14. September 2012, irgendwo bei einem deutschen Spielehändler: „Einmal Fratzengulasch für vier mit Soße, bitte! Nee, nimm nicht die Industriesoße vom Fließband. Hau ordentlich was von dem über zwölf Jahre gereiften Zeug drauf. Ich will mir doch nicht den Magen verderben mit irgendwelchem Backenfutter.“ „So, bitteschön: Einmal Tekken Tag Tournament 2. Viel Spaß damit.“

Tekken Tag Tournament 2 - VGA 2011 Trailer10 weitere Videos

Noch zwei Monate, dann werden sich Situationen wie diese tausendfach in Deutschland abspielen. Dann hat die lange Wartezeit von zwölf Jahren endlich ein Ende. Dann brauchen „TTT“-Fans sich nicht mehr mit HD-aufgewärmten Neuauflagen und Cross-over-Prügeleien zufriedengeben. Mit stolzer Brust werden sie den leiderprobten „Diablo“-Kultisten entgegentreten und verkünden: „Ihr wisst nichts über das Grauen des Wartens. Wir haben noch länger in die Leere gestarrt als ihr.“

Menschen, Tiere, Sensationen

Diese stoische Geduld wird „Tekken Tag Tournament 2“ vor allem in Form von geballtem Content belohnen. Über 50 Charaktere werden ihren Weg ins Turnier finden. Der eine oder andere von ihnen wird sich bereits zum Release als kostenloser Download in die Kämpferreihen eingliedern. Bei einigen dieser Charaktere handelt es sich um Altbekannte, die den Kampfstil beliebter Helden imitieren.

Die spektakulärste Rückkehr in diesem Zusammenhang dürfte die des Sauriers Alex darstellen, der das gleiche Schlagrepertoire beherrscht wie das Känguruh Roger. Auch nicht zu verachten ist der Capoeira-Zuhälter Tiger Jackson, der wie der Afro-Bruder von Eddy Gordo aussieht. Prototype Jack (von Freunden liebevoll P. Jack genannt) feiert sein Comeback nach zwölf Jahren Abstinenz. Neu unter den vier kostenlosen Charakteren ist Forest Law, dessen Kung-Fu stark an das von Papa Marshall Law erinnert.

Tekken Tag Tournament 2 - TTT: Tigerwrestler, Teamgeist und Trash

alle Bilderstrecken
Tekken gibt sich wie immer sexy.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 104/1071/107

Auch in puncto Stages setzt „TTT2“ auf eine ausgewogene Mischung aus liebgewonnenen Klassikern und neuen Schauplätzen, von denen einige ebenfalls als kostenloser Download erhältlich sein werden. Das Repertoire an Arenen reicht wie gewohnt von der Kategorie „abgedrehte Scheiße“ bis hin zu „Hier will ich Urlaub machen!“.

Packshot zu Tekken Tag Tournament 2Tekken Tag Tournament 2Erschienen für PS3, Xbox 360 und Wii U kaufen: ab 18,95€

Mal schlagt ihr euch in Snoop Dogs „Bling Bling“-Stage das Ice aus den Visagen. Ein anderes Mal findet die vierköpfige Massenschlägerei vor der Kulisse eines mittelalterlichen Marktes in Deutschland statt, auf dem sogar die Bremer Stadtmusikanten kurz vorbeischauen.

Rasant wie eh und je, umfangreich wie nie: ein nahezu perfektes Beat-'em-up-Erlebnis.Ausblick lesen

Wie in anderen „Tekken“-Ablegern auch besitzen einige Schauplätze poröse Wände und Böden, durch die ihr euren Kontrahenten prügeln könnt. Neu daran ist, dass ihr den Kontrahenten nach seinem Fall direkt weiter mit Kombos eindecken könnt. Denn unten wartet euer Teamkamerad, der den Rivalen per Volley-Kick annimmt wie eine perfekte Flanke und ihm noch ein paar Backpfeifen mit auf den Weg gibt.

Tag-Team-Taktiken

Solche neuartigen Koop-Manöver finden sich noch an anderer Stelle, zumindest wenn man genauer hinschaut. Denn auf den ersten Blick fußt das Beat-'em-up-Fest auf den Urprinzipien von „Tekken Tag Tournament“. Die Spieler treten mit jeweils zwei Charakteren gegeneinander an. Wer die Herausforderung sucht, kann auch alleine gegen ein Team antreten. Für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt bei diesen Schlägereien die Tatsache, dass der Einzelkämpfer mehr Schaden verursacht und sein Energiebalken sich langsam selbst regeneriert.

