Es kam wie aus dem Nichts. Wer hätte auch ahnen können, dass „Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay“, also ein dem verhassten Genre der Filmumsetzungen entsprungener Shooter um den Kino-Koloss Richard B. Riddick, tatsächlich so gut werden würde. Und ja, wie es das wurde: Es soll sogar Kritiker geben (sprich: den Autor dieses Artikels), die „Riddick“ für einen der besten Shooter der letzten Jahre halten.

Doch so unvermittelt wie es kam, ging es leider auch: Zwar überschlug sich die Presse mit Lobeshymnen, aufgrund ungeschickten Werbemanagements und der weit verbreiteten Skepsis gegenüber Filmversoftungen wuchs „Riddick“ über den Status „Geheimtipp“ jedoch nie hinaus. Was macht man also, wenn man auf einem wahren Prachtexemplar von Actionfeuerwerk sitzt und jedem davon berichten will? Man veröffentlicht es einfach noch einmal.

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Aus einem mach zwei

„Ha! Dreiste Abzocke“, möchte nun manch einer lauthals rufen, „die veröffentlichen dasselbe Spiel einfach in anderer Verpackung.“ Machen sie natürlich nicht – auch wenn wir angesichts der superben Qualität des ersten Riddick-Abenteuers selbst diesen Schritt gutheißen würden. Denn „sie“ sind niemand geringeres als die herrlich experimentierfreudigen Schweden der Starbreeze Studios, denen die Qualität des Produktes noch immer am Herzen zu liegen schien.

The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena - Ein Killer von einem Spiel

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Neunzig Prozent der Zeit kriecht Riddick im Dunklen umher.
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Um es also noch einmal zusammen zu fassen: Nein, Starbreeze steckt nicht einfach nur den Geheimtipp des Jahres 2004 in die neue Verpackung, sondern liefert mit „Assault on Dark Athena“ eine völlig neue Episode ab, in der es olle Grummelkopf Riddick auf den Raumkreuzer „Dark Athena“ verschlägt. Und natürlich wartet auch hier eine ganze Armada von Kopfgeldjägern auf den miesepetrigen Ausbruchspezialisten.

„Wozu eine Fortsetzung, wenn der erste Teil bereits an der Hälfte der zockenden Weltbevölkerung vorbeigegangen ist?“, werden ganz forsche Naturen nun fragen. Doch auch daran hat Starbreeze gedacht, denn – jetzt, kommt der Part mit den ollen Kamellen – „Escape from Butcher Bay“ liegt dem Gesamtpaket ebenfalls bei. „Assault on Dark Athena“ ist also eher ein Mix aus Fortsetzung und Neuauflage.

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Statt frontaler Offensive liebt Riddick das Versteckspiel.
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Der Grund dafür ist die überbordende Phantasie der Schweden: Was ursprünglich eigentlich nur als aufgemotztes „Butcher Bay“-Remake gedacht war, entwickelte mit der Zeit eine gewisse Eigendynamik. Das Resultat sind gute zehn bis zwölf Stunden neuer Inhalte – samt frischer Waffen, Gegner und einer Story, die dem Vorgänger in Sachen Atmosphäre und Spannung mindestens das Wasser reichen dürfte.

Flucht vom Schlachterhafen

Eigentlich kann man sich an dieser Stelle langwierige Erklärungen oder Einschätzungen zum ersten Part des Riddick-Gesamtwerkes sparen: Dass „Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay“ ein großartiges Spiel ist, wissen wir schließlich. Dass dieser Mix aus hochatmosphärischem Setting, großartigem Level- und Missionsdesign, Ideenvielfalt und dem coolsten Antihelden aller Zeiten gar nicht homogener sein könnte – das wissen wir längst.

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Auch wieder dabei: Da ihr meist ohne Waffen auskommen müsst, prügelt ihr eure Gegner gekonnt nieder.
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Trotzdem bleibt auch „Butcher Bay“ nicht unangetastet: Die Grafik – anno 2004 obere Referenzklasse – wird noch einmal etwas aufpoliert, auch an der Gegner-KI, die sich ebenfalls im Original bereits von ihrer besten Seite zeigte, soll noch geschraubt werden. Auch sehr nett: Einen Mehrspieler-Modus wird es nun auch endlich geben – dessen Fehlen war einer der wenigen Kritikpunkte des 04er Releases.

