Sie hatten Recht! Sie hatten schon immer Recht! Die Verschwörungstheorien sind wahr! Also, das mit den Chemtrails ist natürlich Bullshit. Aber sonst? Okay, auch das mit den Reptiloiden ist Blödsinn und dass JFK vom CIA umgelegt wurde ebenso. Aber zumindest geht etwas in der Wüste vor. Nicht in Area 51, sondern in einer anderen geheimen Forschungsanlage in der einsamen Einöde von Nevada. Denn jene wird man in The Assembly erkunden. Und das aus der Perspektive zweier Menschen, die in diesem Komplex arbeiten. Das Game vom Studio nDreams soll dabei eines der Videospiele werden, die zeigen, wie sich Geschichten mit den VR-Headsets Oculus Rift, VIVE und Sony VR erzählen lassen. Das kann durchaus spannend werden.

Die größten wissenschaftlichen Errungenschaften der Menschheit wurden im finsteren Dunkel gemacht. Also in klandestinen Labors, wo Forscher im Namen des Krieges an den Waffen der Zukunft werkelten. Oder bei Projekten, deren Gelder aus schwarzen Kassen flossen. Der Düsenantrieb, der Laser, das Internet, der Mobilfunk, Antibiotika und Sekundenkleber sind Resultate dieses Schaffens. So heißt es zumindest immer wieder. Nur befreit von den einengenden Grenzen der Moral, Ethik und Gesetze wird wahrlich Großes vollbracht.

The Assembly - Es passieren böse Dinge in der Wüste!

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Das Treiben der Wissenschaftler der Forschungsanlage The Assembly erlebt man aus zwei Perspektiven. Nämlich der frisch „rekrutierten“ Madeleine Stone und des Forschungsveterans Cal Pearson, der mittlerweile Zweifel und ethische Bedenken hegt.
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Davon sind zumindest fiktive Forschungsunternehmen wie Black Mesa oder Aperture Laboratories aus Half-Life und Portal überzeugt, die man in beiden Games jedoch nur im Kugelhagel oder als Laborratte erlebt. Wie wäre jedoch, in einem Game selbst Teil der finsteren Wissenschaftsmaschinerie zu sein? Zu erleben, was dort vorgeht, was für Menschen dort arbeiten und warum sie tun, was sie tun? Genau aus dieser simplen aber genialen Idee ist The Assembly entsprungen, was gleichsam der Name eben jenes Geheiminstitutes ist. „Du bist dort Teil der Belegschaft“, erklärt George Kelion von Entwickler nDreams, bevor er mir eine Oculus Rift über den Kopf stülpt. „Du erfährst ihn als ein langjähriger Angestellter und als jemand, der dort seinen ersten Arbeitstag antritt.“

Ähnlich wie Black Mesa oder Aperture ist auch The Assembly vor den Augen der Welt verborgen. Denn kurz nach Spielstart werde ich festgeschnallt auf einem Rollstuhl durch die Wüste gekarrt . Links und rechts kann ich nur sandige Leere ausmachen. Gerade voraus erhebt sich jedoch ein riesiger gelb-roter Felsberg, in den ein dickes Betonportal eingelassen ist. Während sich der Stuhl dem Portal nähert flackern immer wieder spielbare Erinnerungsfetzen und – dank der Brille – eine bedrückend irritierende Schwärze ein. Dabei sitze ich an einem Krankenbett, stehe vor einer Richterbank und schreite auf einen Altar zu. Hierbei wird nicht nur klar, dass ich im Körper der Neurowissenschaftlerin und Virologin Madeleine Stone stecke, die eben ihren ersten Tag bei Assembly vor sich hat. Sondern es wird auch die durchdachte Steuerung erklärt. „Seit wir The Assembly vor zwei Jahren das erste Mal gezeigt haben, haben wir vieles geändert“, sagt Kelion. Denn wie andere VR-Entwickler musste auch das britische Studio feststellen, dass zahlreiche Tester beim Steuern mit dem Controller und dem freien Umherschauen mit der Brille schnell Übelkeit verspürten. „Das war eine Herausforderung“, meint der nDreams-Mann. „Aber wir glauben, wir haben das gelöst.“

Blinzel mal...

Wer mag, der kann in The Assembly immer noch frei mit dem Controller durch Räume gehen. Alternativ bietet sich jedoch auch das sogenannte „Blinzeln“ an. Da wird mit dem Controller eine Projektion der Spielfigur an die gewünschte Zielposition projiziert und dann dorthin teleportiert. Ein Feinjustieren geht dann mit den Sticks. Ähnlich Myst kann man sich so stufenweise umherbewegen, was, wie sich zeigt, für die Augen-Körper-Harmonie tatsächlich weit angenehmer kommt.

The Assembly - Es passieren böse Dinge in der Wüste!

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Zu Beginn muss der Spieler als Madeleine einen Logik-Test absolvieren, bei dem schwebende Würfel durch ein Labyrinth auf verschiedene Platten bugsiert werden. Das ist zwar das erste, aber nicht das letzte schräge Puzzle.
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Denn nur wenig später, nachdem sich das beeindruckend dicke Stahltor des Bunkerbaus quietschend und dampfend öffnete, stecke ich abwechselnd mit Madeleine auch im Körper von Caleb 'Cal' Pearson. „Du wechselst zwischen beiden hin und her“, so Kelion. „Auf diese Weise erlebst du verschiedene Momente, Story-Stränge und Perspektiven.“ Denn gerade während die junge Frau ankommt, will Cal einigen Ungereimtheiten nachspüren, die, wie er in einem inneren Monolog ausführt, selbst für seinen moralisch flexiblen Arbeitgeber unethisch scheinen. Dafür wird durch Büros getigert, Emails von Mitarbeitern gelesen, Schränke und Akten durchstöbert und biologische Proben unterm Mikroskop analysiert. Auch Telefongespräche werden geführt. Das alles lässt unweigerlich etwas an Gone Home, Amnesia, aber auch klassische Point'n'Click-Adventures denken.

