Obwohl die Playstation 3 schon seit vielen Jahren auf dem Markt ist, lassen Vertreter typischer „Zugpferde“ lange auf sich warten. Ein Beispiel dafür ist sicherlich Gran Turismo 5, ein anderes aber eben auch die PS3-Neuauflage der Tekken-Serie. Letztere liegt nun endlich vor und muss sich gegen Konkurrenztitel wie Soul Calibur und Virtua Fighter durchsetzen. Ob Tekken 6 das erhoffte Prügeljuwel ist, klären wir im Test.

Tekken 6 - Komplettes Intro in HD21 weitere Videos

Technische Massenware

Obwohl Tekken 6 als Spielhallenautomat schon lange besteht, ließ man sich mit der PS3-Umsetzung sehr viel Zeit. Doch woran liegt das eigentlich? Zum einen hat die Konsolenfassung einen exklusiven Kampagnenmodus spendiert bekommen, der die Spielerfahrung weit über die eines typischen Prügelspiels hinaus erweitern soll, zum anderen musste Tekken 6 so flexibel portiert werden, dass es sowohl auf der PS3 als auch auf der Xbox 360 laufen würde. Ein Umstand, der aus Sicht der PS3-Fraktion zu Recht mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde.

Tekken 6 - Jetzt gibt's Dresche!

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Wie immer ziehen die weiblichen Charaktere dank knapper Bekleidung die Aufmerksamkeit auf sich.
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Als Entwickler zeichnet sich nämlich typischerweise Namco Bandai verantwortlich, ein Studio, das dafür bekannt ist, das Potenzial einer Plattform zu 100% auszuschöpfen und technische Meisterstücke hervorzubringen. Als gute Beispiele dafür wären „Tekken – Dark Resurrection“ für PSP oder einer der ersten PS3-Titel „Ridge Racer 7“ zu nennen, die technisch beide hervorragend sind. Da die Tekken-Serie in der sechsten Generation jedoch nicht mehr PS3-exklusiv erscheint, musste das Spiel auch technisch abstrahiert werden und konnte nicht mehr so hardwarenah und -spezifisch entwickelt werden. Das Ergebnis ist ein Titel, der zwar insgesamt solide wirkt, technisch jedoch keine neuen Maßstäbe setzt.

Erfreulich ist zunächst die große Auswahl an Kämpfern, die 34 alte Bekannte und sechs Neuzugänge umfasst und bereits beim ersten Spielen im vollen Umfang zur Verfügung steht. Obwohl das Angebot sehr üppig ist, spielen sich alle Charaktere recht unterschiedlich. Vom gewaltigen und trägen Raufbold bis zur filigranen, flinken Kampfschönheit ist das Spektrum recht groß und lädt zum Experimentieren ein. Jedem Charakter wurden zwei gänzlich unterschiedliche Outfits spendiert, die sich im späteren Spielverlauf auch frei umgestalten lassen.

In punkto Charakterwahl sollten somit alle Spieler auf ihre Kosten kommen. Auf die mühsam konstruiert wirkende Story gehen wir an dieser Stelle gar nicht erst ein, da sie für das Spiel absolut unbedeutend ist. Das schön gerenderte Intro möchten wir aber dennoch lobend erwähnen.

Kämpfen, demolieren, zerstören

Am Spielprinzip von Tekken hat sich wenig geändert – noch immer wirkt das Spiel sehr einsteigerfreundlich, da sich viele spektakuläre Moves durch simple Tastenkombinationen ausführen lassen. Anfänger und Gelegenheitsspieler malträtieren ihr Gamepad nach Belieben und erfreuen sich an den resultierenden Attacken, die der gesteuerte Haudegen vom Stapel lässt. Das sorgt bei koordiniert und kontrolliert agierenden Spielern nicht selten für Frustration, da sie im Duell gegen übereifrige „Buttonmasher“ häufig unterlegen sind. Wer das Spiel jedoch wirklich meistert, sich auf einen Charakter festlegt und dessen Bewegungen perfektioniert, der wird sich nahezu in jedem Kampf problemlos durchsetzen.