Bezüglich „Assault on Dark Athena“ sollte man natürlich keine großen Sprünge erwarten: Da die neue Episode eher einen gewissen „Fanbonus“-Charakter hat, wäre ein innovatives, völlig neuartiges Spielgefühl wohl auch zuviel verlangt. Vielmehr erbt die Quasi-Fortsetzung sämtliche Stärken des Vorgängers und kleidet diese in ein spannendes Story-Korsett – nicht die schlechteste Art also, um die Geschichte von Riddick fortzuführen.

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Grafisch hat "Riddick" zwar etwas Staub angesetzt, kann sich aber trotzdem noch sehen lassen.
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Direkt nach dem fulminanten Finale von „Escape from Butcher Bay“, also dort, wo im Original der Abspann über den Bildschirm flimmerte, geht Riddicks steiniger Weg in Richtung Freiheit weiter. Keine fünf Minuten später befindet er sich wieder in Gefangenschaft, schärft die Sinne und begibt sich auf die Jagd nach jenen, die eigentlich ihn auf der Abschussliste haben.

Riddick macht’s von hinten

Was nun folgt, kennen (und lieben) eingeweihte Riddick-Veteranen nur zu gut: Lediglich mit seinen blanken Fäusten und einer Haarnadel bewaffnet, schleicht Riddick durch die dunklen Korridore des riesigen Raumkreuzers, kriecht durch engste Lüftungsschächte, lauert in der Dunkelheit, seiner Beute immer mindestens zwei Schritte voraus. Er tötet schnell und lautlos, die Leichen wird man nie wieder finden.

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Später greift ihr auch zu größeren Kalibern.
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Man merkt es schon, auch „Assault on Dark Athena“ bleibt dem Konzept des Vorgängers treu: Statt ein wüstes Ballerfest abzufeiern und Abwechslungsreichtum lediglich in Form immer größerer Raketenwerfer zu etablieren, setzt das Spiel auf die atmosphärisch dichte Ikonisierung, die einst der Kinofilm „Pitch Black“ anführte: Riddick ist ein Jäger, der selbst in ausweglosen Situationen einen markigen Spruch auf den Lippen hat.

Die Dunkelheit fürchtet ihn - wir können nicht genug von ihm bekommen: Wer Riddicks Spieleinsatz bisher verpasst hat, darf sich auf das Gesamtpaket freuen.Ausblick lesen

Freunde traditioneller Shooterkost müssen sich da bisweilen ziemlich umgewöhnen: Hier ist der offensichtliche Weg selten der richtige. Das große Schleusentor am Ende eines Korridors mit dem blinkenden Terminal daneben – umgeht Riddick in den meisten Fällen. Das Leveldesign passt sich clever dem Schleich-Konzept an, wird es trotzdem einmal ruppig, attackiert der Glatzkopf bevorzugt von hinten.

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Tolle Neuerung: Endlich gibt's auch einen Mehrspieler-Modus.
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Trotzdem – und auch das bleibt weitestgehend gleich – zieht der Krawall-Faktor im Laufe der Spielzeit gehörig an. Spätestens wenn Riddick die ersten Schnellfeuergewehre zu fassen kriegt, ist es essig mit der Ruhe auf der „Dark Athena“. Zur müden Standardballerei gerät „Riddick“ dabei jedoch nie: Immer wieder überrascht Starbreeze mit spaßigen Ideen, setzt dabei aber stets auf Vielfalt.

Wo ihr zu Beginn von „Assault on Dark Athena“ noch gegen seelenlose Roboterdrohnen kämpft, die euch die Besatzung der „Athena“ auf den Hals hetzt, bemächtigt sich Riddick im späteren Verlauf einer Robo-Steuereinheit. Während ihr nun aus sicherer Entfernung steuert, ballert ihr euch in der Haut des Androiden durch dessen einstige Metallkumpanen – ein Riesenspaß.