Papapishu! Da kündigen Telltale Games und Lucas Arts im Sommer letzten Jahres doch tatsächlich das nächste Monkey Island an – und dann kommt es nur auf Englisch und als Download im Episodenformat. Wer also den Guybrush hören wollte, den er in Teil drei und vier der karibischen Rätselreihe kennen und lieben gelernt hat, der musste warten. Bis jetzt.

Norman Matt schlüpft nach über zehn Jahren erneut in die Rolle des mächtigen Piraten und ist zudem nicht der einzige, dessen Stimme wir wiedererkennen. Wir verraten euch, ob Entwickler Telltale Games ein würdiges Monkey Island geschaffen hat und ob Publisher Daedelic die deutsche Sprachausgabe gelungen ist.

Tales of Monkey Island - Deutscher Trailer2 weitere Videos

Tief in der Karibik...

Tales of Monkey Island beginnt, wo Serienvertreter normalerweise enden: Held und Möchtegern-Pirat Guybrush trifft auf Oberschurke und Zombiefreibeuter LeChuck. Dieser hält Guybrushs bessere Hälfte Elaine gefangen und soll der Macht unseres mächtigen Säbel von Kaflu weichen. Das muss allerdings erst in Malzbier getränkt werden, bevor es seine ganze Kraft entfaltet. Für die Veteranen unter euch: Ja, mit Malzbier ist hier mal wieder Rootbeer gemeint, also haltet im Prolog nach einer Wurzel Ausschau.

Tales of Monkey Island - Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!

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Guybrush gegen LeChuck: Doch irgendwas läuft schief...
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Der Plan mit dem Säbel geht natürlich schief, das seltene Malzbier verloren und Guybrushs notdürftiger Ersatz-Voodoo nach hinten los. LeChuck wird in einen Menschen verwandelt und alles Böse, was zuvor in dem untoten Piraten steckte, manifestiert sich nun als grüne Pocken in Guybrushs Hand. Die führt fortan ein Eigenleben und bietet den Ausgangspunkt für das fünf Kapitel umfassende Abenteuer. Außerdem will Guybrush Elaine wiederfinden, das ungleiche Paar wurde nämlich aufgrund einer Explosion auf LeChucks Schiff getrennt.

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In seinem neuesten Abenteuer überschreitet Guybrush gar die letzte Grenze.
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Tales of Monkey Island beginnt zwar mit den drei uns bekannten Charakteren, führt aber im Laufe des Spiels eine Vielzahl weiterer verrückter Persönlichkeiten ein. Der gutmütige Reginald Van Winslow etwa wird erster Maat eures Schiffs und begleitet euch durch das gesamte Spiel. Mit dem wahnsinnigen französischen Wissenschaftler DeSinge haben die Jungs von Telltale zudem einen Volltreffer gelandet, ist dieser doch herrlich abgedreht und witzig. Außerdem dürft ihr natürlich noch mit der Rückkehr weiterer Serien-Favoriten rechnen (lest diesen Satz, während ihr wild mit den Händen fuchtelt).

5 Episoden, 1 Spiel

Wer jetzt meint, aufgrund des Episodenformats fünf kleine, in sich geschlossene und nicht sonderlich komplexe Geschichten vor sich zu haben, der irrt. Jede Episode repräsentiert ein Kapitel im Spiel, und Telltale erzählt über die Länge dieser fünf Kapitel eine zusammenhängende Geschichte. Im Ganzen wirkt Tales of Monkey Island also wirklich wie ein komplettes Spiel. Telltale haben sich außerdem die Freiheit genommen, die Story rund um den Lederjackenverkäufer dramatischer als sonst zu gestalten. Erwartet also spannende Wendungen und sogar den ein oder anderen traurigen Moment.

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Neuer Bekannter: Der Maquis DeSinge ist Guybrushs Gegenspieler.
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Ein Adventure lebt und stirbt mit dem Rätseldesign. Dieses müssten wir in Tales of Monkey Island demnach als untot bezeichnen, denn die Ideen hinter den Knobeleien sind einfallsreich und amüsant, die Schauplätze größtenteils abwechslungsreich und die Dialoge gewitzt und clever. Allerdings wird Threepwoods Karibikreise von einer großen Schwäche geplagt: dem Schwierigkeitsgrad. Der ist nämlich über weite Teile zu niedrig.

Die harten Kopfnüsse alter Tage fehlen, länger als zehn Minuten werdet ihr an kaum einer Knobelei zu knabbern haben. Und wenn ihr doch mal den Faden verliert, gibt euch Guybrush einen mehr oder weniger hilfreichen Kommentar, der euch in die richtige Richtung schubst – dieses 'Hilfesystem' ist übrigens optional und kann abgeschaltet werden.

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Alte Bekannte: Die Voodoo-Lady spielt auch diesmal eine "gewichtige" Rolle.
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Immerhin hat Tales of Monkey Island dadurch einen guten Spielfluss. Humor und Spielwitz motivieren genau wie die exotischen Schauplätze und skurrilen Charaktere. In jedem Kapitel erkundet ihr dabei neue Ortschaften und lernt neue Piraten kennen, so manchen Schauplatz werdet ihr aber auch mehrmals besuchen, etwa die in Kapitel 1 eingeführte Insel Flotsam.

