1997 betrat Total Annihilation die Strategiespiel-Bühne und zeigte Hobbygenerälen, dass es neben Command & Conquer und StarCraft noch andere Echtzeitstrategiespiele mit mehr Anspruch, dafür aber weniger Hintergrundgeschichte gab. Chris Taylor scharte mit seinem Strategietitel eine treue Fangemeinde um sich, die ihm auch bei dem 2007 erschienenen Supreme Commander die Treue hielt.

Auf den ersten Blick unterschied Supreme Commander vor allem der Maßstab von der Konkurrenz. Langsame Einheiten konnten auf großen Karten schon mal eine Stunde brauchen, um von einem Ende zum anderen zu laufen. Armeen mussten koordiniert werden, Truppentransporter wurden zu einem wichtigen Bestandteil der Strategie und die mächtige Zoomfunktion versetzte uns in die Sattelitenperspektive, der totale Überblick gehörte uns.

Supreme Commander 2 - Chris Taylor macht auf casual: Zu seicht für Profis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Die ACU legt den Grundstein zu unserer Basis.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch damit war das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Im Gegenteil, denn es wurde ungemein mehr Komplexität geboten. Die Wirtschaft basierte auf Masse und Energie, durch Masseextraktoren, die nur an bestimmten Plätzen gebaut werden konnten, und Kraftwerke zu gewinnen. Als Spieler konnte man die Ressourcen speichern und zeitweilig auch mehr verbrauchen, als man einnahm.

Erreichte man mit seinem Konto den Nullpunkt, lahmte die Produktion. Außerdem konnte man durch geschickte Anordnung der Kraftwerke und Extraktoren die Effizienz seiner Gebäude steigern. Statt Forschung gab es zweistufige Gebäudeausbauten, die neue Einheiten ermöglichten, die ursprünglichen Truppen waren dadurch später so gut wie unbrauchbar.

Supreme Commander 2 - Developer Walkthrough - Trailer3 weitere Videos

Schlankheitskur zum Guten?

Durch seine Komplexität war Supreme Commander für Einsteiger denkbar ungeeignet und ein ausgedehntes Mehrspieler-Match konnte problemlos vier bis fünf Stunden in Anspruch nehmen. Der zweite Teil geht da überraschender Weise einen anderen Weg. Die Karten werden allesamt kleiner und die neuen Forschungsbäume sorgen für schnellere Fortschritte bei der Entwicklung.

Supreme Commander 2 - Chris Taylor macht auf casual: Zu seicht für Profis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Die Karten erscheinen zwar groß, sind im Vergleich zum Vorgänger jedoch winzig.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im Mittelpunkt steht wieder der Konflikt zwischen der United Earth Federation (UEF), den Aeon Illuminate, die jetzt den Namen „Erleuchtete“ tragen und den Cybrans. Zwar herrschte nach den Geschehnissen von Supreme Commander eitel Sonnenschein und Frieden, doch ein Attentat lässt den alten Zwist wieder aufleben. Dabei steht die Geschichte dieses Mal mehr im Vordergrund, schafft es jedoch nicht, den Spieler wirklich in das Geschehen hineinzuziehen und zu fesseln.

Auf den ersten Blick sieht es im Tutorial so aus, als wäre alles beim Alten geblieben. Die ACU, Armored Command Unit, ist unsere erste Einheit auf dem Schlachtfeld und kann sowohl bauen als auch kämpfen. Unsere ersten Gebäude sind wie gehabt Masseextraktoren an festgelegten Standpunkten und Energiegeneratoren, die den wirtschaftlichen Grundstock bilden. Danach stehen je nach Karte Land-, Luft und Marinefabrik auf dem Bauplan. Jetzt werden langsam die ersten Veränderungen augenscheinlich.

Supreme Commander 2 - Chris Taylor macht auf casual: Zu seicht für Profis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Die Forschung wurde grundlegend geändert und ist nun leichter zugänglich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So lassen sich keine Einkäufe auf Pump mehr tätigen, stattdessen können wir uns nur noch die Produkte leisten, die unser Resourcenkonto tatsächlich hergibt, auf große Projekte wie den Bau von experimentellen Anlagen oder überdimensionale Einheiten muss folgerichtig gespart werden. Schön ist außerdem die Tatsache, dass technisch veraltete Einheiten nicht mehr unbrauchbar werden.

Zu verdanken haben wir das der Tatsache, dass nicht mehr die Fabriken aufgerüstet werden und fortan bessere Einheiten anderer Techniklevel produzieren können, sondern ein klassischer Forschungsbaum an Stelle dieses Systems tritt, der sich global auf unsere Truppen und Gebäude auswirkt. So lassen sich entweder neue Einheiten freischalten oder alte aufwerten, wobei der Weg zur neuen Techniken häufig zwangsläufig über die Verbesserung vorhandener Truppen und Gebäude führt.

