Die dritte Episode von Telltale Games' Monkey Island-Geschichte im Serienformat stellte den bisherigen Höhepunkt in Guybrushs neuem Abenteuer dar, nicht zuletzt dank cleverem Rätseldesign und natürlich Murray, unser aller Lieblings-Totenschädel. Auch "The Trial and Execution of Guybrush Threepwood" bringt einen alten Bekannten zurück und setzt mehr auf Dramatik als jedes andere karibische Knobelabenteuer zuvor.

Der vorletzte Teil der tropischen Rätselei überzeugt mit den gleichen Stärken der Vorgänger, erbt aber auch die gleichen Schwächen – wie gut Guybrushs Aufenthalt auf der Anklagebank tatsächlich ausgefallen ist, erfahrt ihr in unserem Test.

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Das Nachbeben der Seehkuh

Fahler Mondschein erhellt die ruhigen Gewässer der Karibik, ein einsames Boot steuert auf die Bucht von Flotsam Island zu. Morgan LaFlay, ihres Zeichens Piratenjägerin und größter Fan von Guybrush Threepwood, mächtiger Pirat™, sitzt am Ruder. Ihr Idol sitzt ihr gegenüber, Enttäuschung und Wut stehen ihm ins Gesicht geschrieben, denn nachdem er mitsamt der Screaming Narwhal, seines ersten Maats Winslow und LaFlay von einer gigantischen Seekuh verschluckt wurde und Coronado DeCava gefunden hat, wurde er von der geschickten Piratenjägerin verraten, die ihn nun zur Übergabe an den verrückten Wissenschaftler DeSinge nach Flotsam schippert.

Tales of Monkey Island - Kurz vorm Finale - Guybrush vor Gericht!

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Die wütenden Bewohner Flotsams stellen sich zwischen Guybrush und DeSinge.
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So beginnt Guybrushs viertes Kurz-Abenteuer, doch auf Flotsam angekommen werden er, LaFlay und der Marquis von den Bewohnern des Eilands überrascht, die den Möchtegern-Piraten Threepwood aufgrund einer Vielzahl von Anklagen vor das örtliche Gericht zerren. Dort muss sich Guybrush als sein eigener Anwalt gegen vier Anschuldigungen verteidigen und sich dabei gegen den Vertreter der Ankläger durchsetzen – niemand geringerem als Stan, den Monkey Island-Veteranen sofort am charakteristischen Armgefuchtel, dem großen Hut und der schicken Jacke mitsamt statischem Karomuster erkennen.

Lineare Knobelei

Die vier Anklagen stellen natürlich die Basis der ersten Rätsel dar – Guybrush kann Personen in den Zeugenstand rufen, dem Richter Beweismaterial vorlegen oder eine Unterbrechung der Verhandlung fordern. Bei letzterem bekommt er bereits frühzeitig die Gelegenheit, die Insel aus der ersten Episode, die nun in atmosphärisches Mondlicht gehüllt ist, zu erkunden. Somit werden zwar viele bekannt Orte schlicht wiederverwertet, aber es erschließen sich auch neue Gebiete, etwa Club 41 ist nun betretbar. Gerade nach den ersten, eher leichten Teilen der Tales-Reihe stellt sich die Frage, ob die Gehirnzellen der Spieler dieses mal mehr zu tun bekommen. Die kurze Antwort: Nein.

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Die Ideen hinter den Knobeleien sind nach wie vor äußerst amüsant, so muss unser Blondschopf in feiner Lederjacke mit Hilfe von diversen Flüssigkeiten eine Narbe in Form eines Totenkopfs nachstellen oder das Gericht davon überzeugen, dass es nicht seine Schuld ist, dass die Katze des Piraten McGee in einer Schockposition eingefroren ist und nun über einen Strohhalm gefüttert werden muss. Im späteren Verlauf der Episode verschlägt es Guybrush erneut in den dichten Dschungel von Flotsam, allerdings verlieren diese Palmen-Labyrinthe so langsam ihren Reiz.