Guybrush spricht Deutsch: Auch die lokalisierte Version ist witzig, einfallsreich und charmant, aber leider auch sehr anspruchslos.Fazit lesen

Die verrückten Szenarien und unmöglichen Situationen, in die Guybrush gerät, bieten zudem ausreichend spielerische Abwechslung. So müsst ihr etwa einen Schatz in einem dichten Dschungel finden, eure Unschuld vor Gericht beweisen oder aus dem Magen einer riesigen Seehkuh entkommen. Alltag für Guybrush also. Lediglich Kapitel 2 enttäuscht, da es die Struktur des ersten Kapitels wiederholt und keine Highlights bietet.

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Grafik aus zweiter Hand: Der 3-D-Look begeistert nicht immer.
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Tales of Monkey Island ist zwar ein klassisches Point&Click-Adventure, im Gegensatz zu den Klassikern der Serie aber komplett in 3D. Wir zeigen und klicken immer noch mit der Maus auf die Objekte, mit denen wir interagieren oder die wir kombinieren wollen, allerdings bewegen wir Guybrush nun mit den WASD-Tasten. Diese Kombination aus Maus- und Tastatussteuerung funktioniert deutlich besser als noch in den frühen 3D-Adventures wie Grim Fandango oder eben Monkey Island 4, ist aber noch lange nicht so komfortabel wie die simple Maussteuerung aus Teil 1-3 der Affenserie.

Alternativ könnt ihr Guybrush übrigens auch bei gedrückter linker Maustaste in eine Richtung "ziehen", das ist aber noch fummeliger als die Tastatur-Variante. Ebenfalls unkomfortabel ist die (etwas selten zum Einsatz kommende) Kombination von Gegenständen, da man Objekte mühsam in ein Extra-Fenster ziehen muss, statt sie einfach direkt miteinander zu verbinden.

Karibischer Blödsinn, jetzt auch auf Deutsch

Schon bei der Packung macht die deutsche Version von Telltales Adventure einen guten Eindruck. "Komplett deutsche Version mit allen bekannten Sprechern – For Besserwisser auch in Englisch spielbar", heißt es dort. Oder: "Inklusive allerlei digitalem Tinneff auf dem Datenträger." Die Limited Edition erscheint sogar in der hübschen Eurobox, also der großen Pappschachtel, in der Computerspiele seinerzeit erschienen, bevor es die schmuckosen DVD-Hüllen gab.

Tales of Monkey Island - Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!

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sauber: Eine ähnlich gelungene Synchro müsst ihr lange suchen.
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Aber wie steht es um die Sprachausgabe? Wer auch immer für die Besetzung der Sprecher verantwortlich war, verdient einen Orden. Viele der neuen Charaktere klingen fast wie ihr englisches Original. Für Guybrush, Elaine und Co. kehren sogar die aus Teil drei und vier bekannten Sprecher zurück. Eine rundum gelungene Synchronisation also? Nicht ganz. Teils werden Zeilen falsch betont, so dass der Eindruck entsteht, der Sprecher habe den Witz selbst nicht verstanden oder alles wurde nur einmal eingesprochen, weil es schnell gehen musste. Dies bleibt zum Glück die Ausnahme. Der Humor des Originals bleibt größtenteils erhalten – eine Kunst, beim teilweise sehr vertrackten englischen Wortwitz.

Doof allerdings: Das Gesprochene und die Untertitel stimmen nicht überein. Der Text wechselt im Gespräch mit der gleichen Person gerne mal vom "Du" zum "Sie" und wieder zurück, während die Sprachausgabe diesen Fehler glücklicherweise vermeidet. Fehlerfrei ist sie aber nicht, so stellt sich Reporter Davey Nipperkin in der ersten Episode als hart arbeitender Journalist vor, der 350 Tage im Jahr über aktuelle Ereignisse berichtet. Der Fehler ist eindeutig. Lobenswert hingegen ist die Gründlichkeit der Übersetzung, denn selbst Schrifttafeln im Spiel selbst wurden übersetzt. So steht über dem Gericht von Flotsam Island also auch wirklich "Gericht."

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Die Limited Edition kommt in der schicken Eurobox.
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Insgesamt gehört die Lokalisierung von Tales of Monkey Island trotz kleinerer Schwächen zu den besten der letzten Jahre. Für karibische Inselklänge sorgt erneut Serien-Komponist Michal Land. Die Musik ist demnach auf gewohnt hohem Niveau, allerdings erreicht der digital erstellte Sound nicht ganz den grandiosen Effekt der orchestralen Musik aus Monkey Island 3.

Für Tales of Monkey Island haben Telltale Games die gleiche Engine benutzt, die auch schon ihre vorherigen Adventures wie Sam & Max oder Wallace & Gromit antrieb. Aufgrund des Download-Formats mussten die Episoden recht klein bleiben, erwartet also keine hochaufgelösten Texturen oder knallige Effekte. Der Comic-Stil kaschiert einen Großteil der technischen Schwächen, insgesamt wirkt die Grafik dennoch simpel. Richtig gut gelungen hingegen sind die Animationen der Charaktere – Guybrush wirkte noch nie zuvor so lebendig wie hier.