Das junge schwedische Entwicklerteam Teotl Studios feiert sein Debüt. Mit The Ball sahnten sie bereits mehrere Entwicklerpreise ab und bauten sich eine kleine Fangemeinde auf. Wenn man bedenkt, dass der vermeintliche Portal-Konkurrent lediglich als Beitrag zu einem Unreal-Engine-Mod-Contest gedacht war, schlägt er verhältnismäßig hohe Wellen. Nun erscheint das Knobelspiel in Deutschland auch in einer Box-Version.

The Ball - Trailer

Eine runde Sache

1940 irgendwo in Mexiko: Bei einer Ausgrabung auf einem schlummernden Vulkan sind wir als Archäologe tätig. Doch es kommt zu einem Unglück: Der Kran bricht zusammen, und wir stecken am Grund der Grube fest. Zeit zum Umsehen.

The Ball - Eine runde Sache: Indie-Spiel im Geiste von Portal

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Plumps, da liegt er: Der Ball.
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Knisterndes Fackel- und Lagerfeuer erhellen unseren Weg, bis zu einem Artefakt am Ende des Höhlenpfades, das ein wenig an einen Schießprügel erinnert. Das Tor vor uns ist verschlossen, doch weist uns ein irisierender Schalter darauf hin, dass wir ihn mithilfe unseres Hammers drücken können. Das Tor ist offen, wir treten ein. Ein paar Meter weiter blinkt der nächste Schalter am Boden. Durch unser virtuelles Körpergewicht setzen wir eine erstaunlich liebevoll durchdachte Mechanik in Gang, die die Wände um uns herum bedeckt. Sogleich öffnet sich vor uns ein weiteres Tor und durch die Dachlatten fällt der Namensgeber des Spiels: die goldummantelte Metallkugel.

Nach und nach wird uns durch riesige Hieroglyphentafeln die Geschichte nähergebracht, die versteckten Goldklötze bringen zusätzlich ein paar Informationen ein. Die Geschichte ist allerdings total unwichtig, wir lassen uns nicht einmal davon abschrecken, dass der Ball angeblich das Ende der Welt herbeiführen soll. Fraglich bleibt auch, warum wir immer tiefer in den Vulkan vordringen, wo wir doch eigentlich wieder nach oben wollten. Und überhaupt: Wenn wir ganz unten sind, gibt es einen Fahrstuhl an die Oberfläche?

Ich geb mir die Kugel

Unsere Kugel kann glücklicherweise mehrm, als Gegner zu überrollen oder Schalter zu drücken. An bestimmten Orten wartet sie mit einer Reihe von Spezialfähigkeiten auf. So können wir Objekte mit der Kugel anbinden und wegzerren. Auf diese Weise räumen wir Hindernisse beiseite oder drehen eine Treppe in die richtige Richtung.

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Zum Glück können wir durch die Kugel hindurchsehen.
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Neben der Traktorkugel gibt es auch noch die Gravitationskugel, ein Riesenspaß für die ganze Familie. Hierbei bildet sich ein Gravitationsfeld um die Kugel, das es einem erlaubt, an Orte zu gelangen, die sonst nicht ansatzweise zu erreichen wären. Wie Neil Armstrong auf dem Mond springt man leichtfüßig in die Luft und kann sogar die Kugel hinter sich herziehen. Nach kurzer Zeit sinkt man dann wieder gen Boden - und dann sollte besser eine Plattform unter euch sein.

The Ball ist ein schöner Indie-Genre-Mix aus Action-Adventure und Puzzlespiel geworden, der es jedoch nicht ganz mit Valves Meisterwerk Portal aufnehmen kann.Fazit lesen

Die restlichen Fähigkeiten beschränken sich auf das Vernichten der Gegner. Die Nagelkugel lädt sich mit Nägeln auf und verschießt diese wie eine riesige Splittergranate. Die Ölkugel hinterlässt eine leicht entzündliche Spur, die Minenkugel einen Minenteppich. Glüht die Kugel, verursacht sie Schaden bei den größeren Gegnern, muss aber auch erst einige Sekunden dafür aufgeladen werden. Und schließlich die Elektrokugel, die einen Strahl aus elektrischer Energie weiterleiten kann.

Die Qual der Wahl

Mithilfe unserer Gravity-Gun… äh, unseres Hammers stoßen und ziehen wir die Kugel, mit der wir Schalter drücken, brüchige Mauern einreißen und über Speergruben balancieren. Die Schalterrätsel werden komplizierter und wir müssen den Ball durch Lavagruben steuern, ohne dabei selbst hineinzufallen. Und schließlich tauchen die ersten Mumien auf. Es wird spannender.

Anfangs tauchen sie noch vereinzelt auf und lassen sich mit gezielten Schüssen von der Kugel überrollen – was wohl durch das viele Blut die Altersfreigabe ab 16 begründet –, später erscheinen sie schnell in Horden und drängen uns in die Ecke.

Die KI ist auch nicht blöde. Wählen die Gegner stets den direkten Weg auf den Spieler zu, weichen sie dem Ball geschickt aus. Verschanzen wir uns mit dem Rücken zu einer Wand, schaffen wir es aber mit der Kugel, wie mit einer Keule alles zu zermatschen, was sich uns nähert.

