Als 1984 die ehemaligen Activision-Mitarbieter Alan Miller und Bob Whitehead mit Accolade ihr eigenes Unternehmen gründeten, ahnte wohl noch keiner, dass wenige Jahre später eins ihrer Computerspiele Geschichte schreiben würde. Doch schon 1987 bringt man die Rennspiel-Simulation Test Drive für den C-64 und andere Homecomputersysteme auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt war natürlich noch nicht abzusehen, dass aus dem Arcade-Racer fast zwei Dutzend Nachfolgespiele hervorgehen sollten.

Bevor nun in wenigen Tagen mit Test Drive Unlimited ein neuer Ableger der Traditionsreihe für PC, PS2 und PSP erscheint (für Xbox 360 bereits seit Monaten im Handel), wollen wir euch auf einen kleinen Streifzug durch die Geschichte mitnehmen und die Entwicklung der Serie Revue passieren lassen.

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Die Markenzeichen des Spiels waren schon immer dicke Flitzer, die man über exotische Straßenstrecken von einem Wegpunkt zum nächsten steuerte - natürlich unter Missachtung aller Verkehrsregeln - möglichst ohne sich von den Cops erwischen zu lassen. Diese setzten dem Unterfangen mit Radarfallen und patrouillierenden Streifen einige Hürden in den Weg. Außerdem mussten die Fahrer am Steuer ihrer hochmotorisierten Ferraris, Porsches, Corvettes, TVRs und anderer Sportwagen immer auch auf den Straßenverkehr beachten, der sich als Gegenverkehr, später auch kreuzende Hindernisse oder auch Geisterfahrer entgegenstellte.

Test Drive Unlimited - 20 Jahre Rennspiel-Geschichte: ein Blick zurück auf die Test Drive-Serie.

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Legendär: die Tankstellen.
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Zusätzlich erschwert wurden die Rennaufgaben durch die Tatsache, dass man regelmäßig Wegpunkte in Form von Gas Stations - also Tankstellen - aufsuchen musste. Doch all diese Gameplay-Hindernisse konnten die Spieler nicht davon abhalten, mit den noch so verpixelt daherkommenden Rennfahrzeugen über den Asphalt zu brettern - sie machten und machen schließlich einen Großteil des Reizes der Serie aus. Zwar konnte sie inhaltlich nie mit den Tuning-Features der Konkurrenz eines Need for Speed mithalten, hatte nie so viele Fahrzeuge in der Garage wie Gran Turismo und erst recht nicht dessen realistische Fahrphysik. Trotzdem konnte der Arcade-Racer ganze Spielergenerationen in seinen Bann schlagen.

Woran liegt das? An der Darstellung der zerbrochenen Windschutzscheibe nach Crashes vielleicht, die als Markenzeichen quasi in die Spiele-Geschichte eingegangen ist? Oder doch eher an dem simplen Spielgeschehen, das sich auch in späteren Versionen kaum vom Gameplay der frühen Tage unterschied? Oftmals wurde das Spiel ob seiner simplen Struktur mit dem Arcade-Klassiker Out Run verglichen, doch damit würde man den Test Drive-Spielen unrecht tun. So eindimensional waren sie nie und sind es heute erst recht nicht, wie ein Blick in unseren Xbox 360-Test von Test Drive Unlimited beweist, das vor allem mit einem umfangreichen Online-Modus völlig neue Wege beschreitet.

Test Drive Unlimited - 20 Jahre Rennspiel-Geschichte: ein Blick zurück auf die Test Drive-Serie.

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Die splitternde Frontscheibe gilt als Markenzeichen der Serie.
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Aus wirtschaftlicher Sicht logisch war, dass nach dem Erfolg des Erstlings schon 1989 der erste Ableger Test Drive II: The Duel auf den Markt kam. Es war wie der spartanische Vorgänger recht mäßig mit Inhalten ausgestattet. Nur wenig später zeigte sich warum: Gleich eine ganze Palette von Erweiterungsspielen (auf Disketten!), so genannte Scenery Disks (California Challenge, Musclecars, The Supercars, European Challenge) nahmen den Trend heutiger Tage zu Micropayment-Addons voraus und zielten damit auf die Kaufkraft der Gamer, auf die sich die noch in der Entstehung befindliche Spieleindustrie geradezu stürzte.

Ein Jahr später erschien zwar Teil drei Test Drive III: The Passion, allerdings nur als DOS-Version und daher nur wenig beachtet. Schließlich waren zu dieser Zeit Homecomputer wie Amiga noch die dominierenden Spielekisten, PCs steckten diesbezüglich erst in den Anfängen.

