Es gibt Dinge, mit denen konfrontiert man Anfänger besser nicht. Führerscheinneulingen einen Porsche 911 zu kaufen, kann Krankenhaus- und Schrottplatz-Angestellten ganz schnell Arbeit bescheren. Angehende Bergsteiger mit Kletterhallen-Erfahrung auf die nächste Mount-Everest-Besteigung mitzunehmen, könnte zum letzten Ausflug der übermütigen Abenteurer werden.

Gleiches gilt für Strategieanfänger: Drückt man denen zur Einstimmung ein Komplexitäts-Meisterwerk wie „Supreme Commander“ in die Hände, kehren diese dem Genre schneller den Rücken als Jürgen Klinsmann der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Klare Sache: „Supreme Commander“ ist ein Fall für Profis. Daran ändert auch das jüngst veröffentlichte Addon „Forged Alliance“ nichts.

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Entertainment für Anspruchsvolle

Bevor wir euch berichten, was das alleine lauffähige Expansion Pack Neues bietet, wollen wir erst einmal die Anfänger warnen, denen unsere Einleitung nicht direkt genug war. „Forged Alliance“ ist der Günter Grass der Strategiespiele. Schon im Test des Hauptprogramms schrieben wir damals: „Wer die schnelle Strategie-Liebe für zwischendurch sucht, der wird mit Supreme Commander sicher nicht glücklich werden“.

Supreme Commander: Forged Alliance - Zum Haare raufen: Dieses Addon zeigt Einsteigern wo der Hammer hängt.

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Zwei riesige Experimentaleinheiten der Seraphim preschen voran. Ihr Aushängeschild: dicke Laser und eine Spur der Verwüstung.
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Das hat seine Gründe. Um das Spiel voll auszukosten, müsst ihr eine steile Lernkurve überwinden. Gleichzeitig eine Basis aus den Angeln heben, Forschungsprojekte anleiern, riesige Armeen rekrutieren, Feldzüge planen und Abwehrschlachten gegen aggressive Gegner schlagen – zum Teil artet „Supreme Commander“ in echte Arbeit aus. Die pure Vielfalt an Taktiken und Strategien sowie die gut ausbalancierten, vielfältigen Land-, See- und Lufteinheiten trösten Experten über den überdurchschnittlich hohen Anspruch hinweg. Weniger geübte Zocker verzweifeln hingegen an der permanenten Herausforderung.

„Sacred“ trifft „Supreme Commander“

Genug der Gefahrenhinweise. Kommen wir lieber zu dem, was „Forged Alliance“ für geneigte Strategen erneut zum Hochgenuss machen könnte. An vorderster Stelle steht sicherlich das frisch implementierte Volk der Seraphim. Das sind nicht etwa sexy Amazonen (wie in „Sacred“), sondern fiese Aliens. Die Aggressoren bedrohen gleich das komplette bisherige Triumvirat von Aeon, Cybrans und UEF.

Packshot zu Supreme Commander: Forged AllianceSupreme Commander: Forged AllianceErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Der Grund der Feindschaft ist schnell gefunden. Immerhin wurde die Rasse vor Urzeiten von menschlichen Siedlern vermeintlich komplett ausgelöscht. Das einstmals friedliche Volk, das auch für die Erschaffung der Aeon verantwortlich zeichnete, ist verständlicherweise schlecht auf andere Lebewesen zu sprechen. Und was tun verbitterte Alien-Völker? Genau, sie töten, vereinfacht ausgedrückt, alle, die ihnen über den Weg laufen.

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Von draußen vom Wasser komm ich her und gleich gibt’s dich nicht mehr. Gemeint ist die Seraphim- Basis, die gerade unter Beschuss genommen wird.
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Die sechs Missionen währende Kampagne von „Forged Alliance“ rückt den Konflikt zwischen den bisherigen Streithähnen und den Seraphim in den Mittelpunkt, verschenkt dabei aber massig Potenzial. Wie im Hauptprogramm ist das Flair unterkühlt, die Einsätze ähneln sich allesamt. Bekanntermaßen müssen Basen verteidigt oder zerstört und Schlüsselfiguren eskortiert werden. Die teils exorbitant großen Karten erweitern sich nach und nach. Das führt mitunter zu unfairen Situationen.

