Echtzeit-Strategen am PC sind ein nostalgisches Völkchen. Während Fans anderer Genres meist nach Neuigkeiten lechzend und sabbernd das ganze Netz durchforsten, schwelgen die Anhänger von Kane & Co. in vergangenen Meisterstücken. Dune 2, herrlich! Warcraft 2, wie toll! Alle, die jedoch den Radweg neben der Mainstream-Autobahn bevorzugen, schwören hingegen auf den Klassiker Total Annihilation von Spieledesigner Chris Taylor. Dessen inoffizieller Nachfolger war Supreme Commander. Nun ist mit Supreme Commander 2 ein weiterer Leckerbissen des Taylors im Anmarsch.

Supreme Commander 2 - Factions Trailer3 weitere Videos

Supreme Commander – das ist ein Bulle von Echtzeitstrategie, der schwächelnde Genre-Neulinge meist abschüttelt wie lästige Rodeo-Reiter. Beherrschbar? Nur mit sehr viel Mühe. Nächstes Jahr soll nun der zweite Teil kommen. Auf der gamescom in Köln lud Großmeister Chris Taylor in die Präsentationskabine, wo er uns sein neues, dem Eindruck nach bereits wohlgenährtes Baby vorstellte – im Pre-Alpha-Status, wie in transparenten Lettern auf dem riesigen Bildschirm zu lesen war.

Supreme Commander 2 - Klappt im zweiten Anlauf die C&C-Entthronung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Kolossal: Auch in Supreme Commander 2 gibt es wieder riesige Einheiten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Trotz dieser vagen Versionsangabe präsentierte uns Chris Taylor eine spielbare Version von Supreme Commander 2, die eher nach früher Beta aussieht. Geändert haben sich beim Nachfolger vor allem Feinheiten, die den Titel auf Augenhöhe zu den Großen des Genres hieven könnten. Mindestens. Denn zu den spielerischen Verbesserungen soll laut Taylor auch einiges im Story-Bereich passieren. Da seit der „Forged Alliance“-Erweiterung des ersten Teils 25 Spieljahre vergangen sind, ist das wohl auch nötig. Freunde der Hintergrundgeschichte haben bestimmt großen Klärungsbedarf, der befriedigt werden will.

Das Alleinstellungsmerkmal von Supreme Commander ist wie gehabt der stufenlose, „strategische“ Zoom: Wie auf der Karte im Generalstabszimmer kann die Armee aus dem Orbit befehligt werden – oder ganz nah im Mikro-Management. Von der Kartenansicht bis zum Detail der Panzerkette fährt das virtuelle Auge, dreht sich frei in jegliche Richtung und sorgt damit für ungeahnte Betrachtungsmöglichkeiten.

Steuerung ist alles

In der Höhe verwandeln sich die Einheiten in Symbole, die über die Karte gelenkt werden. Wenn dann die Artillerie anfängt, ihre Salven zu feuern, lohnt sich ein genauer Blick auf den Nachlade-Prozess. Das sieht bereits jetzt richtig gut aus. Natürlich, das Spielerlebnis auf Dauer positiv beeinflussen werden solche Kleinigkeiten nicht. Doch es zeigt, wie sehr bei Taylors Entwicklerstudio Gas Powered Games auf Details geachtet wird.

Supreme Commander 2 - Klappt im zweiten Anlauf die C&C-Entthronung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Markenzeichen der Serie: die strategische Übersicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diese Details sind es, die Supreme Commander 2 besser machen sollen als seinen Vorgänger. So stellen sich Einheiten des gleichen Typs automatisch in Formation, während sie sich zum avisierten Ziel bewegen, nicht vorher, um erst danach aufzubrechen. Zudem wirkt die Befehlsoberfläche nach einer offensichtlichen Frischekur viel übersichtlicher.

Nicht ohne Stolz präsentiert uns Chris Taylor auch das automatische Gruppierungssystem. Bekommen verschiedene Einheiten die gleichen Befehle, werden sie in eine Gruppe zusammengefasst und sind so gemeinsam steuerbar. Mikro-Management, besonders bei früheren Taylor-Titeln oftmals lästig, entfällt damit. Wer sagt: „Ich will es aber so haben wie in Total Annihilation!“, der sei beruhigt. Die Einstellung soll optional und damit abschaltbar sein.

Supreme Commander 2 - Klappt im zweiten Anlauf die C&C-Entthronung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Die Explosionen sind erneut ein Highlight von Supreme Commander.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ohne Alternative dürfte dagegen das System für die Xbox-Version werden. „Bei der Konsole hängt alles von der Benutzeroberfläche ab“, weiß Taylor. Tatsache: Vor allem die unhandliche Steuerung sorgte bislang dafür, dass sich Echtzeit-Strategiespiele auf Konsole bisher schwer taten. Der „dehnbare Cursor“ von Supreme Commander 2 soll das ändern.

