Eigentlich darf man von einer Spielserie, die schon auf eine Vergangenheit von einem halben Dutzend Games in elf Jahren zurückblicken kann, eine gewisse Weiterentwicklung erwarten - sowohl spielerisch als auch technisch. Das gilt erst recht, wenn der Titel auf der Xbox 360 erscheint, mit der ja vor allem technischer Fortschritt assoziiert wird. Doch bei Tenchu Z ist davon so gut wie nichts zu bemerken. Das Spieldesign erinnert an die Videospielsteinzeit und auch die Optik bewegt sich eher auf PlayStation 2-Niveau anstatt mit Next-Gen-Grafik für Augenschmaus zu sorgen. Dass dies aber nicht die einzigen Gründe für ein unspannendes, uninspiriertes und oftmals sogar lausiges Ninja-Abenteuer sind, haben wir während unserer Geheimoperation für euch aufgedeckt.

Mythologischer Serienmörder
Zur Hintergrundgeschichte gibt es trotz der jahrzehntealten Spieleserie nicht viel zu sagen: Ihr seid ein unbekannter Ninja, der die Machenschaften eines bösen Geschäftsmannes durchkreuzen soll. Bis ihr diesem allerdings an die Gurgel gehen könnt, müsst ihr ganze 50 Missionen absolvieren. Das hört sich nach einer ganzen Menge Abenteuer an, erweist sich in der Realität aber leider schnell als Mogelpackung.

Warum? Nun, zum einen sind die Missionen so abwechslungsreich wie eine 300 Gramm-Tafel Schokolade - wobei diese wenigstens von Anfang bis Ende gut schmeckt. Bei Tenchu Z vergeht einem aber ziemlich schnell der Appetit, weil die Aufträge immer gleich gestrickt sind: Tötet Händler X, deaktiviert 10 Bomben, sammelt Infos - was in der Praxis auf immer die gleichen Handlungsmuster hinausläuft.

Tenchu Z - Da erröten selbst Tenchu-Fans vor Scham: Dieses Spiel ist eines Ninjas nicht würdig

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Wer sich den ganzen Ärger ersparen will, klettert einfach über die Dächer bis ans Ende des Levels ...
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Zunächst verströmt das Ganze ja noch einen halbwegs spannenden Eindruck, wenn man durch die Dunkelheit schleicht und dabei möglichst unentdeckt bleiben soll. Ihr müsst dabei Wachen umgehen oder sie hinterrücks ausschalten, allerdings macht es praktisch keinen Unterschied, ob ihr sie killt oder lediglich ausknockt - abgesehen von eurem Punktekonto. Wenn ihr dem vorgegebenen Gameplay folgt und eure Ziele mit äußerster Vorsicht anpeilt, kommt sogar so etwas wie Spannung auf.

Das Dumme ist nur - man kommt auch problemlos durch die meisten Missionen, wenn man einfach durchrennt! So ist es ohne weiteres möglich, an allen Wachen vorbeizusprinten, um am Ende des Levels das Opfer zu meucheln oder ein bestimmtes Zielgebiet (z. B. eine Brücke) zu erreichen. Dafür erhält man zwar kaum bis gar keine Punkte, aber die Mission ist dadurch trotzdem erfolgreich absolviert. Auf die fehlenden Punkte kann man nämlich getrost verzichten, sind sie im Endeffekt doch ziemlich wertlos.

Packshot zu Tenchu ZTenchu ZErschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Wertloses Punktesystem
Mit diesen Punkten kann man zwar neue Fertigkeiten und Fähigkeiten, Objekte und Kleidung einkaufen. Doch diese haben praktisch keinen Einfluss auf das Spielgeschehen und ihr Erwerb ist daher im Grunde vertane Liebesmüh. Doch selbst wenn sie die Spielfigur tatsächlich aufwerten würden - einen Unterschied würdet ihr nicht bemerken. Zum einen wegen der bereits beschrieben Designschwäche der Levels, zum anderen weil die KI-Gegner euch das gar nicht abverlangen. Sie sind nämlich strunzdumm.

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Solche Situationen sollte ein Ninja eigentlich vermeiden, gilt es doch unentdeckt zu bleiben.
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So kann es passieren, dass sie euch zwar aus großer Entfernung entdecken (obwohl ihr laut Tarnungsanzeige sehr gut verborgen seid), die Verfolgung aber schon aufgeben, wenn ihr ums nächste Eck rennt oder ein Häuserdach erklimmt. Schon nach wenigen Sekunden haben sie sogar vergessen, dass es euch gibt und nachdem sie euch den Rücken zugedreht haben, erhalten sie als gerechte Strafe das Katana in den Rücken gerammt. Die für heutige Verhältnisse lächerlich animierte Blutfontäne setzt dieser Farce schließlich noch die Krone auf.

Hanebüchenes Blut ließe sich aber noch ertragen, wenn der Rest stimmig wäre - ist er aber nicht. Zu den spieltechnischen Schwächen gesellen sich nämlich auch noch jede Menge technischer Sünden, wie beispielsweise eine Optik, bei der selbst die betagte Playstation 2 oft noch locker mithalten kann - von Next-Gen ist weit und breit nur selten etwas zu sehen. Ein Graus ist auch die Steuerung: ständig bleibt man mit seinem Ninja an irgendwelchen Ecken und Kanten hängen, die nervig nachschleichende Kameraperspektive stört bei fast allen Bewegungen (vor allem in engen Räumen), zudem sind die Kämpfe selbst hakelig ohne Ende.

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Nein, dieses Bild haben wir nicht manipuliert, diese Masken gibt's in Tenchu Z wirklich!
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Schon das Ziehen des eigenen Schwertes gelingt nicht in allen Situationen flüssig, der Rest besteht aus verzweifeltem Button-Mashing, bei dem man hofft, den einen oder anderen Treffer zu landen. Was auch daran liegt, dass sich die Gegner entweder außer Sichtweite befinden oder man nicht genug Feedback erhält, ob der Gegner nun getroffen oder doch schon tot ist. Andere Fehler, wie durch Wände fallende Schatten, müssen da fast gar nicht mehr erwähnt werden.

Technik, die nicht begeistert
Lachhaft ist zudem die Missionsauswahl selbst: Mehrmals muss der Start der Mission bestätigt werden, scheitert ihr (aus welchem Grunde auch immer) doch einmal, verschlägt es euch sogleich wieder ins Ausgangsmenü und ihr müsst die ganze dämliche Prozedur inklusive Ladescreens wieder über euch ergehen lassen. Wer denkt sich so einen Quark aus? Ziemlich missglückt ist zudem die Belegung des rechten Schulterbuttons für die eigentlich wichtigste Aktion, das Schleichen. Will man sich getarnt vorwärts bewegen oder in Deckung verharren, muss die Taste ständig gedrückt gehalten werden.

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Schneller als der Schatten ist nur Lucky Luke? Sagt wer?
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Warum genügt dafür nicht einmaliges Drücken fürs Aktivieren/Deaktivieren? Fragen über Fragen, die alle an der Spielbarkeit des Ninja-Abenteuers zweifeln lassen. Nur bruchstückhaft wurde übrigens der Multiplayermodus integriert, der zwar immerhin kooperative Abenteuer für bis zu vier Gamer via Xbox Live erlaubt, aber keine Deathmatch-Partien anbietet. Allerdings handelt es sich dabei um dieselben Missionen, die man auch in der Singleplayerkampagne spielt.