Hadouken! 2147 Billion Damage! Und ein Shoryuken hinterher! Nochmal 1504 Billion Damage; Chun-Li liegt am Boden – gewonnen! Nein, wir spielen hier nicht Capcoms Vorzeige-Beat'em up Street Fighter 4 auf LSD, sondern das Wii-exklusive Tatsunoko vs. Capcom, da wird der ausgeteilte Schaden tatsächlich in solch absurden Höhen angegeben. Aber das steht nur stellvertretend für den schieren Wahnsinn, den dieses Haudrauf-Spiel von der ersten Sekunde an entfesselt.

Mit Ryu und Chun-Li haben wir zudem soeben ungefähr 25% der Charaktere abgedeckt, die die meisten Spieler überhaupt kennen werden, denn die Kämpfer des japanischen Animationsstudios Tatsunoko sind hierzulande alles andere als populär. Warum ihr euch trotzdem auf das irre Prügelspiel mit den verrückten Charaktere einlassen solltet, klären wir im Test!

Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All Stars - Exklusiv: Yatterman-2-Ankündigung im VideoEin weiteres Video

Wer kennt sie nicht?

Es folgt: Der Anime-Test. Aus welchen Serien stammen folgende Charaktere? Ippatsuman, Tekkaman, Doronjo, Yatterman-1, Casshern, Ken the Eagle, Polimar und Hakushon Daimao. Wenn ihr den zugehörigen Anime für nur einen dieser Charaktere kennt, wisst ihr bereits mehr als wir über die bunten Vertreter Tatsunokos. Wahrscheinlich geht es euch aber genauso wie uns, denn wir kannten bisher keinen der Power-Ranger-ähnlichen Anime-Helden. In Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All-Stars werdet ihr sie kennenlernen, also macht euch bereit für die volle Dröhnung japanischer Pop-Kultur in Reinform.

Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All Stars - Exklusiv-Test: Nach Street Fighter 4 ein neuer Prügelgeniestreich von Capcom?

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Capcoms neues Beat'em Up erlaubt ungewöhnlich Duelle, hier kämpft Tekkaman gegen Ryu.
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Wem Street Fighter 4 schon zu abgedreht war, der sollte tunlichst die Finger von Capcoms neuen Eintrag in der beliebten Vs.-Reihe lassen, denn bereits ab der ersten Minute entfesseln die Japaner ein Feuerwerk an Effekten, verrückten Ideen und unterhaltsamen Slapsticks. Neben einem durchdachten Kampfsystem überzeugt der Anime-Prügler nämlich vor allem mit Humor und quirligem Japano-Charme, was sich in den für Kampfspiele teils unüblichen Charakteren äußert. Roll, die kleine (geschätzter halber Meter) Schwester von MegaMan kämpft etwa mit einem Besen und ihrem eisernen Willen, alles schön sauber und blitzblank zu schrubben – und sei es das Gesicht ihres Gegners. Ebenfalls amüsant ist die Tatsunoko-Heldin Doronjo, die bei vielen Combos ihre zwei dezent bekloppten Helferlein Boyacky und Tonzura an die Seite ruft, die anschließend den Feind beharken. Dagegen sind die verhältnismäßig ernsten Kämpfer Ryu und Co. schon fast langweilig.

Aus den insgesamt 27 spielbaren Charakteren hat man schnell seine Lieblinge gefunden. Richtig, plural, in Tatsunoko vs. Capcom begebt ihr euch schließlich nicht allein in den Ring, stattdessen tretet ihr jeden Kampf als Tag-Team an, müsst euch also gleich zwei der illustren Helden aussuchen. Neben den bereits genannten Kämpfern des Tatsunoko-Universums stehen euch natürlich auch Capcoms Recken zur Verfügung – ob bekanntere wie Viewtiful Joe, MegaMan Volnutt, Ryu und Alex oder weniger populäre wie Roll, Batsu und Saki.

Packshot zu Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All StarsTatsunoko vs. Capcom: Ultimate All StarsErschienen für Wii kaufen: ab 39,00€

Jeweils ein Vertreter beider Seiten begibt sich der Fairness halber allein in den Kampf – der Mech PTX-40A aus Capcoms Third-Person-Shooter Lost Planet und der güldene Riesen-Roboter Gold Lightan aus der Anime-Serie Golden Warrior Gold Lightan. Diese zwei Übergrößen sind ungefähr drei mal so groß und breit wie ihre Kollegen und müssen daher auf ein Team-Mitglied verzichten, teilen aber auch entsprechend aus und haben einen größeren Lebensbalken.

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Zero ist einer der freispielbaren Charaktere.
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Selbstverständlich habt ihr nicht von Anfang an Zugriff auf sämtliche Charaktere. Im Arcade-Modus tretet ihr nacheinander gegen sieben Kontrahenten an, anschließend folgt ein Bosskampf gegen einen eher ungewöhnlichen Gegner: den Dämon Yami aus Capcoms Action-Adventure Okami. Der große rote Ball hat einige fiese Tricks auf Lager und verwandelt sich zudem zwei mal in eine noch stärke Version seiner selbst. Die mächtigste Form von Yami ist eine riesige Hand, die stark an den Endgegner aus Nintendos All-Stars-Klopperei Super Smash Bros. erinnert.

