Autor: Matthias Grimm

Mal unter uns: Echtzeit-Strategiespiele sind zwar eine feine Sache. Doch ist bei so manchem Vertreter dieser Zunft ein schneller Klickfinger mehr von Vorteil als eine ausgeklügelte strategische Planung.

Diesem Missverhältnis entgegenzuwirken, hat sich Chris Taylor auf die Fahnen geschrieben. Wir verbrachten einen ganzen Tag mit dem »Supreme Commander« unter den Spiele-Designern in Paris, besichtigten den Eiffelturm, sprachen über das Strategiegenre im Allgemeinen und spielten natürlich ausführlich sein neues Spiel.

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Wollt ihr den totalen Durchblick?
Schon vor knapp zehn Jahren beschritt Chris Taylor mit »Total Annihilation« neue Pfade im Strategiegenre. Die bis heute einzigartige Masse an verschiedenen Einheiten, die dem Spieler zur Verfügung stand, machte das Entwickeln ganz eigener Strategien notwendig: Mit simplen Tank-Rush-Taktiken war es da nicht getan.

Supreme Commander - Ein schneller Klickfinger war gestern. Hier wird Strategie groß geschrieben!

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Gern gesehener Gast auf jeder Grillparty: der Spider-Bot.
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Der Spieler musste sich schon genau überlegen, welche Einheiten er baut und wie diese mit den anderen zusammenwirken. Kritiker bemängelten damals allerdings die mangelnde Übersicht und das (bei dieser Einheitenvielfalt verständlicherweise) unpräzise Balancing.

Auch »Supreme Commander« richtet sich nun wieder an fortgeschrittene Strategen, die lieber langfristig planen, als kurzlebig klicken. Dabei macht sich das Killer-Feature schlechthin des Spiels bezahlt: Während man in herkömmlichen Strategiespielen meist nur einen kleinen Ausschnitt des Kampfgeschehens dargeboten bekommt und sich die restliche Übersicht mithilfe einer fitzeligen Mini-Map verschaffen muss, bietet »Supreme Commander« hier den ultimativen Durchblick.

Völlig stufenlos lässt sich das Geschehen von der Nahansicht hinauszoomen, bis die komplette Karte euren Bildschirm füllt. "Nervt euch das nicht auch in bisherigen Strategiespielen?", fragt Chris und weiß die Antwort schon. "Ihr wollt euch einen Überblick verschaffen, zoomt heraus, aber nach ein paar Metern bleibt die Kamera wie an einer unsichtbaren Leine gehalten hängen." Genau das wird euch in »Supreme Commander« nicht mehr passieren! Das Feature erwies sich beim Anspielen als dermaßen praktisch, dass wir uns allerdings fragen: Werden wir jemals wieder ein Strategiespiel ohne spielen wollen?

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Die Armee der Aeon ist auf dem Vormarsch.
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Damit der Durchblick in solcher Höhe nicht verloren geht, werden die verschiedenen Einheiten durch entsprechende Symbole dargestellt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase weiß man schnell, welcher Truppenteil sich hinter den farbigen Kreisen und Dreiecken verbirgt.

Wie immer unvereinbar: innere Werte und gute Optik
Sonderlich schön sieht das allerdings nicht aus. Bisweilen überkommt einen der Eindruck, es mit einem abstrakten Brettspiel à la »Risiko« zu tun zu haben. Das ist insbesondere schade, weil die Grafik von »Supreme Commander« in der Naheinstellung außerordentlich beeindruckend ist. Da werfen riesige Schutzschilde ein bläuliches Schimmern in den Himmel über eure Basis, riesige Schlachtkreuzer durchbrechen mit ihrem Bug die Meereswellen, und gleißende Energiestrahlen setzen die Luft in Flammen.