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Ein untoter King Kong und wir haben grad keine Jungfrau zur Hand...
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Im späteren Spielverlauf werden die Gegner robuster und wir müssen mehr Taktik einsetzen. Können sie dann nicht mehr durch die Kugel verletzt werden, beziehen wir die Umgebung mit ein. So ziehen wir zum Beispiel mit dem Ball, den wir vorher in eine Teergrube getunkt haben, Bahnen auf dem Boden und setzen sie dann mit einer Feuerquelle in Brand. Oder wir aktivieren einen Generator, der Blitze auf den Ball überspringen lässt, und positionieren die Kugel dann so, dass die Gegner den Strahl kreuzen müssen. Und seit Ghostbusters wissen wir ja: nicht die Strahlen kreuzen!

Solche Kämpfe gegen die Wächter finden meist auf engem Raum statt und wir müssen stetig in Bewegung bleiben, um nicht von ihrer Kelle erwischt zu werden. Meist schummeln sich auch noch einige Mumien mit ins Kampfgeschehen, die uns dann zusätzlich beharken.

Verlieren wir in einigen Gebieten den Kontakt zu unserem Ball, sei es, dass er in ein Loch fällt oder von einem riesigen Magneten in luftige Höhen gesaugt wird, haben wir Trauer. Denn ohne unsere Kugel sind wir ziemlich hilflos. Treten nun die stöhnenden Toilettenpapier-Männer auf den Plan, müssen wir Fersengeld geben. Wir können notfalls zwar mit dem Hammer die Mumien von uns wegschubsen – und wenn wir Glück haben, landen sie dabei im Wasser oder der Lava –, aber auf Dauer bleibt uns nur, den nächsten Schalter zu suchen, um so schnellstmöglich wieder mit unserer Kugel vereint zu werden.

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Das fröhlichste Empfangskomitee Mexikos.
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Abgesehen davon helfen gegen anstürmende Biester nur unregelmäßig verteilte Fallen: Diese schleudern den Monstern entweder Feuerbälle in die zahnlose Fresse, schießen Stacheln um sich, lassen explosive Bälle regnen oder den Wasserspiegel steigen. Dann heißt es nur noch: nicht selbst erwischen lassen. Zumindest im Wasser ist der Spieler sicher. Denn erstens platzen die Mumien ähnlich wie Kühe im Wasser und zweitens haben wir anscheinend Kiemen.

Abwechslung auf acht Stunden komprimiert

The Ball umfasst eine Kampagne aus acht Levels, die abwechslungsreich gestaltet sind. Laufen wir im Startgebiet noch durch Höhlen und Ruinen, kommen wir später in unterirdische Städte mit immensen Bauwerken. Während zu Beginn noch malerische Bächlein unseren Weg kreuzen, brauchen wir uns später keine Sorgen mehr darüber zu machen, nass zu werden - Lava ist zwar auch zähflüssig, aber nicht nass.

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Wer ist der mysteriöse Wächter? Hilft er uns oder lockt er uns in eine Falle?
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Die einzelnen Abschnitte sind übersichtlich gestaltet, Verlaufen kommt eher selten vor. Teilweise dauert es ein wenig, ein Rätsel zu entschlüsseln, doch irgendwo hört man immer einen Schalter schreien, der gedrückt werden will. Der Verlust des Balls an einigen Stellen ist vorhergesehen und es findet stets ein Wiedersehen statt, manchmal ein sehr dringendes.

Ein interessantes Gimmick sind die Fahrzeuge, die man mit dem Ball betreiben kann. Das sind zum einen eine eher unspektakuläre U-Bahn und zum anderen ein Streitwagen mit riesigen Rädern. Im Abschnitt mit dem Streitwagen muss man zum Beispiel eine große Freifläche überwinden, während man von einem untoten Urzeitvogel mit explodierenden Eiern beworfen wird.

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Die Grafik ist stimmungsvoll. Hinten winken schon die nächsten Gegner.
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Neben den 30 versteckten Geheimnissen in Form von aztekischen Goldköpfen gilt es auch, 17 Achievements zu erspielen. Diese sind nicht sonderlich einfallsreich, außer man hält stures Absolvieren der Level für eine herausragende Leistung oder das Töten von Äffchen für erstrebenswert. Ansonsten gilt es zum Beispiel, den Ball 40 Meter in die Luft zu schlagen, ihn 100 km hinter sich herzuziehen oder einige Meter auf ihm zu balancieren.

Erhält ein Spieler allerdings den Erfolg „Töte 1500 Mumien“, hat er erfolgreich den Survival-Modus entdeckt. Auf vier unterschiedlichen Levels wehrt man sich hier gegen Scharen von Gegnern in insgesamt neun Wellen. Wackeln anfangs noch vereinzelte Käfer auf einen zu, wird man später von den Angreifern buchstäblich überschwemmt.

Die Survival-Levels sind zudem mit mehreren unterschiedlichen Fallen gespickt. Entweder man teilt sich einen engen Raum mit einem mumienfressenden Wurm oder man wählt doch lieber die subtile Herangehensweise mit Sprengfallen.