Habt ihr Yami zurück in die Dunkelheit verbannt folgt ein reichlich unspektakuläres Ende, in dem ihr eine Art Mini-Comic des Charakters seht, mit dem ihr den letzten Treffer gelandet habt. Die Credits werden als witziges Minispiel präsentiert, bei dem ihr mit Charakteren wie Doronjo oder Roll die Namen der Entwickler "einsammeln" müsst – das verschafft euch keinerlei Vorteile und ist gänzlich optional.

Witzig! Aber gut?

Humor und Einfallsreichtum sorgen jedoch nicht automatisch für ein gutes Beat'em up – auf's Kampfsystem kommt es an! In seinem Kern passt sich Capcoms Wii-Ableger der Plattform an, ist also casual-freundlicher, simpler, einfacher. Gab es in einem Street Fighter 4 noch insgesamt sechs Buttons für die Ausführung von Kampfmanövern, sind es bei Tatsunoko vs. Capcom nur noch drei. Jedem Charakter steht zudem nur eine beschränkte Anzahl an Kombos zur Verfügung, meist sind es fünf bis sechs Moves, die zudem stets einfach auszuführen sind.

Tatsunoko vs. Capcom trifft genau meinen Humor und wartet zudem mit einem durchdachten wenngleich simplen Kampfsystem auf. Es ist vielleicht nicht das beste seiner Art, aber definitiv das witzigste!Fazit lesen

So werden sich auch Genre-Einsteiger schnell zurechtfinden und im Nu gezielt spektakuläre Spezialattacken auf ihre Gegner loslassen – wobei "gezielt" vielleicht übertrieben ist, denn simples Button-Mashing führt ebenfalls zum gewünschten Ergebnis, zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad. Derer gibt es insgesamt sieben, Fortgeschrittene sollten gleich zu Beginn ein paar Stufen höher einsteigen.

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Dank des leicht zu erlenenden Kampfsystems zaubert ihr im Nu beeindruckende Combos auf den Bildschirm.
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Capcom wäre natürlich nicht Capcom, wenn es nicht trotzdem ein paar Feinheiten und Tricks gäbe, die man in den auf zweidimensionaler Ebene ablaufenden Gefechten einsetzen kann. Per Knopfdruck könnt ihr einen "Assist"-Angriff eures gerade inaktiven Team-Mitglieds abrufen, bei der Einwechslung des Zweitcharakters wird zudem automatisch ein Angriff ausgeführt. "Snapback"-Angriffe können beim Gegner den Wechsel auf den Partner erzwingen.

Nimmt einer eurer beiden Charaktere Schaden, wird ein Teil des Lebensbalkens rot. Dieser Teil des Lebens regeneriert sich über Zeit, solltet ihr den Kämpfer wechseln. Alternativ könnt ihr den roten Teil eurer Gesundheitsanzeige auch opfern, um den sogenannten "Baroque"-Modus zu aktivieren. In diesem Modus teilt ihr folglich mehr Schaden äquivalent zum geopferten Leben aus – eine riskante Taktik, die mit Bedacht eingesetzt werden sollte. Charaktere im "Baroque"-Modus sind leicht zu erkennen, sie strahlen für die Dauer des Effekts nämlich in grellbunten Regenbogenfarben.

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Mit aufgeladenem Energiebalken lassen sich spektakuläre Spezialangriffe entfesseln.
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Jeder der Recken hat außerdem einen Angriff, der seinen Kontrahenten in die Luft befördert. Dort könnt ihr fatale Air-Combos ausführen, im Prügelspiel-Jargon auch "Juggling" genannt, also das Jonglieren des Gegners in der Luft. Seid ihr selbst in so einer Attacke gefangen, könnt ihr per Tastendruck mit dem "Mega-Crash" euren Gegner unterbrechen. Wenn ihr Schaden austeilt oder einsteckt, füllt sich zudem eine Energieleiste, die sich insgesamt fünf mal aufladen kann. Je nach Anzahl der Aufladungen könnt ihr spektakuläre und teils extrem absurd animierte Spezialmanöver ausführen, die dem Lebensbalken eures Feindes bei erfolgreicher Landung überhaupt nicht gut bekommen. Von all den genannten Tricks bringt einem das Spiel jedoch nichts bei, lediglich eine simple Combo-Liste lässt sich einblenden – wie der Baroque-Modus funktioniert, wird einem beispielsweise verschwiegen.