Möglicherweise lag es auch daran und an dem schleichenden Wachwechsel hin zum PC als Spieleplattform, dass erst 1997 Test Drive 4 erschien, diesmal für Windows und erstmals auch für Konsole: die PlayStation. Ausgestattet mit einer für die Serie stattlichen Anzahl an (vorwiegend amerikanischen) Fahrzeugen und Strecken sowie mehr Spiel-Modi als je zuvor, sollte es die Herzen der Rennspielfans (zurück)erobern. In der Zwischenzeit hatten sich aber bereits weitere Serien wie NFS und Gran Turismo etabliert und machten Test Drive das Leben schwer.

Die Entwickler hatten sich spieltechnisch nicht vom Grundkonzept des Originals wegbewegt, aber trotzdem (oder gerade deshalb?) ließ TD4 zu wünschen übrig. Vor allem die Steuerung "fühlte" sich damals nicht wirklich toll an und reagierte hypersensitiv auf die Spielereingaben. Darüber hinaus wirkte der Soundtrack mehr als veraltet.

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Test Drive 2 verhalf den Addons zum Durchbruch - hier die Muscle Cars.
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Bis zur nächsten Ausgabe mussten Fans der Serie diesmal keine sieben Jahre mehr warten: Schon 1998 wurde Test Drive 5 auf die wartende Spielerschaft losgelassen, das erneut für PC und PSX veröffentlicht wurde. Wieder konkurrierte es u. a. mit den Produkten aus dem Hause Electronic Arts (Need for Speed 3). Zwar konnte man diesmal mit 28 mehr oder weniger heißen Rennern den Konkurrenten übertrumpfen, fiel aber in fast allen anderen Bereichen zurück, da einfach zu viel Durchschnittskost geboten wurde. Schwächen offenbarten beispielsweise merkwürdige Physikfehler, ein kaum vorhandenes Geschwindigkeitsgefühl, erneut schwache (Motoren-)Sounds und einen viel zu hohen Schwierigkeitsgrad, der die virtuellen Rennfahrer fast in den Wahnsinn trieb.

Das alles hinderte aber den neuen Rechteinhaber Infogrames nicht, wiederum ein Jahr später Test Drive 6 (PC & PSX) auf den Markt zu bringen. Allerdings schien 1999 die Zeit für Test Drive abgelaufen zu sein. Das Spiel konnte in keiner Kategorie der Konkurrenz Paroli bieten und enttäuschte mit veralteter Grafik, schlechtem Design und einer ganzen Reihe von Gameplay-Schwächen und vergraulte damit auch die treuesten Fans. Zwar wurde versucht, mit neuen Features wie Tuning-Möglichkeiten das Gameplay aufzufrischen, doch viele andere Problemchen wie KI-Fehler machten das Spielen zum Frusterlebnis. Vor allem das im selben Jahr erschienene Gran Turismo 2 war dem Spiel in praktisch allen Belangen überlegen, auch wenn der Vergleich zwischen dem actionreichen Arcade-Racer und einer ausgewachsenen Simulation sicher etwas hinkt.

Test Drive Unlimited - 20 Jahre Rennspiel-Geschichte: ein Blick zurück auf die Test Drive-Serie.

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Eines der zahlreichen Spin-offs: Test Drive - Eve of Destruction.
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Was in den folgenden Jahren (und auch zuvor vereinzelt) folgte, waren eine ganze Reihe von Spinoffs - Fortsetzungen der Serie mit anderen spielerischen Schwerpunkten. Viele davon versanken erneut im Mittelmaß, so beispielsweise Test Drive Overdrive, Test Drive 2001, Test Drive: Eve of Destruction oder Test Drive: Off-Road 1-3, die zwischen 2000 und 2004 erschienen. Eine große Ausnahme bildete das absolut gelungene Test Drive Le Mans (1999 bzw. 2000), welches das weltberühmte 24-Stundenrennen in den Mittelpunkt rückte. Nur leider hatte das Spiel einen kleinen Schönheitsfehler: Die weitaus beste Version wurde für den Dreamcast angefertigt, der sich auf dem Massenmarkt nicht durchsetzen konnte.

Und 2007 schließt sich der Kreis einer nun bereits 20-jährigen Rennspielgeschichte. 20 Jahre nach der Originalversion auf der legendären "Brotkiste" erscheint mit Test Drive Unlimited unter Atari-Lizenz wieder ein neues Spiel der Serie. Mit vielen neuen Features, einem brandneuen Online-Modus, superber Grafik und tollem Sound sollen sich die Fans von dem neuen Konzept überzeugen lassen. Xbox 360-Spieler dürfen schon seit Monaten ihre Runden auf Hawaii drehen. Wie gut die PC-Fassung geworden ist, könnt ihr in Kürze bei gamona lesen!