Panzerfahrer Klaus

So bekommen Panzer zusätzliche Kanonenrohre und bessere Panzerung, die Reichweite des Radars oder Sonars wird verbessert oder unsere ACU erhält neue Fähigkeiten. Doch wie finanziert sich die Forschung? Die Antwort ist lapidar: über die Zeit werden automatisch Forschungspunkte generiert, die Anzeige dafür findet sich links von den altbekannten Ressourcenanzeigen am oberen Bildschirmrand. Durch die Errichtung von Forschungsstätten lässt sich die Punktegenerierung zusätzlich beschleunigen.

Supreme Commander 2 - Chris Taylor macht auf casual: Zu seicht für Profis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Grafisch bietet Supreme Commander 2 biedere Kost, gegen andere Aktuelle Spiele sieht es etwas blass aus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch nicht nur neue Einheiten tauchen in den Produktionslisten der Fabriken auf, sondern dort wo sich früher der Reiter für die anderen Tech-Stufen fand, prunkt jetzt die Möglichkeit, die Gebäude aufzurüsten. So wird aus einer Werft schnell eine Sonarstation mit Schild, Geschütztürmen und einem Silo für taktische Raketen. Das stärkt natürlich die eigene Basis, doch wie bei Supreme Commander üblich, sollte man sich nie in Sicherheit wägen.

Die Anbiederung an die Massen sorgt dafür, dass Supreme Commander 2 zum Mauerblümchen wird.Fazit lesen

Gerade fortgeschrittene Waffensysteme haben eine gigantische Reichweite und Nuklearraketen fliegen sogar problemlos über die ganze Karte und legen weite Gebiete in Schutt und Asche. Dabei wurde das Verhältnis von Zerstörungskraft zu Frustration allerdings etwas angepasst, in unseren Probespielen hatten wir immer die Möglichkeit, uns von vereinzelten starken Angriffen wieder aufzurappeln, solange sie nicht mit anderen strategischen Maßnahmen gekoppelt waren.

Nach wie vor wichtig ist der Zoom, der stufenlos von der Porträtperspektive bis in die Sattelitenansicht schwenkt. Zur besseren Übersichtlichkeit wird jetzt nicht mehr jede Einheit als Symbol dargestellt. Haben wir Gruppen auf dem Vormarsch, symbolisiert ein Kreis deren Standort und eine Zahl in der Mitte gibt die Einheitenstärke an, so lässt sich auch aus dem Weltraum der Schlachtverlauf einschätzen.

Abkürzung zum Multiplayer

Obwohl die KI in ihren sieben Schwierigkeitsgraden durchaus für Kurzweil sorgt, sind menschliche Mitspieler nach wie vor durch nichts zu ersetzen. Gerade im Mehrspielermodus machen sich die Gameplay-Änderungen schnell bemerkbar. Dank der kleineren Karten und der neu eingeführten Forschung hat sich die Spieldauer spürbar verkürzt. Auf den gigantischen Karten des Vorgängers konnten Duelle schon mal einen halben Tag dauern, sind sie jetzt meist innerhalb von ein bis zwei Stunden ausgefochten.

Supreme Commander 2 - Chris Taylor macht auf casual: Zu seicht für Profis

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 60/651/65
Gewaltige Waffensysteme waren schon immer ein Markenzeichen von Supreme Commander, trotzdem könnte die Darstellung mitreißender sein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Technisch ist Supreme Commander 2 ernüchternd. Die Grafik ist zwar hochauflösend, das Landschafts- und Einheitendesign allerdings wie schon im ersten Teil unnatürlich und steril. Die Effekte mit ihren Raketenabschüssen und Explosionen sind auf den ersten Blick beeindruckend, doch gerade die großen Detonationen offenbaren einige Mängel. Teilweise stören große Pixelgruppen den Eindruck und der Atompilz könnte beeindruckender sein, hier setzte das mittlerweile greise World in Conflict Maßstäbe, die Supreme Commander 2 nicht halten kann.

Dafür läuft das Spiel auch auf älteren Systemen flüssig und der Mehrspielermodus lässt sich nicht nur leicht einrichten, sondern funktioniert flüssig ohne LAGs. Auch akustisch werden Standards erfüllt, die Musik fällt weder störend noch besonders positiv. Die Sprachausgabe in den Zwischensequenzen ist ebenfalls weder sonderlich beeindruckend noch enttäuschend und auch die Soundeffekte können stellvertretend für das gesamte Spiel stehen, sie sind gehobenes Mittelmaß.