Den ersten Dämpfer verpasst Tales of Monkey Island den hochgesteckten Erwartungen bereits zu Beginn mit einer Steuerung, die zwar den „Wallace & Gromit“-Abenteuern aus demselben Hause entlehnt wurde, aber selbst der desaströsen und viel gescholtenen Handhabung des vierten Monkey Island spottet: Statt Guybrush per einfachem Point & Click über den Bildschirm huschen zu lassen, muss der Spieler bei gedrückter Maustaste die Richtung angeben, in die sich der Protagonist bewegen soll.
Deja Voodoo: Diese Lady darf in keinem Monkey Island fehlen.Dieses Prinzip erweist sich in der Praxis als derart ungenau, dass der Möchtegern-Pirat die meiste Zeit über wie eine zugedröhnte Marionette am ausgestreckten Stock durch die Gegend torkelt. Hindernisse sind nur mit einiger Übung zu umschiffen. Und auch das Hantieren mit den Gegenständen im Inventar geht bei anderen Spielen bereits benutzerfreundlicher von der Hand.
Seine lichten Momente feiert das „Monkey Island“-Tale dann serientypisch im charmanten Humor und seinem vertrackten Wortwitz, für den fortgeschrittene Englischkenntnisse angemahnt seien. Ein Mad Scientist, der zum Zwecke der Forschung nach Guybrushs verfluchter Hand trachtet, ein ehemaliger Pirat, der auf die Glasbläserei kitschiger Einhörner umgesattelt hat, oder ein Jäger des verlorenen Schatzes, der im Dschungel nach wertvollen Püppchen, pardon, Porzellan-Powerpiraten buddelt – das schräge Figurenensemble von Launch of the Screaming Narwhal reiht sich nahtlos in die Reihe schräger Figurenensemble ein, wie sie die Serie groß gemacht und zig Nachahmer inspiriert hat, ohne dem Schema nennenswerte Impulse hinzuzufügen.
Der irre Marquis de Sange hat es auf Guybrush abgesehen.Insbesondere in solchen Momenten, da Tales of Monkey Island den Geist der Originale anruft, wird die Kluft deutlich spürbar, die sich zwischen den genialen Vorgängern und der lediglich soliden Reinkarnation auftut: Geradezu verschenkt ist beispielsweise die Szene während der Kneipenschlägerei, die entfernt an Guybrushs zum Schreien komischen Einbruch in die Gouverneursvilla aus Teil 1 erinnert. Ein lediglich müder Abklatsch von LeChucks Folterkammer: die Flucht aus dem Labor des verrückten, französischen Doktors. Weniger seine nicht von der Hand zu weisenden Qualitäten als vielmehr der eigene Legendenstatus wird dem fünften Monkey Island so zum Fluch.
Auch die Grafik kommt über gediegenes Mittelmaß nicht hinaus: Dank Unschärfefilter wirken Landschaft und Gebäude plastischer als in bisherigen Telltales-Spielen, und insbesondere Guybrush erhält durch ausgefeilte Mimik und spritzige Animationen die Quietschlebendigkeit einer Zeichentrickfigur. Dagegen wirken jedoch vor allem die NPCs dem vollautomatischen Telltale-Charaktereditor entstiegen: langgezogene Gesichter mit Plastikhaut überzogen, denen nur unterschiedliche Bärtchen und Hüte zur Unterscheidbarkeit verhelfen.
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