Dass es bei Rennspielen nicht unbedingt nur darum geht, im Kreis zu fahren, wissen Test-Drive-Fans wohl am besten. Möglicherweise war die Kultserie, deren Markenzeichen die zerbrechende Windschutzscheibe im Falle eines Unfalls war, gerade deshalb prädestiniert für ein Spiel in einer offenen Welt.

Dieses Konzept will Eden Games mit der Fortsetzung Test Drive Unlimited 2 nun gehörig ausbauen, wie wir auf Einladung des Publishers Atari bei einer Präsentation mit ausgiebiger Spielmöglichkeit erfuhren.

Test Drive Unlimited 2 - Going Offroad9 weitere Videos

„Wir haben uns die Kritik am ersten Teil genau angesehen“, sagt Vince Farquharson, Executive Producer bei Atari, „und haben nach einer ausgiebigen Analyse unsere Schlüsse daraus gezogen“. Das Resultat dieser Zustandsbetrachtung: Teil 2 des Open-World-Racers soll zum einen die Single- und Multiplayer-Komponenten miteinander vereinen und zu einem untrennbaren Mix verweben: „Bei Test Drive Unlimited 2 gehen der Einzelspieler- und der Mehrspielermodus jetzt ohne sichtbare Grenzen ineinander über, sodass eine dynamische Welt entsteht, in der sich Inhalte und Herausforderungen ständig weiterentwickeln“, so Farquharson.

Im Autohaus dürfen wir Fahrzeug auch mal verlassen.

Zum anderen soll der soziale Aspekt deutlich in den Vordergrund rücken. Betreten wir etwa das Gebäude eines Autohändlers, sehen wir nicht nur eine Spielfigur, sondern steuern sie sogar durch den Ausstellungsraum, führen auf Wunsch Emotes aus. Da uns eine noch recht frühe Version des Spiels in die Hände gedrückt wurde, wirkte das Handling der Figuren noch sehr schwerfällig, die Bewegungen arg hölzern. Hier muss definitiv noch nachgebessert werden. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Ihr werdet als Teil des sogenannten „MyTDU Life“ Clubs (Gilden) gründen können, die gegeneinander Renn-Events austragen, besitzt ein eigenes Haus, eine Yacht, kauft Klamotten, Dekorationen oder verändert die Innenausstattung. Sogar News - und Wetterkanäle des virtuellen Fernsehprogramms drängen sich mit all ihren Infos in den Vordergrund. In allen Bereichen verdient ihr euch Erfahrungspunkte, die euch letztendlich bis Level 70 hieven.

Offene Welt: TDU2 verwischt die Grenzen aus On- und Offline-Spiel.

Atari beschreibt das Ganze als M.O.O.R., also Massively Open Online Racing, das sogar mit einer Rahmenhandlung daherkommt. Reiche Snobs liefern sich auf der Sonneninsel Ibiza Wettkämpfe mit allerlei Supersportwagen, und ihr seid einer von ihnen. Auf über 3.200 km Straßen und Nebenstraßen bringt es die zweite Episode nach offizieller Darstellung, 900 davon stehen als Offroad-Pisten zur Verfügung. Und natürlich fehlen auch entsprechende Fahrzeuge, Rennen und Disziplinen nicht. Da passt es auch, dass ab sofort Matsch auf den Karosserien dargestellt wird.

Die Integration der neuen sozialen Komponenten und Mehrspielermodi scheint gut zu funktionieren, Eden Games hat bis zur Veröffentlichung aber noch einiges zu tun.Ausblick lesen

Bevor wir uns jedoch blindlings in die ersten Rennen stürzen, nehmen wir einen Umweg über die Fahrschule. Ähnlich wie in Gran Turismo weisen wir unsere Renntauglichkeit erst in unterschiedlichen Fahrtests nach, ehe wir tatsächlich an den Wettbewerben teilnehmen dürfen. Sogar ein Fahrlehrer sitzt in diesen Sessions neben unserem Avatar und überwacht die erbrachten Leistungen. Danach geht’s endlich auf in die ersten Wettkämpfe, die alle mehrere Renndisziplinen umfassen: normale Rundenrennen, Verfolgungsjagden, Kontrollpunkte, Blitzer oder auch die Akkumulation einer Höchstgeschwindigkeit über verschiedene Etappen. Wer zusammengerechnet über alle Rennen die meisten Punkte erreicht, gewinnt die Trophäe.