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Einige Special Moves sind sehr spektakulär.
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Per Knopfdruck lassen sich während eines Kampfes jederzeit die Movelisten der beteiligten Kontrahenten einsehen. Auffällig ist hier, dass die Kämpfer nur über wenige „Special Moves“, stattdessen aber über zahlreiche Kombos verfügen. Wie schon bei den Vorgängern avancieren die Stafetten von Basisattacken zum zentralen Spielelement. Dies wird bei Tekken 6 noch dadurch verstärkt, dass ein Kämpfer kurz vor dem drohenden K.O. in Rage verfällt und dadurch besonders hart austeilt. Somit bietet es sich an, einem Gegner mit einer finalen Kombo gleich derart zuzusetzen, dass er gar keine Gelegenheit mehr findet, zum wutentbrannten Gegenschlag auszuholen und direkt in den Tiefschlaf verfällt.

Neu bei Tekken 6 ist auch die Interaktion mit den teils bizarren Kampfschauplätzen. Mal kämpft ihr inmitten einer Schafsherde und kickt beiläufig das eine oder andere lebende Wollknäuel weg, mal zerschlagt ihr Statuen oder demoliert den Boden. In manchen Levels ist es sogar möglich – ganz im Stile von Dead or Alive oder Mortal Kombat – den Gegner durch eine Wand oder den Boden zu schlagen und den Kampf in einer anderen Umgebung fortzusetzen. Schade ist nur, dass die Optik stets unspektakulär bleibt – weder die Kämpfer noch die Schauplätze versetzen in Erstaunen, da Detailfülle, Animationen und Texturqualität zwar stets angemessen, leider jedoch nie außergewöhnlich erscheinen.

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Wem solche Outfits zu peinlich sind, der kleidet seinen Lieblingscharakter selbst ein.
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Als eines der Kernfeatures wurde der eingangs angesprochene Kampagnenmodus angepriesen, der jedoch eher von bescheidener Qualität ist. Im Stile eines „Double Dragon“ prügelt ihr euch mit einem oder zwei Kämpfern durch eine in schlauchartige Levels unterteilte Welt. Hier warten jede Menge stupide Gegner darauf verhauen zu werden. Am Ende eines jeden Levels gibt es dann eine Art Endgegner, der euch ausnahmsweise mal Paroli bietet.

Solides Prügelspiel mit beachtlicher Kämpferauswahl und bewährtem Gameplay. Innovationen bleiben trotz guter Ansätze aus.Fazit lesen

Leider funktioniert das Tekken-Kampfsystem im Zusammenspiel mit diesem Spielmodus nicht besonders gut und auch die Kameraführung sorgt dafür, dass ihr so manchen Luftschlag ausführt. Wer die schicken Endsequenzen der Kämpfer sehen und das so genannte „Kampf Geld“ für die Individualisierung seines Charakters verdienen möchte, kommt aber trotz aller Schwächen nicht um den Kampagnenmodus herum.

Schneller Schlagabtausch mit angezogener Handbremse

Ebenfalls eher schwach sind die Survival- und Time-Attack-Spielmodi. Speziell der Survivalmodus leidet unter den ständigen Ladepausen, die nach jedem teils sehr schnell erledigten Gegner das Tempo drosseln. Hier hätte man wirklich zugunsten des Spieltempos darauf verzichten können, nach jedem 1-Runden-Kampf den Schauplatz zu wechseln. Wer mag, installiert Teile des Spiels auf der Festplatte, was die Ladezeiten wenigstens geringfügig verkürzt.

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Der Kampagnenmodus ist wie dieser Screenshot: öde und blass.
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Ein Lob verdient sich das Spiel aber für die umfassenden Möglichkeiten, die es euch bei der Charakterindividualisierung bietet. Angefangen von zahlreichen Kleidungsstücken über Frisuren, Accessoires bis hin zur freien Farbgestaltung könnt ihr euren Lieblingscharakter frei den eigenen Vorstellungen anpassen.

Abgerundet wird Tekken 6 durch einen Onlinemodus, dessen Performance sich inzwischen eingependelt hat und der nunmehr größtenteils ruckelfreie Ranglistenkämpfe gegen Spieler auf der ganzen Welt erlaubt. Alternativ dazu dürft ihr natürlich auch gegen Freunde an einer Konsole antreten und ihnen zeigen, wer der wahre König der eisernen Faust ist.