The Assembly könnte, anders als viele derzeitige Virtual-Reality-Titel, ein echtes Game statt nur einer Demonstration werden - die Ambitionen sind spür- und sichtbar.Ausblick lesen

Das Schleichen durch die Gänge und Labors ist durchaus spannend und die Umgebungen dank der Unreal Engine 4 nett anzuschauen. Viele Reflexionen, Spiegelungen und unnatürlich „saubere“ Texturen erzeugen eine klinisch sterile Optik, die perfekt zum Szenario passt. Schnell kommt man dabei einem der ersten großen Rätsel auf die Spur. Denn Cal hat an einem Virus namens Cassius geforscht und die Arbeit daran eingestellt. Doch seine Vorgesetzte Dr. Elizabeth Chevez hat ihn übergangen, das Projekt weitergetrieben und den Erreger bei einem Ausbruch der Vogelgrippe auf Calico Island heimlich an der Bevölkerung getestet. Nervig ist nur, dass einen das Game so lange in ein Areal einpfercht, bis dort wirklich jeder kleinste Hinweis gefunden ist.

Dafür ist es dann und wann nötig, mit der VR-Brille auf dem Kopf Verrenkungen zu vollführen oder sich zu neigen, um etwa eine Akte in einem Fach zu erspähen. Da wäre etwas mehr Nachsicht oder Hilfe nett. In recht zackiger Abfolge schaltet das Game dann immer wieder zwischen der etwas gemächlichen Ermittlung von Cal und den eher schnellen Rätsel- und Laufpassagen von Madeleine hin- und her, die sowohl in die Vergangenheit und Gegenwart der Forschungsorganisation graben.

Sind die alle verrückt?

Bevor Madeleine Stone in das eigentliche Arbeitsareal vordringen darf, wird eine Reihe von schrägen Logik-Tests bewältigt. Dabei werden verschiedenfarbige Schwebewürfel durch ein Labyrinth bugsiert, wofür man sich mit dem VR-Klotz auf dem Kopf schon mal über die virtuelle Brüstung lehnen muss. All das, wie aus der Sicht von Cal klar wird, wird von allen Angestellten in einem Kinosaal wie eine Reality-TV-Game-Show oder ein Public-Viewing gespannt verfolgt. Anbei erfährt man, dass die junge Frau nicht unbedingt freiwillig ihr Vorstellungsgespräch hat, sondern von den Headhuntern der Firma entführt und verschleppt wurde. So ging es wohl einigen der Wissenschaftler, denen sie im Spielverlauf begegnet.

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So einige Szenen in The Assembly wirken etwas befremdlich. Wie etwa ein Nachbau einer Familienfeier, bei der Metallpuppen für ein gemeinsames Essen um einen Tisch drapiert sind. Sowieso scheinen die Angestellten und Experimente der Firma nicht ganz koscher.
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„Sie ist die Tochter des Todes“, murmeln dabei einige hinter ihrem Rücken. Denn sowohl Dr. Stone als auch ihre gesamte Familie haben eine düstere Vergangenheit. Madeleine hatte etwa ihre Mutter von einer Hirnerkrankung heilen wollen aber sie damit umgebracht. „Die Geschichte der Assembly ist nur ein Teil der Story“, sagt George Kelion von Entwickler nDreams dazu. „Ebenso wichtig ist, wer die beiden Charaktere sind und warum sie dorthin geholt wurden.“

Die große Innovation in Sachen VR-Gaming ist The Assembly mit all dem nicht. Jedoch zeigt das Game, wie grandios sich bekannte Konzepte mit Virtual Reality intensivieren und erweitern lassen. Dazu macht das bisher Gespielte durchaus Lust, die etwas verstörende Welt weiter zu erforschen; zu sehen, was noch kommt. Vor allem wegen der Kleinigkeiten und versteckten Geschichten, die angeschnitten werden. Auf einem Rechner liest man etwa Emails zweier Wissenschaftler, die sich ineinander verknallt haben. „Und du kannst sie zusammenbringen“, verrät Kelion. „Dann kannst du schauen, was passiert.“

Auf der anderen Seite kann man in Labors schauen und bizarre Menschenversuche und absurde Maschinen erblicken. Und warum liegen eigentlich überall Sandwiches herum? Das alles ruhig zu betrachten und zu untersuchen ist mit der Brille auf dem Kopf schon faszinierend. Wobei mir trotz des angeblich Motion-Sick-sicheren Blinzel-Modus dennoch nach 45 Minuten der Kopf dröhnte und eine Pause einforderte. „Aber wir wollen, dass alle Spaß an The Assembly haben können“, erklärt Kelion. Daher soll das Game zwar zuvorderst für Playstation VR, VIVE und Oculus Rift erscheinen, aber bei der Virtual-Reality-PC-Version auch eine „Flatscreen-Fassung“ enthalten sein, die sich ganz traditionell auf dem TV oder Monitor spielen lässt.