Mit letzter Kraft einen feindlichen Außenposten zu zerstören, um direkt danach von neu auftauchenden Gegnermassen angegriffen zu werden, kann äußerst frustrierend sein. Motivationsfördernd: Hin und wieder bekommt ihr alliierte KI-Generäle an die Seite gestellt. In den Schlachten greifen diese euch unter die Arme. Als Gegenleistung müssen sie aber auch unterstützt und vor Widersachern beschützt werden.

Zu neu für die Kampagne?

Unverständlicherweise dürft ihr euch in der Kampagne nur in die Kommandosessel der Aeon, Cybrans und UEF setzen. Die neue Fraktion bleibt (zumindest in den Missionen) der KI vorbehalten. So bekommt ihr deren hübsch abwechslungsreiche Einheiten zwar zu Gesicht, selbst in die Schlacht führen könnt ihr sie allerdings nur im Mehrspielermodus. Schade, haben sich die Entwickler mit dem Design der Seraphim doch merklich Mühe gegeben.

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Dicke Pötte schießen mit dicken Lasern. Bekommt man die Ladung auf den Kopf, tut das sicher weh…
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Der besonders mächtige Mammut-Bomber erinnert etwa an einen riesigen Käfer. Statt aber auf dem Waldboden herum zu krabbeln, fliegt das Gerät erstaunlich schnell durch die Lüfte und plättet ganze Basen. Spektakulär auch die zweite Experimentaleinheit, ein gigantischer Mech, der mit dicken Laserwummen gegnerische Panzer im Dutzend brutzelt.

Insgesamt 110 eigene Truppentypen, aufgeteilt in vier Technologiestufen, hat Gas Powered Games den Seraphim spendiert. Allzu groß fallen die Unterschiede zu den bestehenden Einheiten erwartungsgemäß nicht aus. Für ein wenig frischen Wind im bisherigen Drei-Parteien-Konflikt sorgen sie dennoch allemal.

Warum nicht gleich so?

Alte „Supreme Commander“-Hasen freuen sich über viele kleine Verbesserungen, allen voran die modifizierbare Benutzeroberfläche. Im Hauptprogramm noch gut ein Drittel des gesamten Bildschirms groß, könnt ihr das Menü ab sofort frei auf dem Bildschirm platzieren. Halb transparent und um ein Vielfaches kleiner, wird der Bedienkomfort deutlich erhöht.

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„Aaaaangriff!“ Auch Kleinvieh macht Mist. Vor allem, wenn es mit Gatling-Guns bewaffnet ist.
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Ebenso erfreulich ist die überarbeitete Wegfindung. Eure Streitkräfte wuseln nicht mehr wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen über das Schlachtfeld, sondern wohlgeordnet in Reih und Glied. An „Age of Empires“-Formations-Standards kommt „Forged Alliance“ ob der schieren Masse an Einheiten nicht heran. Die Zeiten karawanenförmiger Truppenbewegungen sind aber glücklicherweise vorbei.

Ein Fall für Profis: Forged Alliance verputzt Strategie-Einsteiger zum Frühstück.Fazit lesen

Mit gemischten Gefühlen werden „Supreme Commander“-Fans die dezent aufgehübschte Optik wahrnehmen. Die Einheiten sind ein wenig detaillierter und einige Texturen knackiger. Doch auch die Kehrseite der Medaille ist nicht zu verachten. Gestiegene Hardwareanforderungen bringen Mittelklasserechner endgültig zum Abrauchen. Und selbst High-End-PCs können Ruckler in gigantischen Massenschlachten nicht verbergen. Insofern unterstreicht der Hardwarehunger den Anspruch des Titels: „Forged Alliance“ ist ein Fall für Profis, die „Command & Conquer“ und Co. zum Frühstück verputzen!