




Nichts weniger als die Wiedergeburt eines goldenen Genrezeitalters versprachen sich Adventurefans vom fünften Monkey Island und erhielten doch „nur“ ein ordentliches Abenteuerspiel mit einigen gelungenen Gags und dem vertrauten Gefühl eines Wiedersehens mit lieb gewonnenen Freunden. Anders lässt sich in meinen Augen die Euphorie nicht erklären, die manche Redakteurskollegen zu traumhaft traumatisierten Wertungen hinreißen ließ: Irgendwo zwischen nostalgisch verklärter Brille, der Hoffnung auf Besserung in den kommenden Episoden, enttäuschten Erwartungen oder völliger Unkenntnis des Adventuregenres der letzten Jahre liegt vermutlich die Wahrheit über Monkey Island 5 verborgen.
Dabei sind Telltale Games ganz offensichtlich und aufrichtig bemüht, den Geist der Originale adäquat einzufangen, scheitern aber an deren im Rückspiegel der Spielegeschichte verzerrten Übergröße. Vermutlich wäre alles halb so schlimm, ginge es hier nicht um Monkey Island, Guybrush und LeChuck – um den Real Madrid des Adventuregenres, der plötzlich im UEFA-Cup kicken muss. Lobten wir von Jack Keane über Edna bis hin zu Ankh bereits mehrfach legitime Thronerben von Guybrush Threepwood aus, tut die Erkenntnis weh, dass dem einstigen König am Genrehof nunmehr lediglich die Aufgabe des Narren zukommt.
Noch hat Telltale aber vier Episoden Zeit, zusätzliche Segel zu setzen und weiter Fahrt aufzunehmen, um die Konkurrenz vielleicht schlussendlich doch kielzuholen - zumal die Geschichte von Launch of the Screaming Narwhal in der Tat lediglich wie ein erweiterter Prolog wirkt und Highlights wie der Second-Handler Stan, der sprechende Totenkopf Murray und die berühmten Fechtduelle noch ausstehen. Die etwa vier bis fünf Stunden Spieldauer der ersten Episode scheinen bei einem Preis von umgerechnet 25 Euro für die fünfteilige Komplettkatze im Sack jedoch außerordentlich fair.
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Ein Ressourcengroßteil der Grafikabteilung scheint auf die quirligen Animationen Guybrushs verwandt worden zu sein, vor denen das restliche Charakterdesign verblasst wie Wasserfarben in der Sonne. Die Umgebung orientiert sich am 3D-Look der ungeliebten vierten Episode und wirkt dank Unschärfefilter plastischer als in anderen Telltale-Spielen.
Die Sprecher überzeugen – überdurchschnittliche Englischkenntnisse seien aber empfohlen, um den vorherrschenden Wortwitz zu verstehen. Die Musik von Michael Land geht wie gewohnt ins Ohr – wenn sie da nicht bloß schon seit 19 Jahren fast unverändert drin wäre…
Rätsel, Humor, Story, Charme, Flair, Umfang, Atmosphäre, Anspielungen, Dialoge – Tales of Monkey Island leistet sich keine allzu großen Schnitzer, wird aber von der Last des Legendenstatus seiner Vorgänger erdrückt. Die Steuerung hingegen spottet gar der unter Fans verhassten vierten Episode.
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