges Leveldesign und bringt viele neue Ideen mit sich.

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Search and Destroy-KI. Leider ohne 'I'.
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Nicht so prickelnd ist dagegen die KI der Gegner. Hier von einigen wenigen Schwächen zu reden, ist, als würde ich behaupten in Little Big Planet gebe es einige 'wenige' bunte Passagen. Klar, nicht jedes Level erstrahlt in Regenbogenpracht, und nicht jeder Gegner in The Conduit 2 stellt sich wie ein Analphabet beim Lesewettbewerb an, aber es sind genug, um einen dreifachen Facepalm zu verdienen.

Dort läuft ein Feind stupide gegen eine Mauer, hier ist einer der Meinung, seine Deckung getrost verlassen zu können, um im Anschluss stur auf mich zuzulaufen und manch ein Gegenspieler hat den Weg aus den Korridoren bis zum Kampfgetümmel gar nicht gefunden. Hinzu kommen Massen von Gegnerscharen, die teilweise einfach aus dem Nichts spawnen und euch in den Rücken fallen.

Besser wird schlechter und schlechter wird besser.Fazit lesen

Einzig die Endbosse warten mit einer kleinen Herausforderung auf. Hier ist jedes mal eine besondere Taktik von Nöten, um siegreich aus der Schlacht zu ziehen. Dabei wiederholen diese zwar immer die gleichen geskripteten Attacken und Bewegungsabläufe, die man sehr schnell durchschaut hat, doch ist das immer noch besser als Gegner, die kaum wissen, wie man eine Waffe bedient.

Story, Action und Geballer

Ein weiterer Punkt, der im ersten Teil zu üblem Aufstoßen führte, war wohl die Story und der Aufbau an sich. Keine Bosskämpfe, keine Dramatik, einfach keine Höhepunkte. Die Aliens zu bekämpfen und zwielichtige Syndikate aufzuhalten, machte schlichtweg keinen Spaß und Protagonist Michael war so überzeugend wie eine Schlaftablette in einer Technodisko.

Auch hier versprach High Voltage Verbesserungen. Und auch hier kann der Entwickler seine Versprechen halten. Die Story ist dabei zwar absolut vorhersehbar, aber dennoch spannend. Man möchte tatsächlich wissen, wie die Geschichte weiter erzählt wird, und nicht mehr während der Zwischensequenzen in einer Spielezeitschrift blättern.

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Im zweiten Teil nervt Michael nur noch ein bisschen.
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Dazu beigetragen hat vor allem die Idee, endlich einige NPCs mit Charakter einzubauen, beziehungsweise überhaupt nützliche NPCs einzubauen. Während man im ersten Teil noch ziemlich einsam unterwegs war, gibt es im Nachfolger wenigstens einige interessante Persönlichkeiten zu treffen. So begegnen wir im futuristischen Kampf um die Zukunft der schlagkräftigen Andromeda und hier und dort sogar einigen hilfsbereiten Aliens.

Zusätzlich hatte man wohl Angst, Spieler könnten trotz aller Neuerungen schnell das Interesse verlieren und so wartet der Alien-Shooter mit Action am laufenden Band auf. Es gibt nur wenige Verschnaufpausen, die Gegner geben sich die Klinke in die Hand und nervige Suchaufgaben, die das Prequel so unfassbar langweilig gemacht haben, sind fast komplett ausgemerzt worden.

Aber eben nur fast. Gesundheitsboost, neue Fähigkeiten wie schnelles Nachladen oder einfach ein schöner Munitionsgurt. All das muss mit dem Allsehenden Auge (ASA), einer Art futuristischen Alientechnologie, erst gefunden und freigeschaltet werden. Genauso gibt es in den Leveln massenweise Verschwörungsgegenstände, Waffen und Blaupausen für eben diese zu finden.