Tales of Monkey Island - Kurz vorm Finale - Guybrush vor Gericht!

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Ist tatsächlich Guybrush an der Erstarrung dieses niedlichen Haustiers schuld?
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Was aber auch den vierten Teil der Adventure-Reihe so einfach macht, ist die Tatsache, dass die Rätsel nicht miteinander verschachtelt sind. Guybrush bekommt linear eine Aufgabe nach der anderen serviert und die Anzahl der interaktiven Objekte hält sich stets in Grenzen – dadurch mögen Einsteiger stets die Übersicht behalten, Veteranen klicken sich so aber mühelos durch die Knobeleien. Immerhin nutzt Telltale nun endlich intensiv die Kombinations-Funktion der Tales-Abenteuer, aber auch hier liegen die Lösungen meist auf der Hand. Spaß macht die Rätselei natürlich trotzdem, dennoch hätten wir uns hier über mehr Mut zu knackigeren Aufgaben à la Monkey Island 1-3 gewünscht.

Dramatik kurz vor Schluss

Die Geschichte um LaEsponga "nicht ganz so" Grande und die Voodoo-Pocken von LeChuck nimmt endlich richtig Fahrt auf, The Trial and Execution of Guybrush Threepwood überrascht mehr als einmal mit unerwarteten Storywendungen und dramatischen Enthüllungen. An zwei Stellen wird die Episode sogar richtig ernsthaft, was zunächst untypisch für das alberne Abenteuer wirkt, sich aber schnell als echter Motivationsschub herausstellt: Nach keiner anderen Episoden wollten wir so sehr wissen, wie es weitergeht.

Die bisher zweitbeste Episode fordert die Lachmuskeln und bringt Dramatik ins Spiel, vergisst dabei aber den Anspruch. Spaß macht's trotzdem!Fazit lesen

Auf Flotsam treffen wir neben dem Marquis DeSinge viele Bekannte aus Episode 1, etwa den Porzellan-Piratensammler D'Oro, der nicht nur ein Auge verloren hat, sondern auch gleich zu unseren Anklägern gehört. Morgan LaFlays Charakter wird weiter ausgebaut, Guybrush ist verständlicherweise nicht gut auf die Verräterin zu sprechen. Auch LeChuck und Elaine rücken endlich wieder in den Mittelpunkt der Geschichte und vollenden zusammen mit der Voodoo-Lady die Star-Besetzung dieser Folge. Zwar freuen wir uns über das Schlitzohr Stan, aber vermissen auch gleichzeitig den sprechenden und körperlosen Totenkopf Murray, der mit seinem Größenwahn der vorherigen Episode viele Lacher beschert hat.

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Stan beweist auch in der Tales-Reihe seinen ausgeprägten Sinn fürs Geschäft.
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Bei der Präsentation hat sich nicht viel getan, Folge 4 der Insel-Rätselei basiert auf dem gleichen, technisch schwachen Grundgerüst, wie die vorherigen Episoden. Comicstil und die hervorragenden Animationen hauchen den Charakteren Leben ein, und es fällt auf, dass Telltale Games zunehmend auf düstere Areale setzt, um die schicken und stimmungsvollen Lichteffekte zu betonen – Stans Leuchtreklame hüllt die Docks von Flotsam Island in ein stimmiges Neonblau, die Bar überzeugt mit klassischem Kerzenlicht-Ambiente. Der Dschungel kommt aber genauso trist daher, wie schon in Launch of the Screaming Narwhal.

Was bei der Grafik fehlt wird mit der Soundkulisse wiedergutgemacht: Fantastische Sprecher, atmosphärische Hintergrundgeräusche und ein Musikmix aus altbekannten und neuen Karibik-Klängen lassen einen in das Piratenabenteuer eintauchen. Gerade Stans typische Begleitmusik geht uns einfach nicht mehr aus dem Kopf.