Tales from the Borderlands ist sicherlich das lauteste und schrillste Episodenspiel auf dem Markt. Nirgendwo sonst wird derart unverblümt mit Comic-Humor und wilder Action geprotzt wie in dem bunten Shooter-Spinoff. Wir erinnern uns an Episode 3 – Catch a Rie: Hier gab es in den letzten 30 Minuten zwischen Verfolgungsjagden und Vault-Hunter-Kämpfen fast keine Atempause.

Bevor es mit dem Test zu Episode 4 losgeht:

SPOILER-WARNUNG: Wie bei allen Telltale-Abenteuern gilt auch bei Tales from the Borderlands die Devise „Selber spielen macht am meisten Spaß“. Wer das also noch vorhat, sollte sich diesen Artikel sparen und auf unnötige Spoiler verzichten!

Episode 4 – Escape Plan Bravo geht die Sache spürbar langsamer an. Denn unsere Bande muss ein wichtiges Artefakt besorgen, das sie zum Vault of the Traveler führen soll. (Wir lassen an dieser Stelle bewusst einige Details weg.) Dummerweise versteckt sich das gute Stück auf Hyperions Raumstation Helios, die wiederum Tausende von Kilometern über Pandora im Weltraum kreist.

Tales from the Borderlands, Episode 4: Escape Plan Bravo - Mit knackigem Cliffhanger zum großen Finale

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 34/361/36
Rhys hackt die Sicherheitsanlagen auf Helios – klingt nach einem perfekten Plan!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und so beginnt der vierte Teil mit einer wilden „Planungsphase“, wie denn Rhys, Fiona und Co. an Bord der Helios kommen. Bereits hier wird deutlich, welche tragende Rolle der Geist beziehungsweise die Künstliche Intelligenz Handsome Jack spielen könnte. Immer wieder stellt er dem Kleinganoven Rhys die Vertrauensfrage und will damit die Zusammenarbeit förmlich erzwingen. Um das klar zu stellen: Zusammenarbeit bedeutet in diesem Fall, dass Handsome Jack die Kontrolle über Rhys erlangen darf und seinen Körper quasi übernimmt. Stand in der dritten Episode noch die Beziehung zwischen Fiona und Vault-Hunter-Legende Athena im Mittelpunkt, geht es diesmal vermehrt um Rhys und Handsome Jack. Der Geisterschurke mischt sich in heiklen Situationen immer wieder ein und bringt euch damit in die Zwickmühle: Wendet ihr euch immer mehr Handsome Jack zu und verändert damit den grundsätzlich gutmütigen Rhys? Oder versucht ihr, die Situation auf eigene Faust zu lösen?

Ich habe gelacht. Laut!

Tales from the Borderlands: Episode 4 – Escape Plan Bravo spielt gerade in der Anfangsphase mit etlichen Hollywood-Klischees. Besagte Planung des Einbruchs in die Helios-Raumstation etwa wird in Form einer schnell Jump-Cut-Abfolge Marke Ocean’s Eleven präsentiert. Als dann später das Raumschiff steht, marschiert die Gruppe in bester Armageddon-Zeitlupenmanier durch den Hangar – untermalt von einem herrlichen Achtzigerjahre-Soundtrack.

Tales from the Borderlands - Episode 4 - Escape Plan Bravo: Trailer8 weitere Videos

Telltale gelingt es in dieser ersten Hälfte des knapp zweistündigen Abenteuers ausgezeichnet, den trotteligen Mechaniker Scooter als liebenswerten Nebendarsteller aufzubauen. Seine (einseitige) Romanze mit Fiona führt letztlich auch zum ersten wirklichen Gänsehautmoment von Tales from the Borderlands. In der Notsituation muss Fiona nämlich eine schwere Entscheidung treffen und bricht damit erstmals die toughe Schale, die sie bislang umgab, auf. Stattdessen kommt es im Weltall zu einer ebenso dramatischen wie komischen Abschiedsszene, die erstmals in Tales from the Borderlands auch die Schattenseiten des Ganovendaseins zeigt. Kam das Spiel nämlich bislang ohne echte Opfer aus – im Gegensatz beispielsweise zu Game of Thrones oder The Walking Dead –, so geht die vierte Episode erstmals an die Substanz und unterstreicht, dass sich die Situation trotz allen Humors immer mehr zuspitzt.

Eine Station voller Deppen?

Auf Helios angekommen, gönnt sich Episode 4 – Escape Plan Bravo allerdings eine kleine Auszeit und setzt wieder vermehrt auf spielerische Elemente. Hier mal ein Büro absuchen, dort einen Ausweis mopsen – das alles wird durch den typischen Humor aufgewertet, fühlt sich aber insgesamt ein bisschen fehl am Platz an. Mit einem klassischen Videospiel hat das Telltale-Abenteuer ohnehin weiterhin nichts zu tun, und vielleicht stören mich genau deshalb auch diese eingestreuten Adventure-Einlagen. Überhaupt ist das Wiedersehen mit Helios trotz Rhys' lustigem Verkleidungstheater eine eher zähe Angelegenheit, die auch durch Yvettes aufgedeckten Verrat nicht wirklich an Spannung gewinnt.

Packshot zu Tales from the BorderlandsTales from the BorderlandsErschienen für Android, iOS (iPad / iPhone / iPod), PC, Xbox One, PS3, PS4 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Stattdessen sind einige Passagen – etwa das Pistolenduell mit der Mannschaft der Buchhaltung – geradezu absurd lang und spielen damit, dass auf Helios offensichtlich nur Idioten arbeiten. Ist die Geschichte unterhaltsam? Zweifellos! Aber braucht es den zu langen Helios-Abschnitt mit all seinen Verstrickungen wirklich? Nur bedingt.

Tales from the Borderlands, Episode 4: Escape Plan Bravo - Mit knackigem Cliffhanger zum großen Finale

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Und damit Rhys nicht erkannt wird, verkleidet er sich natürlich als Vazquez.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch ähnlich wie die letzte Episode von Game of Thrones wartet auch Escape Plan Bravo mit einem hammerharten Ende und einem überraschenden Twist auf, der wiederum die Hass-Liebe zwischen Handsome Jack und Rhys förmlich auf den Kopf stellt. Ich denke, die emotionale Wucht der letzten Minuten variiert stark, abhängig davon, welche Entscheidungen ihr im Vorfeld getroffen habt. Mich jedenfalls erwischte das Ende dieser Episode auf dem falschen Fuß und überraschte mich deshalb immens.

Der passende Aufgalopp vor dem großen Finale: Witzig, absurd und gut erzählt – aber auch mit kleineren Längen.Fazit lesen

Noch besser: Es macht mich neugierig auf den letzten Teil von Tales from the Borderlands und erfüllt somit seinen Zweck als Cliffhanger. Enttäuschend waren allerdings die Entscheidungsmöglichkeiten in dieser Episode. Sie ließen die Wertigkeit vermissen und gingen in dem vielen Kleinkram unter. Auch hier darf man gespannt sein, welche Konsequenzen sich daraus noch ergeben.