Habt ihr euch für ein klassisches Tag-Team-Match entschieden, an dem übrigens bis zu vier Spieler teilnehmen können, dürft ihr jederzeit per Knopfdruck zwischen den Kämpfern hin und her wechseln. Nicht nur praktisch, um den Gegner zu überraschen, sondern auch um den Energiebalken wieder etwas aufzufrischen. Der Kampf ist beendet, sobald einer der Teilnehmer zu Boden geht. So weit, so altbekannt.

Neu an den Massenschlägereien sind kleinere Kniffe und Tricks, die Harada-sans Mannschaft in „TTT2“ untergebracht hat. Wie zum Beispiel die Tag-Kombos, bei denen eure Kämpfer sich nahtlos die Klinke beziehungsweise den Körper des Feindes in die Faust geben und Komboketten hinlegen. Ihr könnt euren Partner beispielsweise kurz vor einem Wurf zu Hilfe rufen. Der Kollege übernimmt dann einfach nahtlos, deckt den Feind mit Schlägen ein oder bringt eine spezielle Attacke zum Einsatz.

Das neue Tag-Crash-Feature erlaubt es hingegen, euren Partner in letzter Sekunde um Beistand zu bitten – selbst wenn ihr gerade am Boden liegt und mit Schlägen eingedeckt werdet. Die aufgebohrte „Tekken 6“-Engine des Spiels macht es möglich, alle vier Charaktere gleichzeitig auf dem Bildschirm dabei zu bestaunen, wie sie derartige Teamangriffe aufs Parkett legen.

Tekken Tag Tournament 2 - TTT: Tigerwrestler, Teamgeist und Trash

alle Bilderstrecken
Bärig: Wer allein kämpft, kriegt Boni, um die Unterzahl auszugleichen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder

Doch „TTT2“ baut nicht nur auf bestehenden Konzepten des Vorgängers auf, es bedient sich auch aus der Abteilung „Iron Fist“. So werden die zahlreichen Custom-Funktionen aus „Tekken 6“ auch in der „TTT“-Welt Modefans um den Schlaf bringen. Im Gegensatz zum letzten Ableger der Reihe sind einige Kostüme und Accessoires allerdings nicht nur kosmetischer Natur. Gegen In-Game-Währung könnt ihr spezielle Gegenstände kaufen, die sogenannte Item-Moves ermöglichen.

Wie wäre es beispielsweise mit einem überdimensionalen Hammerhut, mit dem ihr euren Kontrahenten in den Boden rammen könnt wie einen Nagel? Oder mit einem abgerichteten Kampfhuhn, das Herrchens Feind in die Waden pickt? Vielleicht steht ihr aber auch auf „konventionellere“ Utensilien wie Schusswaffen, Raketenwerfer oder Schlagstöcke?

Lernen, lernen, popernen

Der Umgang mit derartigem Werkzeug will natürlich gelernt sein. Aus diesem Grund beinhaltet „Tekken Tag Tournament 2“ einen aufgebohrten Tutorial-Modus namens Fight Lab. Er richtet sich sowohl an Neulinge, die sich mit der „Tekken“-Materie noch nicht auskennen, als auch an Fortgeschrittene. Letztgenannte Fraktion lockt der Modus mit Minispielen, tieferen Einblicken in die Geschichten hinter den Charakteren und freischaltbaren Moves.

Der „Fight Lab“-Modus kommt sogar mit einer eigenen Handlung daher, die sich um den Wissenschaftler Violet dreht, der den ultimativen Kampfroboter kreieren will. Bei einer Routineuntersuchung seines blechernen Lieblings löscht er aus Versehen die Festplatte der Maschine. Eure Aufgabe ist es, in die Rolle des Roboters zu schlüpfen und Violet dabei zu helfen, den Prügelkasten neu zu programmieren.

Heraus kommt eine Kampfmaschine, deren Fähigkeiten auf euren Vorlieben beruhen. Denn ihr bestimmt, welche Moves ins Repertoire des Roboters aufgenommen werden. Der so generierte Blechkasten kann sogar abgespeichert und in Online-Kämpfen eingesetzt werden. Mal sehen, wie sich die Armee der virtuellen Klonkrieger auf das Balancing der Multiplayer-Duelle auswirken werden.

Tekken Tag Tournament 2 - TTT: Tigerwrestler, Teamgeist und Trash

alle Bilderstrecken
Der Trainingsmodus hat sogar seine eigene Story.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 104/1071/107

Hübsch werden diese Begegnungen definitiv ausfallen. Harada-san und sein Team haben besonders hart an den Animationen gearbeitet, die bei „Tekken 6“ zuweilen noch ungelenk wirkten. Die Framerate „leidet“ unter diesen Verbesserungen kein bisschen. Das Spiel läuft gewohnt flüssig und rasant auf 60 Bildern pro Sekunde.