Team Fortress 2 galt lange Zeit als fast so großer Running Gag wie Duke Nukem Forever. Schon 1998 gab es die ersten Ankündigungen zu diesem Spiel, was für große Aufregung in der Multiplayer-Community sorgte. Doch außer einigen Screenshots, Techdemos, Präsentationen und Konzepten gab es seitdem nur wenig zu bestaunen.

Ein klassischer Fall von Vaporware - so die einhellige Meinung. Doch nun ist der reinrassige Multiplayer-Shooter entgegen aller Hoffnungen doch noch erschienen - als Teil der von Valve produzierten "Orange Box", die ja u.a. auch Half-Life 2: Episode 2 sowie Portal enthält. Doch wer sich auch nur 15 Minuten mit diesem fulminanten Kracher beschäftigt, weiß, dass dieses Game durchaus als eigenständiges Spiel hätte erscheinen können.

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Geniales Remake

Dabei handelt es sich bei Team Fortress 2 mehr oder weniger nur um ein aufgebohrtes Remake der Original-Version. Dieses war erstmals als Mod des beliebten Shooters Quake (1996) erschienen, 1999 gab es dann auch eine Version für Half-Life. Verschiedene andere Derivate für Unreal, Wolfenstein und weitere Shooter gibt es darüber hinaus auch noch.

Team Fortress 2 - Diese Mehrspieler-Festung wird noch lange uneinnehmbar sein...

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Gleich geht’s los!
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Übernommen wurden dabei große Teile des Spielkonzeptes eines mehrklassigen, teamorientierten Multiplayershooters, allerdings wurde das gesamte Spieldesign umgeworfen. Statt eines militärischen Actionspiels findet ihr euch in einer comichaften Umgebung mit stark überzeichneten Spielfiguren wieder. Alles erinnert im Stil ein wenig an den Animationsfilm "Die Unglaublichen", auch die Umgebung ist dementsprechend ausgerichtet, basiert auf Valves eigener Source-Engine und sieht daher recht schick aus.

Wie es sich für einen Mehrspieler-Shooter gehört, stehen Gefechte zwischen zwei Teams im Mittelpunkt. Team "Blu" tritt dabei gegen "Red" an, auf jeder Seite stehen euch die neun gleichen Charakterklassen zur Auswahl. Und hier macht sich auch der überdrehte Comicstil bezahlt, denn aufgrund der übertriebenen Darstellung sind eure Feinde auf dem Schlachtfeld sehr gut auseinander zu halten. Ob Cowboy-Sniper, dicke Heavies oder wahnwitzige Sanitäter, jeden kann man auf den ersten Blick erkennen.

Packshot zu Team Fortress 2Team Fortress 2Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360

Das geniale und mit enormem Suchtpotenzial ausgestattete Team Fortress 2 hat den großen Vorteil, dass es auch Anfängern absolute Zugänglichkeit bietet. Jede Klasse hat ihre Vor- und Nachteile, aber das rasante Spiel macht nicht nur mit jeder Spielfigur Spaß - es belohnt auch Gamer, die gerne vielseitig sind und experimentieren. Und vor allem fördert es das Teamspiel.

Team Fortress 2 macht einfach süchtig. Was Besseres kann man über ein Spiel wohl kaum sagen, oder?Fazit lesen

Heavy, oder was?

Ein Heavy allein mag noch so viel Feuerkraft mit seiner Mini-Gun entwickeln - allein wird er vom Feind sehr schnell geplättet und buchstäblich in seine Einzelteile zerlegt (ein wahres Fest für Splatterfreunde übrigens!). Doch im Zusammenspiel mit dem "Doc", der ihm heilend zur Seite steht, bilden sie ein schlagfertiges Duo. Dabei kommt dem Team beispielsweise auch zugute, dass jede Klasse verschiedene Spezialfunktionen besitzt.

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Im Unsterblichkeits-Modus geht’s richtig ab!
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Sanitäter laden beispielsweise durch Heilaktionen eine Anzeige auf. Sobald diese das Maximum "Überladung" erreicht, kann man zehn Sekunden lang für sich und seinen Kompagnon (muss nicht unbedingt ein Heavy sein) den Unsterblichkeits-Modus aktivieren und auf diese Weise auch größere Widerstandsnester aushebeln. Das liest sich nicht nur gut, das funktioniert auch prima! Und der Doc bekommt sogar noch jede Menge Bonuspunkte für diese Kills obendrauf. Klasse!

Ähnlich verhält es sich übrigens mit anderen Klassen wie dem Waffentechniker. Diese stellen automatische Geschütze, Teleporter (die euch schnell an die Front bringen) und Heil-, bzw. Nachschubkästen auf und profitieren, wenn diese Geräte Hilfe leisten und Abschüsse vermelden. Gelungen ist zudem, dass man nicht auf eine Klasse festgelegt ist. Wenn ihr mal während einer Session keine Lust mehr habt, als Medic zu zocken, gelangt ihr mit einem Tastendruck in die Charakter-Auswahl, wählt eine andere Spielfigur und schon geht es als Pyro mit Flammenwerfer oder etwa Soldat mit Raketenwerfer weiter.

Oder ihr betätigt euch als Spion, mit dem ihr das Aussehen einer gegnerischen Spielfigur annehmen könnt und die Basis des Feindes infiltriert, um geheime Dokumente zu stehlen oder einfach hinterrücks gemeine Kills hinzulegen. Auf diese Weise wird das Spiel nicht nur sehr vielseitig und abwechslungsreich, es ist auch unheimlich rasant. Steht ihr in einem Moment noch zehn Heavies gegenüber, können es nach dem Respawn schon zehn Sniper sein - je nachdem, was die Situation oder der Spaß gebietet. Instant Action par excellence!

Bei allem Lob...

Wenn es denn überhaupt Grund zur Kritik gibt, dann ist es wohl die recht spärliche Menge an Maps. Nur sechs Karten wurden ausgeliefert, und diese kennt man schon recht schnell aus dem Effeff, Nachschub ist jedoch bereits angekündigt worden. Zudem unterstützen viele der Szenarien das Campen zu sehr, so dass sich gelegentlich die Gruppen an gewissen Punkten festbeißen und es zu ewigen Standoffs kommt.

Team Fortress 2 - Diese Mehrspieler-Festung wird noch lange uneinnehmbar sein...

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Vor Statistiken kann man sich kaum retten...
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Hilfreich wäre auch ein Handbuch, das die Grundfunktionen der einzelnen Klassen erklärt. Zwar werden während des Spielsverlaufs immer wieder Tipps eingeblendet, Neueinsteigern könnte aber durchaus mit einigen einleitenden Worten geholfen werden. Mit den drei Spielmodi "Capture the Flag", "Control Points" und "Territory Control" ist zudem die Auswahl recht begrenzt, wenn es auch leichte Variationen in den Aufgabenstellungen gibt.

Recht cool ist dafür die Kill-Cam inszeniert, die euch ganz genau zeigt, wer euch zuletzt ins virtuelle Jenseits befördert hat. Es ist sogar möglich auf diese Weise Erzfeinde zu identifizieren, die euch Anhand von zwei aufeinander prallenden Boxhandschuhen angezeigt werden. Wer diesen Widersacher in der nächsten Runde killt, erhält seinerseits Bonuspunkte für die gelungene Rache. Solche kleinen, aber feinen Details halten die Motivation auch dauerhaft hoch.