Hinter der simplen Fassade von Tatsunoko vs. Capcom versteckt sich also durchaus ein Kampfsystem, das ausreichend taktische Tiefe bietet. Dennoch ist es im Vergleich zu Street Fighter 4 zu schlicht. Den Genre-Primus zu meistern ist eine deutlich größere Herausforderung. Außerdem hat der neue Teil der Vs.-Reihe Balancing-Probleme – die zwei Übergrößen PTX-40A und Gold Lightan können zwar im Einzelspieler-Modus etwas reißen, haben gegen echte Spieler jedoch nur geringe Chancen.

Das kleine Extra

Neben dem Arcade-Modus stehen euch noch weitere Spielvariationen zur Auswahl, darunter selbsterklärende Standard-Modi wie Time Attack, Survival und Versus. Leider ist es nicht möglich, die Modi kooperativ zu bestreiten, wie etwa beim mittlerweile knapp zehn Jahre alten Tekken Tag Tournament. In jedem Modus erhaltet ihr Zenny, die Währung von Tatsunoko vs. Capcom. Mit dem schnell angehäuften Vermögen könnt ihr im Shop Illustrationen, Kostümfarben und kleine Filmchen erwerben, die zuvor allerdings erst freigeschaltet werden müssen. Freigespielte Charaktere sind wiederum sofort verfügbar, sobald die nötigen Voraussetzungen erfüllt wurden. Besonders erfreut waren wir über den Auftritt von Zombieschlächter Frank West aus dem hierzulande indizierten Xbox-360-Titel Dead Rising. Der einfallsreiche Untoten-Killer kämpft stilgetreu mit Golfschläger, Einkaufswagen und MegaMan-Kostüm.

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Absurd: Der ausgeteilte Schaden wird in Milliarden-Höhe angegeben.
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Die Königsdisziplin eines jeden Beat'em Ups ist natürlich der Kampf Spieler gegen Spieler, und Tatsunoko vs. Capcom lässt euch sowohl lokal als auch online gegen Freunde oder Kontrahenten aus aller Welt antreten. Der Wi-Fi-Modus gleicht dem Online-Part von Street Fighter 4 nahezu 1:1, ihr könnt Kämpfe austragen, die sich auf eure Wertung auswirken, oder einfach nur in Sparings-Runden trainieren. Euer Spielerprofil lässt sich mit freispielbaren Bildchen personalisieren, und in Rankings seht ihr, wer gerade die Nummer 1 ist. Leider konnten wir zum Zeitpunkt des Tests keine WiFi-Gefechte bestreiten, können also noch nicht beurteilen, ob der Wii-Prügler ein lagfreies Online-Erlebnis bietet.

In der japanischen Version von Tatsunoko vs. Capcom, die bereits 2008 für die Wii erschienen ist, gab es für jeden Charakter ein kleines Mini-Spiel, das man freischalten konnte. Diese Mini-Spiele reduzierten sich oft auf simples Schütteln der Wiimote. Glücklicherweise wurde für die amerikanische und europäische Version auf diese Vielzahl unnötiger Dreingaben verzichtet, stattdessen gibt es nur noch ein Extra-Spiel im Spiel. Der neue Modus nennt sich "Ultimate All-Shooters" und ist ein klassisches 2D-Shoot'em Up, bei dem ihr euch mit bis zu drei Mitspielern in der Rolle von Tekkaman Blade, Ken the Eagle, Ryu oder PTX-40A durch die von Insekten-Monstern befallenen Schneewelten aus Lost Planet kämpft, inklusive Bossmonstern, alternativen Wegen zum Ziel und Power-Ups.

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Optisch weiß Tatsunoko vs. Capcom trotz limiterter Ressourcen zu überzeugen.
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Ein Anime-Spiel auf der Wii? Das nutzt doch sicher Cel-Shading-Grafik! Korrekt – Tatsunoko vs. Capcom stellt zumindest seine Charaktere in stilgetreuem Comic-Look dar, was der fernöstlichen Atmosphäre des Spiels nur zuträglich ist. Zudem sind sämtliche Recken butterweich animiert und es macht sogar Spaß, einfach nur jemandem beim Zocken zuzusehen, denn erst dann hat man Zeit, auf die kleinen Details zu achten. Etwa wenn Frank West seinen Kontrahenten mit dem Golfschläger in luftige Höhen befördert und mit seiner Kamera ein Erinnerungs-Foto seines fliegenden Gegners schießt. Bei den Hintergründen hat Entwickler Eighting auf die Cel-Shading-Optik verzichtet, aber auch die sind variantenreich und stimmig animiert. Ihr kämpft vor traditionellen japanischen Tempeln, in Großstädten, auf fliegenden Schiffen oder in einem Einkaufszentrum, in dem es von Zombies nur so wimmelt.

Akustisch überzeugt Tatsunoko vs. Capcom zwar mit knalligen Effekten und witziger Sprachausgabe im O-Ton, einige der Musikstücke wollen jedoch nicht recht passen. Es ist doch leicht befremdlich, wenn man zu ruhigen Piano-Klängen seinem Gegner mit einem zwei Meter breiten Laserstrahl das Gesicht perforiert.