Denis BrownRot, rot, rot. Ne andere Lackfarbe haben sie bei Ferrari nicht. Stimmt nicht ganz, aber im Groben kommt es hin, schließlich soll die aggressive Farbgebung die wilde, ungezügelte Natur der italienischen Sportflitzer unterstreichen. Ein Temperament, das die Entwickler von Slightly Mad ein wenig zu sehr in den Vordergrund rückten, als sie Test Drive: Ferrari Legend programmierten.
Trotz gewisser guter Ansätze sollten selbst Ferrari-Fans vor dem Erwerb ausgiebig probespielen.FazitUngezügelt ist die beste Umschreibung, die mir einfällt. Ich hatte noch nicht die Ehre, einen echten Ferrari zu fahren, aber in jedem einzelnen Rennspiel, egal ob realistisch oder nach Spielhallentradition, steuert er sich grundsätzlich wie eine Kuh auf Glatteis. Wendekreis unter ferner liefen, Kurvenstabilität quasi nicht vorhanden.
Wer nicht in enge Kurven driftet, fliegt sofort von der Strecke oder wird zum schleichenden Hindernis. So einen Ferrari zu fahren ist zumindest für mich furchtbar anstrengend. Segas kultigen Spielautomaten „Ferrari F355“ genoss ich beispielsweise nur mit sämtlichen Fahrhilfen auf Anschlag.
Und dann das: Test Drive Ferrari Legends. Ein Rennspiel voller Ferraris. Nein, ausschließlich mit Ferraris. Ganz schön gewagt von den Slightly Mad Studios. Need for Speed: Porsche, Beetle Adventure Racing und ähnliche herstellerexklusive Rennspiele sollten doch gezeigt haben, dass man mit solchen Entscheidungen höchstens den Kundenkreis eingrenzt.
Zwar stehen genau fünfzig unterschiedliche Modelle zur Verfügung, angefangen bei frühen Boliden aus den Fünfzigerjahren bis hin zu aktuellen Prototypen, aber Ferrari bleibt Ferrari bleibt Ferrari. Ein Enzo mag sich nicht fahren wie ein Testarossa und doch teilen sie die gleiche Widerspenstigkeit, das gleiche „Hauptsache schnell auf der Geraden“-Fahrgefühl.
Alles dreht sich um die roten Flitzer aus Maranello.Es ist jedenfalls sehr bemerkenswert, dass sich die uralten Karossen aus der zweiten Mercedes-Silberpfeil-Ära besser steuern, präziser in den Kurven liegen und schlichtweg spaßiger fahren als so eine knallrote Speed-Flunder der Neuzeit. Wenn man denn den Programmierern des neuen Test Drive Glauben schenkt.
Drei Zeitperioden stellen sie Ferrari-Fans parallel zur Verfügung, die einen Vergleich der Fahrzeuge erleichtern. Die goldene Ära von 1947 bis 1973, die silberne Ära von '74 bis '90 und die moderne Ära von '90 bis heute. In jeder heuert man als virtueller Testfahrer für den berühmten Rennstall an und soll (retrospektiv) neue Modelle auf diversen Kursen an ihre Grenzen führen. Mal im Zeitfahren, mal in direkten Vergleichen, aber nie in offiziellen, gesponserten Veranstaltungen oder in großen Ligen.
Hier soll man einen neuen Kursrekord aufstellen, da eine bestimmte Durchschnittszeit einhalten und ein andermal schlicht sämtliche anderen Testfahrer überholen. Eigenes Tuning oder sonstige Vorbereitungen fallen somit flach, das übernimmt alles der Rennstall, der ja die Ergebnisse seiner Mühen ausloten möchte.
Natürlich erwarten euch haufenweise Ferraris.Na gut, das ist mal ein neuer Ansatz, auch wenn er genauso im schlichten Abklappern von Events endet wie bei vielen anderen Rennspielen. Es ärgert jedoch ungemein, dass diese eng eingegrenzten Veranstaltungen allesamt linear abgearbeitet werden müssen, da spätere Rennen vorerst gesperrt sind. Schafft man eine Aufgabe nicht, völlig gleich aus welchem Grund, bleibt innerhalb einer Ära keine Ausweichmöglichkeit.
Das gilt übrigens auch für einen Großteil der Strecken. Monza und Silverstone grast man gefühlte hundertmal ab. In späteren Zeitperioden darf's dann auch der Hockenheimring sein. Bevor man spektakulärere Umgebungen wie etwa die französische Küste bei Monaco zu Gesicht bekommt, vergehen viele Spielstunden. Selbst schnelle Rennen und Online-Begegnungen auf gesperrten Kursen bleiben Tabu, bis man sie in der Karriere freigespielt hat.
von Big Ben Interactive, Slightly Mad Studios
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Diablo 3
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