So schnell können fünf Monate vergehen: Kurz nach der Ankündigung auf der E3 im Juni diesen Jahres startete Entwickler Telltale Games ihre Adventure-Reihe "Tales of Monkey Island" und erweckte so eine längst totgeglaubte Genre-Ikone wieder zum Leben. Die karibischen Abenteuer des Guybrush Threepwood finden in "Rise of the Pirate God" nun einen der Monkey-Island-Serie würdigen Abschluss.

Was musste unser Lieblings-Freibeuter nicht schon über sich ergehen lassen? Er wurde mit einem Voodoo-Fluch belegt, hat seine linke Hand verloren, wurde von einer riesigen Seekuh verschluckt und musste sich zuletzt vor Gericht gegen hanebüchene Anklagen und Fuchtelanwalt Stan behaupten. Was erwartet Guybrush in seinem vorerst letzten Rätsel-Abenteuer?

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Was bisher geschah...

Wir erinnern uns (Spoiler-Alarm!): Am Ende von Episode 4 stellte sich heraus, dass LeChuck nach wie vor ein abgrundtief böser Zombie-Pirat ist und schlimmer noch – kurz nachdem unser Held und mächtiger Pirat Guybrush Threepwood den dezent abgedrehten Marquis DeSinge "außer Gefecht" gesetzt hatte, rammte ihm sein Erzfeind ein Säbel durch die Brust. Threepwood ist tot, LeChuck hat Elaine und La Esponga Grande, jeder “Monkey Island”-Fan konnte Kapitel 5 und somit die Auflösung des dramatischen Cliffhangers kaum erwarten – nun ist es soweit!

Tales of Monkey Island - Rise of the Pirate God: Würdiger Abschluss für Guybrush

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Im kurzen Intro zeigen uns Karten die Ereignisse vergangener Episoden
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I ain't afraid of no ghost!

Auf der Spitze eines kleinen Hügels, gehüllt in dichten Nebel und beklemmender Finsternis, steht ein Grab mit der Aufschrift "Here lies Guybrush Threepwood, Mitey Pirate." Ein kleiner Hund buddelt emsig am letzten Ruheort des kürzlich Verstorbenen und ohne dass wir es bemerken, hat das Spiel bereits begonnen. Wir klicken auf das Grab, eine bekannte Stimme ertönt: "Hallooo... es ist dunkel hier drin!" Ah, welch Erleichterung – nach ein paar weiteren Klicks erhebt sich Guybrush aus der Grube, doch irgendwas ist anders. Er sieht blass aus, leicht durchsichtig und hat beide Hände: Er ist ein Geisterpirat!

Keine Angst: Mehr als diese kurze und sehr stimmige Intro-Sequenz wollen wir euch von der Geschichte des großen “Monkey Island”-Finales natürlich nicht verraten. Zentrum der letzten Episode sind die sogenannten "Crossroads", der Ort, an dem jede Piratenseele zu ihrer letzten Ruhestätte übergeht. Nicht so für unseren cleveren Helden Guybrush, der will nämlich schleunigst in seine geliebte materielle Hülle zurückkehren und LeChucks finsteren Plan (Elaine heiraten, Welt unterwerfen; das übliche eben) vereiteln. Zwar bietet das letzte Kapitel der Voodoo-Geschichte nicht so viele Überraschungen wie "The Trial and Execution of Guybrush Threepwood", dennoch treibt sie uns mit Spannung, Dramatik und jeder Menge Humor voran.

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Statt mit alten Bekannten auf der Nostalgieschiene zu fahren, setzt Telltale Games auch in der letzten Episode auf neue Gesichter, etwa den untoten Fährmann oder den schrägen Galeb, der mit seinem affenartigen Kopf und dem Krückstock erschreckend an Rafiki aus "Der König der Löwen" erinnert. Beide treffen wir gleich zu Beginn des Spiels und gerade Galeb weiß mit wirren Gesprächen zu unterhalten, außerdem scheint er in der Unterwelt eine größere Rolle zu spielen, als er zugeben will.

Ein würdiger Abschluss für ein tolles Comeback. Zu einfach, aber trotzdem unterhaltsam.Fazit lesen

Das gleiche Prinzip kommt auch bei den Orten zum Einsatz: Zwar durchstreifen wir einen Großteil der Zeit die spektralen Ebenen der Crossroads, besuchen aber auch Gebiete aus vorherigen Kapiteln, etwa den Ozeanboden aus "Lair of the Leviathan" oder Club 41 aus "The Trial and Execution of Guybrush Threepwood." Wie wir als Geist dorthin gelangen? Verraten wir euch nicht!

Lineare Rätselkost

Die Story ist spannend, der Humor zielsicher – die Stärken vorheriger Episoden wurden also übernommen, aber wie stet es mit den Schwächen, also den Rätseln? Die sind nach wie vor zu einfach. Hier weigert sich Telltale vehement den Schwierigkeitsgrad zu heben. Linear knobeln wir uns von einem Ort zum nächsten, ohne eine echte Herausforderung. Dabei sind die Aufgaben wieder sehr einfallsreich und witzig, aber nicht wirklich miteinander verknüpft und sehr schnell zu durchschauen.

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Die Besucher von Club 41 scheinen sich an Geistern nicht zu stören
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So benötigen wir etwa den Hund, der anfangs an Guybrush Grab rumgebuddelt hat. Erster Gedanke: Ein Knochen muss her! Wie gut, dass an einem Schild mit echten Gebeinen ein gekreuzter Totenschädel nachgebildet wurde. So kann sich unser geisterhafter Abenteurer mit dem Tier anfreunden und steckt sich sein neues Haustier namens "Franklin" in die Tasche. Der arme Hund...

Wer die ersten “Monkey Island”-Teile gespielt hat, der weiß, dass das Finale spielmechanisch der stets gleichen Tradition folgt (Teil 4 ausgenommen): Guybrush wird von LeChuck verfolgt und muss unter Zeitdruck rausfinden, wie er dem Fiesling das Handwerk legt. So ähnlich macht es Telltale mit "Rise of the Pirate God" auch, nur dramatischer, bedrohlicher, größer. Vor einem Game-Over müsst ihr euch jedoch nicht fürchten, wer nicht weiterkommt, muss sich lediglich die ein oder andere Szene mehrmals ansehen. Zum Ende sei nicht zu viel verraten, außer dass es befriedigend ist und doch ein paar Fragen offen lässt.

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Galeb gehört wohl zu den schrägsten Charakteren der gesamten Serie
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Optisch ist "Rise of the Pirate God" die dunkelste aller Episoden - kein Wunder, Guybrush ist schließlich tot. Die Crossroads erinnern mit ihrem blau-grünen Schimmer und den schaurigen Konturen an Tim Burtons "Nightmare Before Christmas", die Musik von Michael Land trägt ebenfalls maßgeblich zur bedrückenden Atmosphäre bei. So schafft es auch das letzte Kapitel mit gezieltem Einsatz von knappen Ressourcen eine stilsichere Präsentation abzuliefern. Die hervorragenden englischen Sprecher, allen voran Dominic "Guybrush" Amato, brauchen wir an dieser Stelle eigentlich nicht mehr zu erwähnen.