Größer, komplexer, mehr von allem – was für die meisten Fortsetzungen der nahe liegende Weg zum Erfolg ist, würde „Supreme Commander 2“ direkt vom Entwicklertisch ins Software-Nirwana befördern. Die unübertroffene Komplexität des 2007 veröffentlichten Erstlings galt in Zeiten weich gespülter Casual-Ansätze als Sakrileg.

Die Zielgruppe der Hardcore-Strategen ist viel zu klein, um mit überkomplizierter Monumental-Strategie noch ernsthafte Erfolge zu feiern, so das Credo meinungsstarker Marktforscher. Die Zielsetzung für „Supreme Commander 2“ ist somit klar: Kleiner, einfacher, von allem weniger.

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Im Wandel der Zeit

So bedauerlich die neuerdings beschrittene Richtung für Strategie-Experten sein mag, so behutsam und sinnvoll wird der Feature-Sparkurs doch gefahren. Die „Supreme Commander“- Eckpfeiler, gigantische Kamera-Zooms und Einheitenmassen, sind auch im zweiten Teil enthalten und von elementarer Bedeutung.

Vereinfachungen betreffen vielmehr die Bedienung, die Spielmechanik und die Einheitenvielfalt. Und so weit wir das anhand der uns vorliegenden, fast fertigen Vorab-Version beurteilen können, sind die Änderungen durchaus sinnvoll. Den Entwicklern gelingt es, das Spielprinzip zu straffen, ohne dem Titel die Seele zu rauben.

Supreme Commander 2 - Weniger ist mehr

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Spektakulär wie eh und je: Die gigantischen Experimentaleinheiten sind die heimlichen Stars von „Supreme Commander 2“.
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Das fängt an bei kleineren Karten, auf denen es wesentlich schneller zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, und geht weiter beim intuitiver gestalteten Ressourcensystem. Statt wie im ersten Teil kontinuierlich Rohstoffe abgezapft zu bekommen, müssen neue Bauaufträge nun sofort, quasi per Vorkasse, berappt werden. Das erhöht die Planungssicherheit und verhindert, dass es mitten in der parallelen Fertigung vieler Einheiten und Gebäude zu monetären Engpässen kommt und alles pausiert.

Ebenfalls merklich unkomplizierter fällt die Handhabung der Truppen aus. Verlangte im Vorgänger die schiere Masse an austauschbaren Einheiten noch enormen Koordinationsbedarf, so wurde die Anzahl der Kämpfer nunmehr deutlich zurück gefahren. Im Austausch dafür wurde der Forschungsapparat ordentlich aufgepeppt: Die See-, Land- und Luftstreitkräfte können ab sofort mannigfaltig verbessert werden, von Energieregeneration über additive Schilde bis hin zu zusätzlichen Kanonenrohren.

Packshot zu Supreme Commander 2Supreme Commander 2Erschienen für PC und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Große Worte, aber wenig dahinter

Große Töne gespuckt haben die Entwickler im Bereich der Inszenierung. Seit der Ankündigung im letzten Jahr predigen die Jungs bei jeder Gelegenheit über die „enormen inszenatorischen Fortschritte“ von „Supreme Commander 2“. Vorbei seien die Zeiten seelenloser Massenschlachten, an der wuchtigen Aufmachung von „Starcraft 2“ wolle man sich orientieren und die Messlatte im Strategiegenre ein ganzes Stück weit nach oben setzen.

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Masse und Klasse vereint: Dutzendschaften kleiner Panzer und eine Handvoll experimenteller Supereinheiten beharken sich bis aufs Äußerste.
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Soweit wir die hehren Pläne bis dato beurteilen können, ist Gas Powered Games das allerdings nicht gelungen. Die Story stakst auf Groschenroman-Niveau herum, trotz personenbezogener Erzählweise wirken die Charaktere mitsamt ihrer pseudo-coolen Sprücheklopferei wie aus trashigen C-Movies geborgt.

Und wenn wir schon beim Meckern sind, soll auch die in der aktuellen Spielversion verbesserungswürdige Wegfindung erwähnt werden. Insbesondere große Experimentaleinheiten, deren Auswahl übrigens deutlich erhöht wurde und die auch schneller produziert werden, verkeilen sich gerne an Hindernissen wie Gebäuden und Bergmassiven.

Große Massen kleiner Einheiten haben kurioserweise, selbst in Formation, weniger Probleme, ihr Ziel zu finden. In Anbetracht des bislang noch unfertigen Programmcodes sind wir allerdings durchaus optimistisch, diese kleine Ungereimtheit im fertigen Produkt nicht mehr vorzufinden. Insbesondere deshalb, weil uns ansonsten nur sehr wenige Baustellen ins Auge fielen, darunter etwa ruckelnde Videos oder kleinere Anzeigefehler.