Hier und beim Hacken von Sicherheitstüren und anderer Hardware zeigt sich, wie nervig das ASA eigentlich ist und wie dämlich die Idee war, gerade dieses Gadget aus dem Vorgänger zu übernehmen: Mit der Zeit wird es nicht nur nervtötend, ständig zwischen den Waffen und dem Auge hin und her zu schalten, die dunkle Ansicht des Geräts ist außerdem alles andere als hilfreich und schlichtweg nicht gut gelungen.

Ruckel di Ruckel di Ruckel

Nach welchem Prinzip arbeiten die Jungs von High Voltage Software eigentlich? Da schreibe ich und schreibe, dass die Schwächen aus dem ersten Teil der Vergangenheit angehören und The Conduit 2 mit einer schmucken Grafik und einer gut erzählten Story aufwartet, da wird doch einfach eine der Stärken des ersten Teils genommen und zu müdem Brei verkocht.

Die Steuerung ist, offen gesagt, ein Graus. Frust, Wut und echter Ärger bauen sich auf, wenn man merkt, dass das Zielen deutlich unpräziser ist und bereits eine leichte Bewegung mit der Wii-Mote reicht, um mit dem Maschinengewehr plötzlich ganz woanders hinzuzielen, oder die Granate bis ans andere Ende der Karte zu schmeißen.

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Die Steuerung lässt leider oftmals zu wünschen übrig
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Wer sich hier aber entscheidet, mit einem Classic-Controller zu zocken, hat solche Probleme nicht. Jedoch bleibt ein anderes Problem stets das selbe: Die Jungs von High Voltage haben sich solche Mühe gegeben, das Spiel grafisch top aussehen zu lassen, dass man wohl ganz vergessen hat, dass eine Wii nunmal keine Playstation 3 ist. Bei allen größeren Arealen geht die Grafikengine spürbar in die Knie und ihr dürft euch mit einer Ruckelorgie vom Feinsten auseinandersetzen.

In diesem Fall bewegt sich Michael so abgehackt, dass einem glatt die Worte fehlen, bei etwas schnelleren Kampfeinlagen geht die Übersicht flöten und die Kamera dreht sich deutlich langsamer. Somit wird jeder Meter im Spiel zu einer echten Qual und jedes Feuergefecht zu einem Albtraum.

Doch damit hört das Grauen leider nicht auf. Auch die Kollisionsabfrage in The Conduit 2 ist weniger als Mittelmaß. Wenn Waffen in der Luft schweben und Gegner durch Wände gucken, können uns nicht mal mehr die Ghostbusters retten. Hier haben wir es leider nicht mit Geistern zu tun, sondern mit so stümperhafter Programmierung, dass man sich fragen muss, ob High Voltage erst im letzten Moment aufgefallen ist, dass es leider nicht reicht, all das zu verbessern, was in Teil 1 schlecht war, sondern man sich auch um die offensichtlichen Dinge kümmern muss.

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Der Multilaymodus steht dem ersten Teil in nichts nach
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Solche Offensichtlichkeiten wie die Synchronisation: Die ist nämlich ziemlich mies und verleiht dem Titel einen üblen Nachgeschmack. Doch nicht so übel, dass man die ungewollte Komik überhört, die die Vertonung mit sich bringt. Die Sprüche sind so schlecht von einem Stück Papier abgelesen, dass ich manchmal recht herzlich lachen konnte. Vor allem wenn der Protagonist versucht so professionell zu klingen wie der Master Chief aus Halo oder so cool rüberkommen will wie der Duke. Da muss man schon beide Hände vor den Mund halten, um nicht laut schreiend die Nachbarn zu wecken.

Besser wird es leider auch nicht, wenn man sich die Soundeffekte und die Musik näher anhört. Alles wirkt etwas zu leise, zu gedämpft. Waffenfeuer, Explosionen und Sound sind eher Mittelmaß und reißen nicht wirklich mit. Einzig in den Zwischensequenzen, wenn es mal etwas heftiger zur Sache geht, wirkt die Pro Logic II wie auf hohem Niveau.