“Pitch Black” geriet im Jahr 2000 zur riesigen Überraschung. Nicht etwa, weil der packende Sci-Fi-Horror aus dem Nichts kam und sich vom Geheimtipp zum veritablen Hit mauserte, sondern weil er ganz heimlich und verschwiegen mit gängigen Konventionen brach. Ganz am Schluss, also da wo für gewöhnlich der strahlende Held siegreich aus der Asche empor steigt und das Feld als einziger Überlebender verlässt, war auf einmal das unsympatische Arschloch der große Gewinner.

Damals kannte Vin Diesel noch niemand. Sein Alter Ego Richard B. Riddick erst recht nicht. Heute, gut neun Jahre später, hat sich das dank einer Fortsetzung und einer Anime-Adaption weitestgehend geändert. Sogar ein Spiel hat man dem eiskalten Weltraumkiller gewidmet. Und das war so gut, dass es jetzt in erweiterter Form glatt noch mal erscheint.

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Zurück nach Butcher Bay

Die Qual der Wahl: Sofort nach dem Start der Chroniken von Riddick verlangt das Spiel von euch eine Entscheidung. Und die ist gar nicht so einfach: Entweder ihr beginnt mit „Escape from Butcher Bay“, dem großartigen Schleich-Shooter aus dem Jahr 2004, oder aber springt direkt in dessen Quasi-Nachfolger „Assault on Dark Athena“. Beide Spiele – soviel können wir hier schon verraten – sind absolut gelungen.

The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena - Cooler wird's nur in der Arktis

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Der Grummel-Kahlkopf ist zurück: Vin Diesel füllt erneut seine Paraderolle aus.
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All jenen, die die „Butcher Bay“-Episode noch nicht kennen, empfehlen wir dringend den Ausbruch aus dem interstellaren Hochsicherheitsgefängnis zuerst zu spielen. Skurrilerweise ging Riddicks erster Game-Einsatz am Großteil der irdischen Spielerschaft vorüber und durfte lediglich die zweifelhafte Ehre genießen, als „Action-Geheimtipp“ ausgerufen zu werden. Aber wer will sein Baby schon „geheim“ halten?

Richtig, niemand! Der schwedische Entwickler Starbreeze packt den Geheimtipp also zu Recht mit ins Boot. Endlich dürfen sich also auch diejenigen ein Bild davon machen, wovon ein kleiner Prozentsatz begeisterter Kritiker stets leise getuschelt hat. Allerdings, das muss man fairerweise zugeben, merkt man Riddick sein fünfjähriges Bestehen deutlich an – an Technik und Spielmechanik hört man den Zahn der Zeit ein ums andere mal nagen.

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"Dark Athena" sieht grafisch deutlich ansprechender aus.
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Im Vorfeld hieß es zumindest, Starbreeze wolle die Grafik des Erstlings an aktuelle Standards angleichen bzw. etwas verlorenen Boden gut machen. Anno 2004 war „Butcher Bay“ ein Grafikbrett, das selbst „Doom 3“ nicht selten in die Schranken verwies. Heute wirken viele Texturen matschig und verwaschen, die Charaktermodelle kantig. Falls es ein Grafikupdate für den Schlächterhafen gegeben haben sollte – wir konnten davon nichts vernehmen.

Aus dem Hafen zur Athene

Sehr viel schicker sieht hingegen Spiel Nummer zwei auf dem Riddick-Silberling aus. „Assault on Dark Athena“ nutzt zwar auch „nur“ die „Butcher Bay“-Engine, trumpft aber mit schärferen Texturen und schönen Effekten auf. Zu schade, dass wir davon nur selten etwas zu sehen bekommen, denn den Großteil seiner Zeit verbringt der olle Luftschachtkriecher Riddick in seinem Lieblingselement: der Dunkelheit.

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Die spannenden Faustkämpfe sind anspruchsvoll, gut zu steuern und wuchtig inszeniert - Toll!
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Wir erinnern uns: Gute 50 Prozent der „Butcher Bay“-Episode verfügt Riddick nur über ein stumpfes Messer, in vielen Abschnitten gesteht ihm Starbreeze nicht einmal dies zu. Wehrlos war der wuchtige Brummelkopf dennoch nie: Selbst bewaffnete Gegner konnten mit einigen flinken Attacken ausgeschaltet werden, ganz gemeine Spieler richteten die Maschinengewehre der Wachen sogar gegen sie selbst.