Sehr schön in Szene gesetzt sind auch die drei unterschiedlichen Völker von »Supreme Commander«. Derer gibt es drei: die United Earth Federation, die spirituellen Aeon und die kybernetisch angehauchten Cybran. Um das Balancing nicht völlig außer Kontrolle geraten zu lassen, hat man sich bei Gas Powered Games dazu entschieden, die Einheiten der einzelnen Fraktion auf den Tech-Stufen 1 und 2 relativ ähnlich zu gestalten. Signifikante Unterschiede zeigen sich erst auf der dritten Stufe.

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Begrüßte uns in der Eiffelturm-Lounge: ein Army Commander aus Eis!
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Vor allem die extrem teuren "Experimental Units" können sich dann entscheidend auf den Ausgang einer Schlacht auswirken: Die Aeon beispielsweise verfügen über ein gigantisches UFO, das mit seinem Energiestrahl einmal komplett den Boden umpflügt und dabei alles wegdampft, was sich ihm in den Weg stellt. Dreh- und Angelpunkt beim munteren Wettrüsten bildet wie im echten Leben die Atombombe, die eine Basis mit einer einzigen Rakete in Schutt und Asche legen kann. Nur wer hier mit entsprechenden Abwehrstellungen vorsorgt, hat dann noch eine Chance.

Eine weitere Schlüsseleinheit stellt der Titel gebende Commander dar: Dieser repräsentiert eure Strategen-Wenigkeit auf dem Schlachtfeld. Wird er im Kampf zerstört, ist das Spiel verloren. Daher muss er unter allen Umständen beschützt werden. In erster Linie ist der Commander jedoch für den Bau neuer Gebäude zuständig. Hierfür benötigt er die beiden Ressourcen Energie und Material, die in entsprechenden Kraftwerken und Minen erzeugt werden.

Die Mischung macht's
Dass sich »Supreme Commander« sehr viel strategischer spielt als so mancher Genrekollege, liegt unter anderem an dem ausgeklügelten Schere-Stein-Papier-Prinzip, das unbedingt befolgt werden sollte. Mit einem unüberlegten Tank Rush werdet ihr jedenfalls eure Siegchancen ebenso gegen die Wand fahren wie Daniel Küblböck einst in den Gurkenlaster. Eine effektive Aufklärung ist da schon mal der erste Schritt: Mit wenigen Mausklicks lassen sich Wegpunkte für eure Späher setzen, die so eure Grenzen patrouillieren und feindliches Gebiet erkunden. Solch strategische Planung ist bei »Supreme Commander« unerlässlich, um nicht vorzeitig den Heldentod zu sterben.

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Ob dieser Tank Rush strategisch klug war?
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Auch solltet ihr euch unbedingt Kenntnis über die gegnerische Einheitenzusammensetzung, Abwehrmaßnahmen und Truppenstärke verschaffen, bevor ihr mit dem Angriff beginnt. Fliegt ihr blind mit euren Kampfjets in ein Bataillon von Boden-Luft-Raketen, wird es mit eurer Lufthoheit ebenso schnell vorbei sein wie mit San Marinos Traum von der EM-Qualifikation. Ein Trupp Artillerie wirkt da Wunder - am Besten von einem Hügel aus. Da die fernschießenden Gesellen aber gegen direkte Angriffe sehr anfällig sind, sollten zumindest ein paar leichte und schwere Panzer an der Flanke positioniert sein. Was macht ihr aber dann gegen mögliche Bomberangriffe aus der Luft? Ihr seht: Planung ist bei »Supreme Commander« alles - jeder Fehler rächt sich umgehend mit einem beängstigenden Dahinschmelzen eurer Streitkräfte.

Auf die Frage, ob Einsteiger mit so viel Komplexität und dem knackigen Schwierigkeitsgrad nicht überfordert sein dürften, wiegt Chris Taylor den Kopf. "Da muss man einfach Entscheidungen treffen. Und ich habe mich entschieden, ein Spiel für Hardcore-Strategen zu machen, die das beste und forderndste Strategical spielen möchten, das es je gab." Dennoch dürften auch Anfänger und Gelegenheitsspieler nach einer längeren Einarbeitungszeit von dem Tiefgang und den Möglichkeiten von »Supreme Commander« begeistert sein. Im Februar wissen wir mehr.