Wie ein Magnet heftet er sich an Einheiten, in dessen Nähe der Spieler das Fadenkreuz mit seinem Controller bewegt. Ein Kompromiss zwischen freier Analogsteuerung und nerviger automatischer Auswahl. Sind die Truppen ausgewählt, geht die Selektion auch nicht verloren, wenn zwischenzeitlich Gebäude oder neue Truppen in Auftrag gegeben werden.

Schneller als der Vorgänger

Für den Bau wurden im ersten Teil die nötigen Ressourcen nach Erteilung des Auftrags über die gesamte Produktionsdauer abgezogen. Folge: Die Basiswirtschaft kam ähnlich wie bei den C&C-Klassikern häufig über Minuten zum Erliegen. Das kann in Supreme Commander 2 nicht mehr passieren. Hier gilt: Alles oder nichts. Die kompletten Ressourcen werden direkt zum Baubeginn in Rechnung gestellt, zahlbar sofort. Punkte für Einheiten-Verbesserungen werden über Forschungsgebäude generiert – oder über Kampfeinsätze. Einigeln in der eigenen Basis ist also keine Option. Vielmehr ist Angriff die beste Verteidigung.

Supreme Commander 2 - Klappt im zweiten Anlauf die C&C-Entthronung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Auch die Commander-Einheit mischt wieder mit.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das gilt auch für die zentrale „Armoured Command Unit“, die ebenfalls wieder ins Feld zieht. Der zweibeinige Stahlkoloss ist das Gehirn auf dem Schlachtfeld, der Supreme Commander selbst. Wie jede andere Einheit wird das schwere Gerät immer wieder mit neuen Verbesserungen versehen, hat aber auf seinem RPG-artigen Fertigkeitenbaum bedeutend mehr Optionen als seine willigen Gehilfen. Zudem kann er wesentlich mehr einstecken als die kleineren Vertreter. Wird der Körper des Riesen trotzdem zerstört, bleibt immer noch der Kopf. Der macht sich dann auf den Weg zurück zur eigenen Basis, wo er auf ein neu konstruiertes Chassis gesetzt wird.

Bewährtes Spielprinzip mit möglicherweise bahnbrechenden Neuerungen: Chris Taylor könnte mit Supreme Commander 2 an die Spitze des Genres vorstoßen.Ausblick lesen

Um den Gegner in den 18 geplanten Einzelspieler-Missionen zu vernichten, werden Einheiten jeglicher Gattung verfügbar sein – zu Land, zu Wasser und in der Luft. Auf die werfen selbst Berge im Gelände ihre Schatten; das neue Lichtsystem macht's möglich. Neben den grundlegenden fährt Supreme Commander 2 mit kleinen und großen experimentellen Einheiten sowie der Colossus-Klasse verschiedene Kategorien im Sci-Fi-Massengemetzel auf. Spielbar sind drei Fraktionen: Die Cybran Nation, die „Colonial Defense Coalition“ und der „Order of the Illuminate“. Die Seraphim aus dem ersten Teil werden wohl nicht mehr auftauchen.

Supreme Commander 2 - Klappt im zweiten Anlauf die C&C-Entthronung?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Die neue Engine ist nicht nur schöner, sondern auch sehr viel schneller.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

„Unrealistisch“ ist es laut Taylor, dass eine Basis dem Boden gleichgemacht wird, die Fabriken aber brav ihren Auftrag bis zum Ende ausführen, statt die im Bau befindlichen Truppen bereits vorher zur Verteidigung in den Kampf zu schicken. Deshalb sind die 25 experimentellen Einheiten bei Supreme Commander 2 besonders interessant: Ab 50 Prozent Fertigstellung kann der Bau vorzeitig beendet werden. Die Chance jedoch, dass sie wirklich funktionieren, ist gleich dem Grad der Fertigstellung. Je früher die Einheit die Fabrik verlässt, desto größer also das Risiko, dass Ressourcen und Kampfkraft verpulvert wurden.

Bei der Präsentation wurde mehrfach betont, dass die Performance bei Supreme Comander 2 sehr ernst genommen werde, denn: Beim ersten Supreme Commander war die nicht immer im grünen Bereich. Viele Fans beschwerten sich über den großen Hardware-Hunger des Strategietitels. Das weiß auch Chris Taylor, der versichert, jedes einzelne Element des Spiels werde schneller sein als beim Vorgänger. Trotz verbesserter Grafik, trotz verbessertem Gameplay. So wird der Pixelsturm bei SC2 in einer brandneuen Engine erzeugt und von einem neuen Renderer veredelt. Das neue Wegfindungssystem soll zudem den Prozessor entlasten.