„Dark Athena“ knüpft klugerweise genau dort an, etabliert den muskelbepackten Weltraumjäger als überlegenen Killer, dessen spezielle Fähigkeiten aber clever genutzt werden wollen, um Erfolge zu garantieren. Hinzu kommen professionell vertonte Zwischensequenzen, die der spannenden Story immer wieder Auftrieb verleihen und Vin Diesels markige Sprüche – fertig ist das gewohnt großartige Riddick-Feeling.

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Witziger Einfall: Als Drohne machen wir die Quartiere der eigenen Kollegen unsicher.
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Und dann kommen sie wieder, die tollen Ideen, für die wir Starbreeze lieben: Als klares Highlight blieb uns etwa eine Sequenz im Gedächtnis, in der wir die Fernsteuerung der „Dark Athena“-Kampfdrohnen übernehmen und die willenlosen Wächter gegen die eigenen Kollegen zu Felde führen. Überhaupt: Der Shooteranteil ist im Gegensatz zur „Butcher Bay“-Einführung deutlich gestiegen, auch weil wir jetzt von Beginn an die Waffen der Gegner nutzen können.

In Würde gealtert: Trotz grauem Haaransatz auf der markanten Glatze, weiß Riddick noch immer zu begeistern.Fazit lesen

Leichtes Stirnrunzeln entlockte uns während des „Dark Athena“-Rundgangs nur das immense Backtracking, welches allerdings schon im Vorgänger als einer der wenigen Kritikpunkte galt. Immer wieder schicken euch die Haupt- und Nebenmissionen durch bereits erforschte Areale und strapazieren so in Verbindung mit den Ladezeiten, die meist schon nach wenigen Schritten auftauchen, unnötig die Nerven.

Vor der Zielgerade abgesoffen

Bis hierhin überzeugt „Dark Athena“ mit derselben gelungenen Mischung aus Schleichelementen, hitzigen Nahkampfduellen, Missionsdesign und brachialen Shootereinlagen. Dann, nach etwa drei Stunden an Bord der Athena, wechselt plötzlich das Setting – und damit der Ton des ganzen Spiels. Schluss mit „Krieger der Dunkelheit“ – jetzt streift sich Riddick das rote Rambo-Kopfband über und springt mitten hinein ins Gefecht…

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Belanglos: Die Kletterpassagen nach der Dark Athena wirken aufgesetzt.
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Die große Stärke des Riddick-Abenteuers, sprich die grandios inszenierten und hochatmosphärischen Schleichpassagen, ist damit hinüber und wird zu Gunsten dröger Dauerballereien gestrichen. Plötzlich verkommt „Dark Athena“ zum inspirationslosen Shooter und offenbart fundamentale Schwächen im Spieldesign: Richard B. Riddick funktioniert eben nur, wenn er nicht auf „Doom“ oder „Half-Life“ machen soll.

Sicherlich: Wirklich schlecht ist die zweite Hälfte von „Dark Athena“ nicht – auch hier packen die Entwickler manch clevere Idee aus. Wirklich gut ist sie aber auch nicht. Schnell macht sich Monotonie breit, die Schusswechsel wirken zäh und aufgesetzt. Dummerweise fehlen spektakuläre Momente, die den Einheitsbrei aufbrechen würden – zumindest bis wir wieder die Dark Athena betreten. Hier dreht die Atmosphäre wieder auf, der Spaß kehrt zurück.

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Auch wieder zurück: Die furiosen Kämpfe an Bord der Mechwalker.
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Für sich allein genommen, wäre „Assault on Dark Athena“ damit eher ein Titel für die Preispyramide: Grafisch angestaubt, erlaubt sich die zweite Spielhälfte so manchen Patzer, insgesamt ist Riddicks Ausflug auf den düsteren Raumfrachter mit sechs Stunden zu kurz geraten. Doch „Dark Athena“ will schließlich „nur“ als Bonus-Zusatz, als Dienst am Fan verstanden werden – und wertet damit das Riddick-Gesamtpaket trotzdem auf.

Auch weil es endlich ein langersehntes Feature auf den Silberling geschafft hat: Der brandneue Multiplayer-Modus protzt neben üblichen Modi wie Deathmatch mit der coolen „Pitch Black“-Variante. Hier schlüpft ein Spieler auf einer stockdusteren Map in die Rolle des Riddick und macht Jagd auf die restlichen Spieler, die zwar in der Gruppe auftreten und bewaffnet sind – aber auf Riddicks Nachtsicht verzichten müssen. Klasse!