Sensibilität gehört nicht zu den Stärken der meisten Publisher. Ein Zeugnis dafür legen die meisten Werbesprüche auf der Rückseite der Verpackungen ab. Das führt oft zu schweren Herzrhythmusstörungen bei besorgten Bürgern, die sich durchaus vorstellen können, dass ein Spiel, das „taktische Zerstückelung“ wie Dead Space verspricht, negative Auswirkungen auf die Psyche ihrer Sprösslinge hat. Sicher gehört Klappern zum Handwerk – Fingerspitzengefühl allerdings auch.

Wenn nun gerade dieser Tage jemand im Geschäft wahllos ins Regal greift, „Tenchu – Shadow Assassins“ heraus zieht und die Sätze „Erdrosseln oder Genick brechen? Meistern Sie 13 tödliche Techniken mit Ihrer Wii-Fernbedienung“ liest, kann man schon erahnen, mit welcher gespielten Erregung und ehrlicher Freude Pfeiffer und Konsorten in einer beliebigen Diskussionsrunde im Aufregfernsehen ein solches Spiel als Corpus Delicti präsentieren würden.

Tenchu: Shadow Assassins - Rikimaru Killing TrailerEin weiteres Video

Dabei stimmt das ja alles: Man kann Genicke brechen, Gegner erstechen, sie ertränken und so einiges mehr. Je nach Umgebung sucht sich der bekannte Ninja eine passende Meuchelmethode aus und schaltet dann ganz leise und hinterlistig die unaufmerksamen Wachen aus. Immerhin: Der Assassine entschuldigt sich, ganz Gentlemen, beim Tötungsakt noch höflich. So ist er halt, der nette Ninja.

Tenchu: Shadow Assassins - Erdrosseln oder Genick brechen? Ninjas jenseits der Geschmacksgrenze

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Hannibal Lecter hatte in jungen Jahren eine Anstellung als Ninja.
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Was uns die Packungsrückseite jedoch verschweigt, ist die Tatsache, dass es sich bei all dem Meucheln und Morden um eine Art Quicktime-Event handelt, nur eben für die Wii. Statt also im richtigen Moment die entsprechende Tastenkombination eingeben zu müssen, wie man das von anderen Konsolen kennt, muss hier eine bestimmte Bewegung zum rechten Zeitpunkt ausgeführt werden.

Sollten immer noch Erziehungsberechtigten ob der im Eingangsteil erwähnten Androhung des Spiels in eine Schockstarre vor dem Bildschirm fallen, hier nun die Entwarnung: keine Angst! Hier wird nur vermittelt, wie man eine Wiimote schüttelt oder schnell nach vorne bewegt. Denn die verschiedenen „tödlichen Techniken“ sind im Endergebnis nur minimal zu unterscheiden.

Packshot zu Tenchu: Shadow AssassinsTenchu: Shadow AssassinsErschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Dabei geht es in Tenchu: Shadow Assassins vorrangig darum, als Ninja unentdeckt zu bleiben – das Töten passiert eher en passant. Schatten müssen genutzt werden, Büsche dienen als Versteck, um sich ungesehen fortzubewegen. Ist die Beleuchtung zu hell, kann man Kerzen und Lampen auspusten, um so für die schützende Dunkelheit zu sorgen. Wird man entdeckt heißt es: ab an den Anfang des Abschnitts.

Tenchu: Shadow Assassins - Erdrosseln oder Genick brechen? Ninjas jenseits der Geschmacksgrenze

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Das Geld für einen gescheiten Frisör muss der junge Killer auf nicht sehr ehrenhafte Weise beschaffen.
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Das passiert oft. Nicht immer ist klar, wie und wo die Wächter stehen, denn die Kamera ist nicht separat zu steuern und eine unübersichtliche Kreuzung kann so schnell zur Falle werden. Schlimmer noch: Nach jedem verpatzen Schwertkampf steht man ebenfalls wieder am Level-Eingang – und hier beginnt der frustrierendste Teil des Ninja-Daseins.

Denn der Kampf ist eine Zumutung. Zunächst muss man die Schwerthiebe des Gegners abwehren, was bereits einige Probleme bereitet. In einem korrekten Winkel soll die Wiimote gehalten werden, um Treffer zu vermeiden. Einer reicht bereits, um wieder am berühmten Ausgangspunkt zu landen. Das passiert schneller, als man denkt, denn das Einhalten des vorgegebenen Winkels ist mehr Glückssache als tatsächliches Können.

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Für Assassine gibt es leider keine Schlechtwetterzulage.
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Innerhalb nur weniger Nanosekunden blinkt die gewünschte Handhaltung auf, langsame Gemüter haben keine Chance. Doch auch wer schnell agiert, muss die Wiimote exakt in der gezeigten Position halten – ein paar Grad Abweichung und schon ist der Kampf gescheitert. Zudem passt das Kampfgeschehen nicht zu der Haltung, die man mit der Wiimote einnehmen soll: Der Schurke auf dem Bildschirm holt links aus, die Wiimote soll aber nach rechts gedreht werden. Das sorgt für Verwirrung.

Ein ordentliches Stealth-Spiel – Kämpfen und Meucheln sind allerdings Geduldsproben jenseits der Toleranzschwelle.Fazit lesen

Also mal wieder kein Spiel mit einem gescheiten Schwertkampf. Allerdings wünscht man sich das von den meisten Games bevorzugte Wiimote-Geschüttel bei dieser verhunzten Steuerung zurück. Es braucht viel Geduld und vor allem Präzision, um sich durch die Kämpfe zu lavieren – Spaß machen diese zu keinem Zeitpunkt.

Als Belohnung erhält der Ninja mit der ruhigen Hand ein durchaus ansprechendes Ambiente im feudalen Japan, einen tatsächlich gelungenen Soundtrack und ein nettes Adventure mit viel Stealth-Flair. Das Verstecken und aus dem Hinterhalt Angreifen ist dann auch das Beste an Tenchu: Shadow Assassin.