Ab ins MOOR

In unserer Testsession erweisen sich die KI-Fahrer zwar als solide, aber letztendlich nicht allzu schwer zu besiegende Konkurrenz. Dies hängt auch von den gewählten Fahreinstellungen ab, denn Test Drive Unlimited 2 will den größtmöglichen Spagat zwischen Arcade und Simulation ermöglichen und bietet daher drei Fahrstufen an: volle Fahrunterstützung, Sport, Hypersport.

Die Fahrzeuge sind mit viel Liebe zum Detail modelliert.

Die Auswirkungen dieser Einstellungen wirkten sich tatsächlich deutlich auf das Fahrverhalten aus, insbesondere PS-Monster zeigten im Modus Hypersport ein viel bockigeres Temperament und reagierten empfindlicher auf unsere Eingaben. Als besonders unterhaltsam erwiesen sich übrigens die neuen Koop-Modi „Folgen Sie dem Anführer“ und „Abstand halten“.

Für Simulationsfans dürfte interessant sein, dass auch die KI-Fahrer durchaus nicht fehlerlos über den heißen Asphalt brettern, sondern in Kurven mal abschmieren oder mit anderen Vehikeln kollidieren. Dummerweise scheinen Karambolagen mit computergesteuerten Wagen diese kaum bis gar nicht zu beeinflussen, während wir häufig einen Ausflug in die Botanik machten (wo einige Büsche überraschenderweise solide Hindernisse darstellen ...). Insgesamt erwies sich das Handling der Fahrzeuge als sehr eingängig, die Fahrphysik reagierte auch auf unterschiedliche Wetterbedingungen wie Regen.

Weitaus hartnäckiger als die KI-Fahrer in den Rennen präsentierten sich die Cops von Test Drive Unlimited 2. „Es soll diesmal deutlich schwieriger sein, den Polizisten zu entwischen“, erzählt Vince Farquharson - und er soll recht behalten. Drei zähe Minuten lang müssen wir dem Zugriff der bestens motorisierten Gesetzeshüter entgehen.

Drängeln, schubsen, rasen - und nicht ins Röhrchen blasen.

In wahren Horden stürmen sie uns entgegen, rammen uns ungeniert von der Strecke, kesseln den Wagen ein, blockieren ihn, wo es geht. Verwenden sogar EMP-Maßnahmen, um unsere Technik außer Gefecht zu setzen. Erst nach mehreren Anläufen wird klar, dass sie bei der Annäherung häufig einem festen Programm folgen. Einmal durchschaut, wird die Flucht deutlich einfacher, bleibt aber trotzdem spannend. Im Mehrspielermodus dürft ihr übrigens ab drei Spielern in die Rolle der Cops schlüpfen.

Die Integration der unterschiedlichen Features ist Eden Games bereits jetzt sehr gut gelungen, die Verquickung der verschiedenen Spielelemente wie Mehrspieler-, Einzelspielermodus und sozialer Aspekte unter einer Haube hinterlässt einen guten Eindruck. Allerdings bröckelt der Putz noch an einigen Stellen: So kommt es etwa immer wieder zu FPS-Einbrüchen, die Fahrzeuge des normalen Straßenverkehrs ploppen häufig unvermittelt im Geschehen auf (und sorgen so für ungewollte Kollisionen), viele Vehikel wirken noch arg kantig und auch Kantenflimmern blieb unseren Augen nicht verborgen.

Am schwächsten war allerdings die deutsche Vertonung mit lispelnder Sprachausgabe. Laut Atari handelt es sich – natüüürlich - nicht um die finale Synchronisationsfassung.